VfL Wolfsburg

Marmoush: Wohin ich im Sommer will, beschäftigt mich noch nicht

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Beim VfL Wolfsburg konnte sich Omar Marmoush nicht durchsetzen - bislang zumindest. Am Samstag kommt es zum Wiedersehen..

Beim VfL Wolfsburg konnte sich Omar Marmoush nicht durchsetzen - bislang zumindest. Am Samstag kommt es zum Wiedersehen..

Foto: Darius Simka / regios24

Wolfsburg.  Kommt Omar Marmoush nach der Leihe zum VfL Wolfsburg zurück? In dieser Liga würde er gerne mal spielen. Vor dem Wiedersehen spricht er im Interview.

Omar Marmoush steht noch bis 2023 beim VfL Wolfsburg unter Vertrag. Durchsetzen konnte sich der ägyptische Nationalspieler in der VW-Stadt bislang aber nicht. Um seine Entwicklung voranzutreiben, haben die Wölfe-Macher den 23-Jährigen deshalb nun schon zum zweiten Mal verliehen. Am Samstag (15.30 Uhr) kommt es nun zum Wiedersehen, wenn Marmoushs derzeitiger Klub, der VfB Stuttgart, seinen Stammverein, den VfL Wolfsburg empfängt.

Im Interview spricht er unter darüber, warum es beim VfL bislang nicht geklappt hat, in welcher Liga er gerne spielen möchte, den Einfluss von Mo Salah und in welcher Hinsicht sie in Wolfsburg besonders streng waren.

Herr Marmoush, im Jahr 2017 sind Sie zum VfL Wolfsburg gekommen, konnten sich aber bei den Profis nicht richtig durchsetzen. Bei Ihren Leihe-Stationen in St. Pauli und jetzt beim VfB Stuttgart zeigten Sie aber starke Leistungen. Fühlen Sie sich durch die Leihegeschäfte ein wenig herumgeschoben und ärgert es Sie, in Wolfsburg noch keine richtige Chance bekommen zu haben, sich zu beweisen?

In meiner Zeit in Wolfsburg habe ich keine regelmäßigen Einsatzzeiten bekommen. Um dann meine Spielminuten zu bekommen und mich zu entwickeln, bin ich ausgeliehen gewesen. Jetzt geht es darum, der Mannschaft des VfB Stuttgart zu helfen.

Sie stehen beim VfL noch bis 2023 unter Vertrag. Gibt es schon Gedanken an die Zukunft? Wäre es vielleicht sogar Ihr Wunsch, in Stuttgart zu bleiben, oder wollen Sie in Wolfsburg einen neuen Anlauf nehmen? Oder gibt es vielleicht sogar eine dritte Option?

Ich bin noch nicht auf den Sommer fokussiert. Das interessiert mich noch nicht wirklich, weil wir hier beim VfB in der Situation sind, den Klassenerhalt schaffen zu wollen. Natürlich habe ich noch ein Jahr Vertrag in Wolfsburg. Das heißt, ich kehre im Sommer zurück. Aber wer weiß, was in Zukunft passiert ...

Das heißt, Sie können noch nicht zu 100 Prozent sagen, ob Sie in der kommenden Saison auch im VfL-Trikot auflaufen werden?

Bis jetzt regelt das der Vertrag. Und der läuft noch ein Jahr lang.

Hatten Sie denn zuletzt einmal Kontakt zu Geschäftsführer Jörg Schmadtke oder auch Sportdirektor Marcel Schäfer? Gibt es da aus Wolfsburg schon klare Signale bezüglich einer Rückkehr?

Mein Berater spricht mit den Vereinen und den Sportdirektoren. Ich konzentriere mich auf meine Saison und darauf, was ich auf dem Platz leiste. Ich beschäftige mich nicht damit, wo ich im Sommer hinwill, oder ob es Interesse gibt oder ähnliches. Das macht mein Berater.

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Waren denn die Leihgeschäfte für Sie lehrreich? Sie haben bei St. Pauli ja auch den Umweg über die 2. Liga genommen, bevor Sie sich in der Bundesliga etablieren konnten.

Natürlich. Ich kam von Wolfsburg, hatte da ein paar Einsätze, aber noch nicht richtig bei den Profis gespielt. In der 2. Liga habe ich 21 Spiele gemacht, und die haben mir sehr geholfen, weil ich dort sehr viel gelernt habe. Wir waren in St. Pauli auch im Abstiegskampf, sind dort aber herausgekommen. Ich glaube, es hat mich sehr vorangebracht, auch im Männerbereich regelmäßig zu spielen. Ich denke, ich habe das auch ordentlich gemacht – und deswegen bin ich jetzt hier.

Im Hinspiel zwischen dem VfL und dem VfB haben Sie beim 2:0-Sieg Stuttgarts einen Elfmeter verschossen, den Sie lässig in Panenka-Manier ins Tor lupfen wollten, aber die Latte trafen. Wenn es im Rückspiel noch einen Strafstoß geben sollte, würden Sie wieder antreten? Und vor allem: Würden Sie wieder die lässige Variante wählen?

Ich wollte den Elfmeter in die Mitte schießen, weil ich schon viel mit VfL-Keeper Koen Casteels trainiert habe und viele Elfmeter gegen ihn geschossen habe. Er weiß ganz genau, wie ich schieße. Ich habe das gar nicht arrogant dem VfL gegenüber gemeint, weil ich sehr dankbar über Zeit bin, die ich in Wolfsburg hatte – bei der U23 und bei den Profis. Aber wer weiß, wenn wir irgendwann noch mal einen Strafstoß bekommen, vielleicht mache ich es dann noch einmal so (lacht).

