Unruhige Nacht für Maximilian Arnold nach roter Karte

Wolfsburg  Der Mittelfeldspieler des VfL Wolfsburg fehlt wohl nur ein Spiel. Das 2:2 bei Union Berlin ist für ihn ein "Punkt der Moral".

Maximilian Arnold schleicht nach seiner roten Karte vom Platz. Die Partie seines VfL Wolfsburg bei Union Berlin endet 2:2.

Maximilian Arnold schleicht nach seiner roten Karte vom Platz. Die Partie seines VfL Wolfsburg bei Union Berlin endet 2:2.

Foto: Darius Simka / regios24

Maximilian Arnold hat eine unruhige Samstagnacht hinter sich. Der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler des VfL Wolfsburg kennt solche Nächte, ist er doch mittlerweile Vater zweier kleiner Söhne. Doch von Samstag auf Sonntag schlief er schlecht wegen der Ereignisse des vorangegangenen Nachmittags. Arnold stand im Mittelpunkt des Bundesliga-Spiels seiner Wolfsburger bei Union Berlin, das 2:2 (1:1) endete, in dem er aber in der 50. Minute wegen einer Notbremse mit der roten Karte vom Platz geflogen war.

Den fälligen Freistoß verwandelte Robert Andrich zur 2:1-Führung für Union, Wout Weghorst erzielte per Handelfmeter in Minute 65 noch den 2:2-Endstand. Zuvor hatte Renato Steffen (10. Minute) die Wolfsburger in Führung gebracht, die durch Berlins Sheraldo Becker (29.) egalisiert wurde. Dass der VfL in 40-minütiger Unterzahl bei den starken Berlinern noch zu einem 2:2 kam, legte die grün-weiße Erkenntnis frei: Es ist ein gewonnener Punkt, es sind keine zwei verlorenen. Oliver Glasner verteilt ein „großes Kompliment“ an seine Spieler. „Wie die Mannschaft im Rückstand und zudem mit einem Mann weniger reagiert hat, beweist, dass wir gefestigt sind und einen guten Spirit haben“, sagt der Trainer.

Europapokal - VfL Wolfsburg weiterhin gut im Soll

Im Rennen um die Europapokal-Plätze ist der VfL weiterhin „gut im Soll“, wie Arnold betont. „Wir sind mittendrin, es läuft alles.“ Auf Rang 6 stehen die Wolfsburger nach 15 Spieltagen mit 25 Punkten. Kurios, dass zwischen dem 5. Platz (Union, 25 Punkte) und dem 9. Platz (Frankfurt, 23 Punkte) nur zwei Zähler liegen. Die Hinrunde ist noch nicht ganz beendet, aber das Rennen um die Startplätze auf Europas Bühnen läuft bereits auf Hochtouren.

Am Samstag zog Glasners Mannschaft nicht an Union vorbei. Sie schlug wie schon bei den Bayern (1:2) und in Dortmund (0:2) nicht ausreichend Kapital aus einer guten Anfangsphase. Zwar hätten die Köpenicker nach einem Zufallsprodukt in Minute 2 durch Becker schon in Führung gehen müssen, doch hielten die Wolfsburger fortan das Ruder fest in der Hand. Sie brachten das sonst so stabile Berliner Defensivgebilde mit präzisen Pässen und vielen Läufen in die Tiefe in Bewegung. Der Lohn: die Führung durch Steffens schönen Kopfball nach einer Ecke Arnolds.

Der nur 1,70 Meter große Steffen erzielte seinen insgesamt 13. Bundesliga-Treffer – sechs davon mit Köpfchen. „Das Timing ist entscheidend“, erklärt der 29 Jahre alte Schweizer seine überraschende Stärke. „Und ich mache das einfach sehr gerne.“ So belohnten sich die Wolfsburger für eine starke Anfangsphase. Aber dann trat das altbekannte Problem wieder auf: Sie legten keinen Treffer nach. „In den entscheidenden Momenten müssen wir ein weiteres Tor erzwingen“, sagt Arnold.

