Experte: QR-Codes werden irgendwann Standard sein

Braunschweig  Kulturwissenschaftler Norbert Fischer sieht die Trauerkultur im rasanten Wandel – hin zum Digitalen.

Kulturwissenschaftler Norbert Fischer.

Kulturwissenschaftler Norbert Fischer.

Foto: privat

Seit mehr als 30 Jahren forscht Norbert Fischer zur Trauerkultur. Mit dem Professor für Volkskunde und Kulturanthropologie an der Uni Hamburg sprach Christina Lohner.

Wie verbreitet sind QR-Codes auf Friedhöfen?

„In Stein gemeißelte Trauer ist heute nicht mehr zeitgemäß.“
Norbert Fischer, Professor für Volkskunde/Kulturanthropologie

Bisher sind sie eher eine Idee als verbreitet. In Köln und Berlin gibt es sie zum Beispiel schon, aber die Zahl geht in Deutschland nicht mal in den Hunderterbereich. Doch auch in der Trauerkultur verschmelzen digitale und physische Welt. Die Trauer verlagert sich in den digitalen Raum, etwa auf Facebook oder virtuelle Friedhöfe. Besonders Jüngere nutzen Facebook-Profile intensiv, um zu trauern. In Stein gemeißelte Trauer ist nicht mehr zeitgemäß.

Welchen Zweck haben die Codes?

Sie sind auch der Versuch, Hinterbliebene für den Friedhof zu interessieren, die sonst nicht kommen. Zwar hat sich die Trauer insgesamt stark ausgeweitet, aber der Friedhof spielt eine immer geringere Rolle. Er ist heute in erster Linie ein Bestattungsort und Schauplatz für Kulturgeschichte.

Wie ist die rechtliche Lage?

Die Friedhofsverwaltung muss jeden Grabstein genehmigen. In der Regel ist Werbung untersagt, ebenso verunglimpfende Sprüche oder Symbole. Da liegt das Problem: Sie müssen das kontrollieren, denn mit einem QR-Code stellen Sie Öffentlichkeit her. Die rechtlichen Grundlagen dafür müssen jetzt geklärt werden, bisher wird die Entwurfszeichnung genehmigt. Das ist ein völlig ungeklärtes Feld, die Friedhofsverwaltungen müssen für sich entscheiden, wie sie damit umgehen.

Werden die Codes irgendwann Standard sein wie der Name?

Das kann ich mir sehr gut vorstellen, in den nächsten Jahren werden sie sich ausbreiten. Bei kulturhistorischen Grabsteinen sind sie schon jetzt Standard. Die digitale Trauer wird weiter zunehmen, wenn die Gesetze weiter gelockert werden. In Bremen wurde gerade der „Friedhofszwang“ aufgehoben.

Können Sie sich so einen Code persönlich vorstellen?

Für mich selbst nicht, es gibt auch sonst genügend Möglichkeiten, ein Grab zu individualisieren. Eine Gedenkseite aber schon.

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