Glasners Freude: Große Auswahl beim VfL Wolfsburg

Wolfsburg.  Nach ihren Corona-Infektionen fehlen Lacroix und Roussillon gegen Union Berlin - aus Schutz, wie der Trainer sagt.

Wout Weghorst (in Grün) arbeitet gegen Dortmunds Manuel Akanji.

Wout Weghorst (in Grün) arbeitet gegen Dortmunds Manuel Akanji.

Foto: Simka / regios24

Oliver Glasner probte am Mittwoch den Ernstfall: Elf Spieler des VfL Wolfsburg traten an gegen elf Spieler des VfL Wolfsburg - in einem internen Test. Der 46 Jahre alte Trainer des Bundesligisten war von den Auftritten all seiner Spieler angetan. „Da war richtig Punch drin“, sagt Glasner, der seinen Klub und sich in einer „super Konstellation“ verortet.

Denn: Fast alle Spieler stehen ihm im nächsten Spiel gegen Union Berlin (Samstag, 15.30 Uhr) zur Verfügung. Von einem Luxusproblem spricht Glasner nicht. „Ich sehe das nur positiv.“ Im Angriff hat er beispielsweise mehrere Alternativen zu Wout Weghorst, weil Daniel Ginczek und Bartosz Bialek fit sind. Auf der rechten Außenbahn treten Kevin Mbabu und William hervor, um Ridle Baku zu verdrängen. „Ich könnte noch mehr Positionen mit großem Konkurrenzkampf aufzählen“, sagt der VfL-Trainer zufrieden.

Glasner hat verschiedene taktische Möglichkeiten

Er weiß: „Die stacheln sich gegenseitig an. Jeder kämpft entweder darum, seinen Platz in der Startelf zu verteidigen - oder einen zu erobern.“ Daher kann Glasner guten Gewissens die taktischen Möglichkeiten aufzählen, die ihm durch den Kopf schweben, um am Samstag Union zu besiegen. Ein 4-4-2-System sei möglich, auch ein 4-3-3 oder das zuletzt verwendete 4-2-3-1 - die Wolfsburger haben Möglichkeiten, personell wie taktisch.

Diese Flexibilität brauchen sie einerseits mit Blick auf die kommenden Wochen. Xaver Schlager und Maximilian Arnold haben etwa jeweils schon vier gelbe Karten und sind bei der nächsten gesperrt, dazu steht bald eine englische Woche an. Andererseits kann die Unberechenbarkeit ein Faktor sein, um die Berliner zu schlagen. Das Team von Urs Fischer ist die große Überraschung dieser Spielzeit.

Glasner: "Das wird eine richtige Hausnummer für uns."

Die Köpenicker stehen nach 14 Spielen punktgleich, aber mit besserer Tordifferenz auf Platz 5, einen Rang vor dem VfL. Der Coach aus der Schweiz hat seine Mannschaft im Vergleich zur Vorsaison noch einmal verbessert, findet Trainerkollege Glasner. „Sie sind sehr unangenehm zu bespielen, das wird eine richtige Hausnummer für uns“, sagt der Wolfsburger. Was macht Union so gut? „Sie haben eine klare Idee von ihrem Spielstil, dafür wurde der Kader zusammengestellt“, so Glasner, der aufzählt: „Die Spieler sind groß, robust, laufstark und verteidigen mit einer starken Mentalität. Dann schalten sie nach Ballgewinnen sehr schnell in die Offensive um und sind bei Standards enorm gefährlich.“

Mannschaft muss zurück auf Erfolgsspur

Die Berliner klingen unangenehm, sie sind es auch. „Im Vergleich zum ersten Jahr hat sich ihre Spielweise sehr zum Positiven entwickelt“, findet Glasner. Seine Mannschaft muss nach den jüngsten Auswärtsniederlagen in München (1:2) und Dortmund (0:2) zurück in die Erfolgsspur, will sie oben dranbleiben. Die zwei vergangenen Heimspiele Unions waren gegen die gleichen Gegner. Die Bayern kamen im Stadion An Der Alten Försterei nicht über ein 1:1 hinaus, der BVB fuhr sogar ganz ohne Punkte heim ins Ruhrgebiet (1:2).

Zwei Spieler nach Corona-Infektion nicht dabei

Die Wolfsburger wissen darüber Bescheid. Zwei Spieler werden die Reise nach Köpenick nicht mit antreten: Jérôme Roussillon und Maxence Lacroix. Beide müssen nach ihren Corona-Infektionen „behutsam aufgebaut werden“, sagt Glasner. Für Roussillon hinten links wird wieder Paulo Otavio spielen, Lacroix‘ Posten in der Abwehrmitte hat Marin Pongracic inne. Der 23 Jahre alte Deutsch-Kroate hatte sich zuletzt einen Rüffel des Sportchefs eingefangen. Jörg Schmadtke war gar nicht einverstanden damit, dass sich Pongracic in Dortmund kurz vor dem Ende einfach auf den Rasen gesetzt hatte, um ausgewechselt werden zu können.

„Wir sind hier nicht in einem Hinterhof, sondern in der Bundesliga“, wetterte der Sportchef. „Wenn ein Spieler ausgewechselt werden will, soll er den Ball ins Aus schießen.“ Aber sich hinzusetzen und auf eine Spielunterbrechung durch den Schiedsrichter zu hoffen, ist für Schmadtke „ein Stück weit unprofessionell.“ Glasner spricht bei der Personalie über einen „Spagat“. Denn: „Wir brauchen Marins Qualitäten aktuell, müssen aber gleichzeitig seinen Fitnesszustand verbessern, weil er im vergangenen Jahr immer wieder ausgefallen war.

Marin nicht bei 100 Prozent

Marin ist nicht bei 100 Prozent, deswegen reicht es bei ihm nicht für 90 Minuten.“ Das sei eine „große Herausforderung“, aber „Marin zieht voll mit.“ Pongracic sollte sich lieber nicht zufrieden geben mit dem Lob des Trainers. Glasner registriert den Kampf um die wenigen Startelfplätze. Für den Österreicher ist es eine angenehme Lage, für die Spieler bedeutet es: Höchstleistung in jeder Aktion abrufen, sonst schnappt der Konkurrent zu. Die „Wölfe“ scharren mit den Pfoten.

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