Glasner: Positiv gegen gleich zwei Negativrekorde

Wolfsburg.  Der VfL Wolfsburg will am Sonntag den ersten Sieg in der Fußball-Bundesliga-Saison einfahren. Weghorst meldet sich fit für Arminia Bielefeld.

Gegen Arminia Bielefeld will der VfL Wolfsburg am Sonntag auch nach 90 Minuten jubeln. Nach vier Unentschieden zum Auftakt soll gegen den Aufsteiger der erste Sieg her.

Gegen Arminia Bielefeld will der VfL Wolfsburg am Sonntag auch nach 90 Minuten jubeln. Nach vier Unentschieden zum Auftakt soll gegen den Aufsteiger der erste Sieg her.

Foto: Darius Simka / regios24

Die Einstellung gleich zweier Negativrekorde droht dem VfL am Sonntag, wenn er nicht sein Bundesliga-Heimspiel gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld gewinnen sollte: Zum einen hätten die Wolfsburger dann zum zweiten Mal in ihrer Erstliga-Historie achtmal in Folge in der VW-Arena nicht mehr gewonnen (zuletzt am 23. Februar mit 4:0 gegen Mainz 05), und im Falle des fünften Remis seit Saisonbeginn wären sie mit Köln (1991), Düsseldorf (1995) und Hertha BSC (2004) gleichauf. Um den Liga-Start in positive Bahnen zu lenken, herrscht schon ein gewisser Druck, den VfL-Coach Oliver Glasner allerdings nicht an sich heranlassen möchte. Er selbst verspüre keinen. Der österreichische Trainer bleibt positiv und sagt: „Wenn wir die Leistung weiter so bringen und in dem einen oder anderen Bereich noch ein bisschen draufpacken, dann kommen die Siege.“

Dabei gibt es mehrere Punkte, die den 46-Jährigen vor dem Duell mit der Arminia optimistisch stimmen: Zum einen sind da die Leistungen in den einzelnen Spielen, wobei er das 1:1 in Freiburg mit durchgewürfelter erster Elf etwas herausnimmt.

Unseren VfL-Podcast zum Bielefeld-Heimspiel finden Sie hier:

Glasner positiv gestimmt, Weghorst ist fit

Der zweite Aspekt, den Glasner ins Feld führt, ist das, was seine Mannschaft ihm unter der Woche im Training anbietet. Zahlreiche Spieler sind nach Verletzungen und Erkrankungen zuletzt zurückgekehrt, wenn auch noch nicht wieder einsatzfähig. Doch es erhöht die Qualität und hebt die Stimmung. „Deswegen bin ich positiv gestimmt, dass es mit dem ersten Sieg und dem ersten Heimsieg nach so langer Zeit wieder klappt“, sagt der Coach.

Wichtig für Glasner: Wout Weghorst (Nackenbeschwerden) hat am Freitag erstmals in dieser Woche mit der Mannschaft trainieren können, ohne Probleme. Der niederländische Toptorjäger des VfL steht am Sonntag ebenso zur Verfügung wie Joao Victor (Adduktorenprobleme) und Daniel Ginczek (muskuläre Probleme). Fehlen wird allerdings Josip Brekalo nach einem positiven Corona-Test.

Philipp „Schritt weiter“ – und ein Startelfkandidat?

Die Offensive befindet sich nach erst zwei Treffern besonders im Fokus. Eine Option für die Startelf könnte Maximilian Philipp sein. Dem von Dinamo Moskau gekommenen Neuzugang bescheinigte Wolfsburgs Coach „eine sehr, sehr gute Trainingswoche. Deswegen sehe ich ihn einen Schritt weiter als er letzte Woche war“. In Mönchengladbach war Philipp erst in der Schlussphase gekommen. Die Trainingseindrücke ließen darauf schließen, dass er in die erste Elf rücken könnte.

Mit den Bielefeldern hat sich Glasner auch intensiv auseinandergesetzt. Einerseits schwärmt der Österreicher: „Sie haben eine klare Struktur, wie sie mit Ball und gegen den Ball agieren wollen. Das ist eine Mannschaft, die sehr lauf- und zweikampfstark ist. Natürlich dann in der Offensive mit Fabian Klos einen klaren Zielspieler haben, der mit seiner Größe und Robustheit viele Bälle festmachen kann.“

Aber, so der VfL-Trainer weiter: „Trotzdem denken wir, dass wir auch gesehen haben, wo Bielefeld zu knacken ist, über welche Räume wir unsere Angriffe starten wollen und die ausnutzen wollen.“ Die eigene Angriffsabteilung dürfte der Coach dabei verstärken, Admir Mehmedi als offensiver Mittelfeldspieler hinter den Spitzen könnte seine Lösung für die Partie sein. Wobei Glasner gleichfalls darauf bedacht sein wird, seine bisher sattelfeste Defensive, die nur zwei Gegentore – und die nach Standards – zuließ, nicht zu schwächen.

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Bielefeld-Spiel als Stimmungsbarometer um den Klub

Der Österreicher geht positiv mit diesem Saisonstart um, aus dem sich jeder ziehen kann, was er möchte. Die einen sehen das Glas ohne Niederlage halbvoll, die anderen sehen es halbleer und einen VfL ohne Saisonsieg. Das Wolfsburger Ergebnis gegen Bielefeld könnte die Stimmung in der öffentlichen Wahrnehmung kippen lassen – in die eine oder die andere Richtung. Den Trainer lässt diese Diskussion kalt, auch wenn sein Ton bei diesem Thema etwas deutlicher wird: „Es ist für mich vergeudete Zeit, Was-wäre-wenn-Spielchen anzustellen.“

Glasners Begründung: „Im vergangenen Jahr waren wir zunächst neun Spiele unbesiegt und vorne dabei. Und im Winter waren wir dann Neunter.“ Weder das eine noch das andere habe eine größere Aussagekraft gehabt. „Nach jeder Runde Bilanz zu ziehen, davon halte ich nicht viel . Am Ende des Tages wird abgerechnet, und das ist im nächsten Jahr Ende Mai, das ist wichtiger.“

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So weit, so richtig. Aber: Um die internationalen Plätze, um die die Wolfsburger auch in diesem Jahr mitspielen wollen, nicht aus den Augen zu verlieren, müssen neben den Leistungen irgendwann auch die Ergebnisse stimmen. Im besten Fall schon am Sonntag gegen Bielefeld. Und nebenbei hätte der VfL auch noch bis zu zwei Negativrekorde abgewendet, auf die er gerne verzichten würde.

VfL Wolfsburg – Arminia Bielefeld Sonntag, 15.30 Uhr, VW-Arena.

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