Union Berlin kommt gegen Wolfsburg aus dem Nichts zum Ausgleich

Doch das fiel nicht. Im Gegenteil. Aus dem Nichts kam Union zum Ausgleich – mit Ankündigung. „Wir hatten die ganze Woche besprochen, dass wir solche Aktionen vermeiden wollen“, grantelt Glasner. Marin Pongracic hatte einen Flachpass durchs Zentrum auf den von Berlinern umringten Xaver Schlager gespielt. Und Unions Falle schnappte zu, Becker vollendete die schnelle Umschaltbewegung zum 1:1, dem Pausenstand.

Nach dieser kam Pongracic nicht mehr zurück auf den Rasen. Der Deutsch-Kroate gibt derzeit einige Rätsel auf. „Er hatte schon in der ersten Hälfte große Probleme mit der Luft“, erklärt Glasner. „Er hatte schon nach 15 Minuten beide Hände auf den Knien. Das kennt man sonst eher aus Verlängerungen. Marin ist einfach nicht in einem hundertprozentig fitten Zustand.“ Kann Pongracic auch gar nicht sein, findet Glasner.

Denn im vergangenen Jahr hatte der Abwehrspieler Pfeiffersches Drüsenfieber, eine muskuläre Verletzung und eine Covid-19-Infektion. All das schwächt den 23-Jährigen derzeit offenbar. Glasner: „Keiner von uns weiß, wie sich die Corona-Infektion in Monaten auswirkt.“ Auch Maxence Lacroix (20, Abwehr) wird derzeit nach seiner Covid-19-Erkrankung noch geschont. In Berlin blieb Pongracic in der Kabine, Josuha Guilavogui ersetzte ihn. Dieser Wechsel kam wohl 45 Minuten zu spät.

Maximilian Arnold wird wegen Notbremse vom Platz gestellt

Der VfL-Kapitän aus Frankreich war gerade fünf Minuten auf dem Rasen, als Arnold den durchgebrochenen Union-Stürmer Taiwo Awoniyi umzupfte und wegen der Notbremse vom Platz gestellt wurde. Noch auf dem Rasen erklärte Patrick Ittrich diese Entscheidung. „Der Schiedsrichter hat mir gesagt, dass ich keine Bewegung zum Ball gemacht habe, sondern nur die Absicht hatte, den Gegenspieler zu Fall zu bringen“, erzählt der Mittelfeldspieler. „Das ist die Regel. Ich muss sie wohl akzeptieren.“ Der Bestrafte schlich vom Feld und verpasste Unions Führungstor.

Andrich, ein dicker Kumpels Arnolds, schnippelte den Freistoß zum 2:1 ins Tor – und verkürzte damit voraussichtlich die Sperre des Wolfsburgers. Führt die Strafaktion unmittelbar zu einem Tor, verringert sich die persönliche Strafe des Übeltäters. Arnold dürfte den Wolfsburgern demnach nur im Heimspiel gegen Leipzig (Samstag, 15.30 Uhr) fehlen.

Vier Stürmer des VfL tun sich besonders hervor

Mit dem 1:2 im Rücken und dazu im personellen Nachteil schüttelten sich die Wolfsburger kurz. Glasner erkannte, dass sich die Spieler „auf dem Platz die Aufgabe als Herausforderung akzeptiert haben“. Vier Wolfsburger taten sich aus einem gesunden Kollektiv fortan besonders hervor: Guilavogui als Stabilitätsfaktor und Kommunikator in der Abwehr; Yannick Gerhardt und Xaver Schlager als Löcherstopfer im Mittelfeld und Weghorst im Sturm.

Der Niederländer erzielte kurze Zeit nach dem Doppelschock das 2:2 vom Elfmeterpunkt (65.), es war bereits sein zehnter Saisontreffer. Josip Brekalo hatte zuvor Berlins Marcus Ingvartsen an den ausgefahrenen Arm geschossen. Bis in die Schlussphase hinein, die Arnold in der Kabine auf dem Handy verfolgte, weil zu allem Überfluss der Fernseher nicht funktionierte, war der personelle Nachteil des VfL nicht sichtbar, weil die Wolfsburger mit großer taktischer wie läuferischer Disziplin arbeiteten. „Das ist ein Punkt für die Moral“, sagt Arnold. Der mit diesem Erkenntnisgewinn nun vielleicht wieder besser schlafen kann.

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