Werden Sie denn überhaupt im Duell zwischen dem VfB und dem VfL mitspielen können? Zuletzt machte Ihr Oberschenkel ja Probleme. Wie ist da der Stand?

Es sieht auf jeden Fall besser aus als Anfang der Woche. Ich habe am Dienstag und Mittwoch individuell trainiert und gebe alles dafür, am Wochenende spielen zu können.

Mit dem VfB Stuttgart stehen Sie in der Bundesliga auf dem Relegationsplatz. Nur zwei Punkte dahinter steht Bielefeld auf dem ersten direkten Abstiegsrang. Was stimmt Sie denn positiv, den Abstieg noch vermeiden zu können?

Ich glaube, wir wissen um unsere gute Qualität in der Mannschaft. Das haben wir schon öfter gezeigt. Wir müssen nur unsere Leistung abrufen, auf uns gucken und einhundert Prozent geben.

Sie habe, eine sehr impulsive und leidenschaftliche Spielweise, die manchmal vielleicht ein wenig als egoistisch wahrgenommen wird. Müssen Stürmer diese Eigenschaft vorweisen, hier und da auch etwas egoistisch zu sein?

Das sieht jeder anders. Ich würde sagen, jeder Stürmer braucht etwas Egoismus. Wenn nicht, macht er auch keine Tore. Ich versuche, meiner Mannschaft durch meine Dribblings und meine Aktionen zu helfen. Wenn es manchmal so aussieht, dass ich den Ball nicht abspielen will, habe ich dabei nicht im Kopf, egoistisch sein zu wollen.

Zum Jahresbeginn waren Sie beim Afrika Cup und sind dort erst im Finale an Senegal gescheitert. Inwiefern hat auch diese Erfahrung geholfen, sich weiterzuentwickeln?

Das war eine sehr gute Erfahrung für mich. Natürlich war es auch ein Traum von mir, beim Afrika Cup spielen zu dürfen. Und dass wir dann gleich ins Finale gekommen sind, ist schon sehr besonders. Das hat mich auch, was meine mentale Stärke angeht, weiterentwickelt. Das erste Spiel haben wir gegen Nigeria verloren und es trotzdem bis ins Endspiel geschafft. Wenn man in so einer Situation mal gewesen ist, dann weiß man auch ein Stück weit, wie man mit einer Situation wie jetzt beim VfB umgeht. Auch von meinen Mitspielern, die schon öfter dabei waren, habe ich viel gelernt. Von Mo Salah zu Beispiel. Der ist einer der besten Spieler der Welt. Von ihm kann man auf dem Platz und auch daneben sehr viel lernen.

Wie ist das denn so, wenn man einem Spieler dieser Klasse zum ersten Mal gegenübersteht?

Es ist nicht selbstverständlich, in deinem Klub oder deiner Nationalmannschaft einen der besten Spieler der Welt zu haben. Wenn man davon träumt, irgendwann auch in England zu spielen, muss man genau schauen, was er macht und, was nötig ist, auch dahinzukommen. Er ist aber auch ein sehr ruhiger Mensch. Einfach ein Teil der Mannschaft. Er ist so etwas wie ein großer Bruder für die jüngeren Spieler wie mich.

Sie würden also gerne einmal in England spielen?

Ja. Das wäre für mich ein Traum.

Haben Sie da einen Lieblingsklub?

Nein, einen Lieblingsklub habe ich nicht. Aber schaue mir viele Spiele von Arsenal und Liverpool an, weil meine Nationalmannschaftskollegen dort spielen. Ich schaue aber allgemein gerne Fußball.

Was genau würden Sie sich denn vor allem von Mo Salah abschauen wollen?

Vieles! Auf dem Platz einfach, wie er sich verhält. Und daneben seine Professionalität. Für ihn zählt jede Kleinigkeit. Essen, Trinken, Schlafen, Regenerieren – alles, was er im Leben dafür tut, um immer topfit zu sein, kann man sich abschauen.

Wie wird man als kleiner Junge in Ägypten eigentlich Fußballer? Gab es da Vorbilder? Vielleicht sogar in der eigenen Familie?

In meiner ganzen Familie spielt niemand Fußball. Leider (lacht). Die haben auch sonst nichts damit zu tun. Als ich aufgewachsen bin, hatte ich immer einen Ball an meiner Seite. Mit vier oder fünf Jahren sieht man dann schon, dass man für Fußball gemacht ist. Ich glaube, ich hätte nichts anderes machen können.

Zum Abschluss noch einmal etwas ganz anderes: Sie sind seit 2017 in Deutschland, sprechen die Sprache aber schon deutlich besser als manch ein Profi, der hier schon zehn Jahre kickt. Wie kommt das?

Beim VfL Wolfsburg waren sie sehr streng, was das angeht (lacht). Ich hatte alle paar Tage Unterricht. Auch in der U23 hat nicht jeder Spieler Englisch gesprochen. Ich war auch etwas gezwungen, viel Deutsch zu sprechen. Und ich habe mich nicht geschämt, Fehler zu machen. Ich habe einfach geredet. Ich glaube, deswegen kann ich jetzt ein bisschen Deutsch (lacht).

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