Der VfL Wolfsburg fliegt mit Wissenslücken nach Albanien

Wolfsburg.  Der VfL Wolfsburg spielt in der Europa League-Qualifikation beim FK Kukesi. Doch in der Vorbereitung stieß Trainer Glasner auf Hindernisse.

Engagiert im Abschlusstraining: Bartosz Bialek (links) und Josip Brekalo wollen mit dem VfL am Donnerstagabend in Tirana bei FK Kukesi in die nächste Quali-Runde der Europa League einziehen.

Engagiert im Abschlusstraining: Bartosz Bialek (links) und Josip Brekalo wollen mit dem VfL am Donnerstagabend in Tirana bei FK Kukesi in die nächste Quali-Runde der Europa League einziehen.

Foto: VfL Wolfsburg / oh

Normalerweise schauen sich Oliver Glasner, der Trainer des VfL Wolfsburg, und sein Scouting-Team mehrere Partien eines Gegners an, um in Detailarbeit alle Stärken und Schwächen herauszuarbeiten. Über welche Akteure läuft der Spielaufbau? Wer ist der erste Zielspieler in der Offensive? Um seine Mannschaft auf das Spiel gegen den FK Kukesi in der zweiten Qualifikationsrunde der Europa League am Donnerstagabend (20 Uhr) vorzubereiten, stand Glasner und Co. nur ein Spiel zur Verfügung. „Einmal 90 Minuten sollen reichen“, sagt der österreichische Trainer.

Die albanische Liga, in der Kukesi zuletzt dreimal in Folge Vizemeister wurde, haben selbst die umtriebigen VfL-Scouts nicht automatisch im Blick. Deshalb wollte Glasner vom Spieltag am Wochenende gerne noch Videomaterial haben. Aber der fiel aufgrund eines Boykotts der zehn Klubs der „Kategoria Superiore“ aus, die sich in Corona-Zeiten mehr Hilfe von der Regierung ihres Landes wünschen. So blieb es beim 2:1-Sieg Kukesis in der ersten Qualirunde der Europa League gegen Slavia Sofia aus Bulgarien, das sich die Wolfsburger zwecks Gegneranalyse anschauen konnten.

Glasner erwartet technisch starken Gegner

Deswegen erklärt Glasner auch: „Ein paar kleine Fragezeichen sind geblieben.“ Doch einige Dinge sind dem 46-Jährigen bekannt, etwa das System (4-2-3-1), in dem die Albanier spielen. Und: „Es ist ein technisch sehr versiertes Team. Wie man es vom Balkan kennt, sind die Spieler technisch sehr gut ausgebildet.“ Bei aller Notwendigkeit, sich mit dem Gegner auseinanderzusetzen, ist allerdings auch klar: Wolfsburg ist haushoher Favorit in diesem Duell. „Wichtig ist, dass unsere Leistung passt“, so Glasner. „Ist es so, dann werden wir auch eine Runde weiterkommen.“

Alles andere wäre eine herbe Enttäuschung für den VfL, der im Endspurt der Vorsaison eine bessere Platzierung als Rang 7 verspielt hatte und so den Umweg durch die Qualifikation nehmen muss, um zum zweiten Mal in Folge in der Gruppenphase der Europa League dabei zu sein. Deshalb haben die Wolfsburger auch einen so vollen Terminkalender. Geht es in Albanien gut, steht eine Woche später bereits das nächste Qualispiel gegen Desna Tschernihiw aus der Ukraine und wieder nur eine Woche darauf das entscheidende Playoff-Spiel an. Und zwischendurch startet der VfL am Sonntag zu Hause gegen Leverkusen noch in die neue Bundesliga-Saison. „Wir müssen es als Herausforderung sehen“, so Glasner. „Wir wollen europäisch spielen, dann gehört das dazu.“

Belastungssteuerung ist das A und O

Für den VfL-Trainer heißt das, die Belastung seiner Profis so zu steuern, dass nicht schon zu Saisonbeginn die Gefahr von Muskelverletzungen zu groß wird. Daher wird Glasner genau schauen, wie er rotieren kann. Josip Brekalo war im Pokal gegen Viertligist Union Fürstenwalde am Samstag (4:1) geschont worden, auch Xaver Schlager spielte nur eine halbe Stunde. Sie dürften ebenso zurückkehren wie Keeper Koen Casteels, der wegen einer Platzwunde an der Lippe ausgesetzt hatte. Zumindest wieder im Kader wird Jérôme Roussillon nach seinen Rückenprobleme stehen, dafür fehlen in Albanien neben den Langzeitverletzten auch Offensivmann Omar Marmoush, der sich leicht am Knie verletzt hat, und Abwehrkante John Anthony Brooks, der gesperrt ist.

Auf die Frage, was im Vergleich zum Pflichtspielauftakt gegen Fürstenwalde noch besser werde müsse, antwortet Glasner: „Wir brauchen eine bessere Chancenverwertung. Sonst hat vieles schon gut ausgesehen.“ Kukesi ist sicher eine höhere Hürde als der Viertligist im Pokal, aber eine, die der VfL locker überspringen sollte – trotz einiger Wissenslücken.

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