Das sagt VfL-Geschäftsführer zu Identifikation, Logo und Co.

Wolfsburg.  Michael Meeske verantwortet beim Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg das Marketing. Im Interview äußert er sich zu hochemotionalen Themen.

VfL-Geschäftsführer Michael Meeske, hier anlässlich eines Fantreffens, sucht die Kooperation mit den Fans.

VfL-Geschäftsführer Michael Meeske, hier anlässlich eines Fantreffens, sucht die Kooperation mit den Fans.

Foto: Darius Simka / regios24

Mitten in der heißen Identifikationsdiskussion des VfL Wolfsburg stellt sich der zuständige Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten auch den brisantesten Fragen im Interview mit unserer Zeitung: Michael Meeske. Der 48-jährige Diplom-Sozialökonom bezieht auch in der hochemotionalen Logo-Frage eindeutig Stellung. Hier kommen die Antworten des „Wölfe“-Verantwortlichen für Marketing, Vertrieb, Internationalisierung und Digitalisierung.

Herr Meeske, wie weit ist die auf den Umfrageergebnissen der Uni Bremen basierende Identifikationsdiskussion vorangeschritten? Gibt es mittlerweile konkrete Maßnahmen, die Sie beschlossen haben?

Wir haben auf Basis der bisherigen Ergebnisse die Bereiche festgelegt, innerhalb derer wir uns jetzt mit konkreten Maßnahmen beschäftigen. Diese Handlungsfelder sind unter anderen Stärkung der regionalen Präsenz, mehr Nah- und Erlebbarkeit auch abseits der Spieltage, Optimierung des Informationsaustausches oder auch eine emotionalere Ansprache.

Nach Umfragen in der Vergangenheit, so eine oft gehörte Kritik aus der aktiven Fanszene, hat der VfL nicht entscheidend gehandelt. Wie wird es diesmal?

Ich kann die Vergangenheit nicht ausreichend beurteilen, aber wir haben nicht vor, die Erkenntnisse einfach in die Schublade zu legen, sondern wir wollen sie natürlich nutzen, um uns zu verbessern und weiterzuentwickeln.

In welchem Rahmen sind Identifikationsmaßnahmen in naher Zukunft möglich angesichts von organisatorischen Beschränkungen durch Corona und der finanziellen Lage des VfL, der aufgrund von zuletzt 44,8 Millionen Euro Verlust auch zum Sparen gezwungen ist? Was kann man anschieben, was muss warten?

Projekte mit größeren Investitionen und gegebenenfalls eher langfristiger Auswirkung rutschen auf unserer Liste aufgrund der wirtschaftlichen Gesamtsituation natürlich nach hinten. Aber es gibt sicherlich genug Themen, die man auch ohne viel Geld optimieren kann, wie ein intensiverer Austausch oder eine gesteigerte Präsenz in der Region.

Eine Fan-Initiative sammelt aktuell bereits mit einer Crowdfunding-Aktion Spenden, um ein identitätsstiftendes Banner mit einem Konterfei der VfL-Legende Roy Präger am VfL-Stadion am Elsterweg aufzuhängen. Wie finden Sie das?

Ich finde es generell sehr gut, wenn die Präsenz des VfL auch abseits von Marketingmaßnahmen des Klubs immer größer wird. Denn die optische Präsenz eines Vereins hilft natürlich, die Identifikation zu verbessern.

Die Logo-Diskussion flammte jüngst wieder auf, nachdem der VfL in seiner Umfrage unter anderem auch die Sympathiewerte für das aktuelle, 2002 eingeführte Logo und dessen zinnenbewährte Vorgänger-Variante abgefragt hatte. Das hätte man im Vorfeld erwarten können. Warum haben Sie diesbezüglich trotzdem ein Meinungsbild erstellen lassen?

