Wolfsburg. Der VfL Wolfsburg spielt 1:1 gegen Köln. Tobias Krull, Torwart bei Landesligist MTV Gifhorn, springt als Vierter Offizieller ein.

Vor seinem Stadionbesuch am Samstagnachmittag beim VfL Wolfsburg hatte sich Tobias Krull sicherlich nicht vorstellen können, dass er in diesem Spiel der Fußball-Bundesliga eine wichtige Nebenrolle spielen sollte. Doch der Torwart und Sportliche Leiter des Landesligisten MTV Gifhorn tauschte nach einer guten Viertelstunde seinen Platz auf Haupttribüne gegen einen direkt am Spielfeldrand.

Von dort sah Krull, wie der VfL nach einem Rückstand gegen den 1. FC Köln vor 24.525 Zuschauern in der VW-Arena zurückkam und am Ende 1:1 (1:1) spielte. Aber dazu später mehr: Erst einmal sei Krulls kurioser Bundesliga-Einsatz als Schiedsrichter erklärt. Der würde nötig, weil Kölns Max Finkgräfe nach einer knappen Viertelstunde Linienrichter Thorben Siewer bei einem Klärungsversuch mit einem strammen Schuss an der Schläfe traf. Der Assistent ging sofort zu Boden und musste medizinisch versorgt werden. Nach wenigen Minuten war klar: Für Siewer geht es nicht mehr weiter, von VfL-Arzt Gunter Wilhelm begleitet verließ er den Innenraum des Stadions.

Tobias Krull von MTV Gifhorn übernimmt als vierter Schiedsrichter beim Bundesliga-Spiel in Wolfsburg.
Tobias Krull von MTV Gifhorn übernimmt als vierter Schiedsrichter beim Bundesliga-Spiel in Wolfsburg. © regios24 | Darius Simka

Für ihn musste nun der Vierte Offizielle Nicolas Winter als Linienrichter einspringen. Dessen Ersatz wiederum wurde per Lautsprecher-Durchsage im Stadion gesucht. Es wurde nach einem „Amateur-Schiedsrichter“ gefragt, der Winters Rolle als Vierter Offizieller übernehmen könne. Auftritt Krull. Er reagierte als erster infrage kommender Kandidat im Publikum und fand sich wenig später im DFB-Outfit und mit Headset am Spielfeldrand wieder, zwischen den beiden Trainern Niko Kovac und Timo Schultz. Aufregung? Nervosität? Für Krull, der in der Jugend sowie in seinen ersten beiden Herrenjahren bei VfL Wolfsburg spielte und dort unter anderem sieben Spiele für den VfL II in der Regionalliga, absolvierte, kein Problem. „Ich war nach fünf Minuten drin, ich hatte ja eh keine Zeit zu überlegen, weil ich mich in zwei Minuten umziehen musste. Dann ging es los, und am Ende hat es auch ganz gut funktioniert, glaube ich“, zog er eine zufriedene Bilanz seines kuriosen Einsatzes.

Weil er für den verletzten Siewer, der noch während der Partie ins Krankenhaus gebracht wurde, einsprang, konnte es nach einer 15-minütigen Unterbrechung weitergehen. Bis dahin hatten die Wolfsburger das Spiel bestimmt und bereits nach zwei Minuten eine sehr gute Möglichkeit durch Mattias Svanberg zur Führung gehabt.

Maehle legt hinten und vorne vor

Doch nach Wiederbeginn hatten die Kölner zunächst weniger Probleme nach der ungewollten Pause den Rhythmus zu finden. Nach einem Freistoß von außen gingen sie in Führung. Wolfsburgs Joakim Maehle verlängerte den Ball etwas unglücklich mit dem Hinterkopf und brachte so Kölns Stürmer Faride Alidou ins Spiel, der per Kopf zum 0:1 traf (37. Minute). VfL-Torwart Koen Casteels war ohne Chance.

Doch der VfL, der auf die erkrankten Maximilian Arnold und Yannick Gerhardt verzichten musste, stand nach diesem Rückschlag schnell wieder auf, schaffte nur drei Minuten später den Ausgleich. Jonas Wind gab mit einem öffnenden Pass auf die Außenbahn den Impuls, Vaclav Cerny leitete weiter und der heraneilende Maehle machte diesmal vorne alles richtig und fand mit einer scharfen Hereingabe Torschütze Kevin Paredes. Ein wichtiges Tor, auch für Trainer Kovac, der bei einer Niederlage gegen Köln wohl sehr um seinen Job hätte bangen müssen.

VfL-Sportdirektor Schindzielorz: Ein Punkt ist zu wenig

Doch es war auch nicht gerade ein klares Statement, was seine Mannschaft anschließend in der zweiten Hälfte abgab. Die Partie war sehr zerfahren, mit wenig Klarheit auf beiden Seiten. Und es war leider nicht so, dass der Tabellensechzehnte Köln schwächer als der VfL war. Beide Teams bewegten sich auf ähnlichem Niveau. Deshalb dürften die Diskussionen um Trainer Kovac nicht verstummen. „Wir sind wieder enttäuscht. Wir hatten uns deutlich mehr vorgenommen. Es leider wieder nur ein Punkt geworden, das ist deutlich zu wenig in unserer Situation“, meinte ein frustrierter VfL-Sportdirektor Sebastian Schindzielorz.

Allerdings hätte Paredes mit einem zweiten Tor noch für das dringend benötige Erfolgserlebnis für den VfL sorgen können. Kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit scheiterte der US-Boy aber aus kurzer Distanz an Kölns Torwart Marvin Schwäbe. So blieb es beim 1:1, dem dritten in diesem Jahr für die Grün-Weißen. Damit entfernen sie sich immer weiter von ihrem Ziel Europa, und die Luft für Kovac wird dünner.