Die Diskussion gab es meiner Wahrnehmung nach zuvor auch und zu einer Identitätsbefragung gehört eben auch immer eine Abfrage von Symbolen, auch um zu überprüfen, ob sich seit der letzten Abfrage in der Diskussion etwas verändert hat.

Wie interpretieren Sie die Umfragewerte zum Logo und was leiten Sie daraus für sich als Klub ab?

Die Ergebnisse haben unsere Einschätzung bestätigt, dass in Teilen der aktiven Fanszene das Zinnenwappen bevorzugt wird, während hingegen die potenziellen Fans eher das aktuelle Logo präferieren. Und natürlich wollen wir engagierte Fans nicht verprellen, aber eben auch nicht die, die wir noch nachhaltig für den Verein begeistern wollen.

Mal ganz losgelöst von der Logo-Diskussion – welche Aspekte müssen Sie als Marketing-Verantwortlicher beim Design eines Logos berücksichtigen, damit dieses heutzutage bestmöglich seinen Zweck erfüllt?

Ein zeitgemäßes Marketing bevorzugt eine schlichte, klare Optik, die damit auch gut in der digitalen Welt von Smartphones und Tablets funktioniert sowie eine emotionale Farbgebung.

Nun wieder konkret gefragt: Erfüllen das aktuelle Logo und die vorherige Zinnen-Variante die Anforderungen dafür?

Das aktuelle Logo ist sicherlich schlichter vom Design her und verfügt über ein dynamischer wirkendes, helleres Grün.

Schließt das eine Rückkehr zum Zinnen-Wappen kategorisch aus?

Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse sehen wir zumindest keinen derartigen Vorteil für die Wahrnehmung und Akzeptanz des VfL, der eine Rückkehr zum Zinnenwappen rechtfertigen würde. Grundsätzlich muss man aber auch sagen, dass viele Vereine gerade bei der Frage von Symbolen dauerhafte Diskussionen haben, die sich oft aus dem Spagat von Tradition und Zukunftsorientierung ergeben. Ich empfinde dies aber nicht als sonderliche Belastung, sondern eher als Teil gelebter Diskussionskultur innerhalb von Vereinen.

Anlässlich des 75-jährigen Geburtstages des VfL war geplant, am Spieltag am Gründungstag 12. September mit historischem Wappen auf der Brust aufzulaufen. Nun beginnt die Bundesliga erst eine Woche später. Aber der DFB-Pokal steigt an diesem Termin. Behalten Sie die Idee bei, und – wenn ja – welche der insgesamt fünf bisherigen VfL-Logos kommen aufs Trikot?

Wir planen weiterhin, zum Saisonstart in einem Sondertrikot mit einem Jubiläumslogo zu spielen, welches eine Adaption des Ursprungslogos ist. Dies entspricht auch der bisherigen Praxis, im passenden Zusammenhang die Logos der Vereinsgeschichte einzusetzen.

Identifikation ist für den VfL, aber auch für die meisten anderen Profifußball-Klubs ein großes Thema, erst recht in einer Zeit, in der durch Corona die Nähe verloren geht. Es gilt, neue Fan-Potenziale zu erschließen, aber auch die vorhandene Fan-Basis zu pflegen. Warum sind Sie zuversichtlich, dass der VfL die richtigen Schlüsse aus seinen Umfrage-Ergebnissen zieht, damit beides gelingt und vor allem der wichtige Dialog mit der aktiven Fanszene wieder verbessert wird?

Weil ich überzeugt davon bin, dass wir beim VfL eine sehr gute Mischung aus Emotion und Rationalität haben. Zudem werden wir basierend auf unserem regelmäßigen Austausch sowie den Befragungsergebnissen eine Arbeitsgruppe aus Mitarbeitern, Fans sowie Vertretern von Wirtschaft und Politik aufsetzen, die uns bei der Entwicklung und Umsetzung identitätsstiftender Maßnahmen dauerhaft begleitet.

Mehr zum Thema:

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder