Kevin Mbabu: Die Rasta-Rakete ist gestartet

Wolfsburg.  Der Verteidiger des VfL Wolfsburg kommt mit großem Selbstvertrauen aus der Corona-Zwangspause, in der er gezielt an sich gearbeitet hat.

Die Rasta-Rakete des VfL Wolfsburg: Diesen Spitznamen bekam Kevin Mbabu (links) von seinem Kapitän Josuha Guilavogui verpasst. 

Die Rasta-Rakete des VfL Wolfsburg: Diesen Spitznamen bekam Kevin Mbabu (links) von seinem Kapitän Josuha Guilavogui verpasst. 

Foto: Tobias Hase / AFP

Langsam wird es Zeit, die Rasta-Rakete muss zum Friseur. Moment. Wer muss was? Josuha Guilavogui, der Kapitän des VfL Wolfsburg, verpasste Kevin Mbabu, dem Außenverteidiger des Teams, diesen Spitznamen. „Mir gefällt der Name sehr“, sagt die Rasta-Rakete, die allerdings ihr optisches Alleinstellungsmerkmal zeitnah bearbeiten lassen muss. Denn den letzten Schnitt, verrät Mbabu, gab es vor der mittlerweile wieder aufgehobenen Schließung der Friseur-Salons wegen der Corona-Pandemie. „Es wird Zeit“, sagt er. Ganz ab kommt die Mähne freilich nicht, nur die Spitzen müssten mal wieder gemacht werden.

Die Herkunft des Spitznamens ist derweil leicht zu erklären. Am Samstag in Augsburg startete Mbabu in der Nachspielzeit einen energischen Flügellauf und bereitete das 2:1-Siegtor durch Daniel Ginczek stark vor. Wie fühlt man sich so als Matchwinner? „Sehr gut“, sagt er zufrieden. „Wir haben gewonnen, und ich habe dazu einen Teil beigetragen. So kann es weitergehen.“ Der Antritt, mit dem der 25-Jährige die gesamte Augsburger Abwehr übertölpelte, war kein Zufall. „Ich habe in der Pause gezielt an meiner Explosivität gearbeitet, weil die nicht so gut war wie in der Vorsaison“, verrät Mbabu. Auch die Ballannahme und -mitnahme habe er verbessert. „Ich habe gut und viel trainiert. Dadurch ist mein Selbstvertrauen gestiegen. Ich bin mit dem Kopf jetzt voll da.“ Und dann ist so eine Energieleistung in der Schlussminute möglich. „Das ist der Lohn der harten Arbeit.“

„Habe nie aufgegeben“

In der Hinrunde konnte der 25-Jährige Qualitäten wie diese nicht unter Beweis stellen. „Die ersten vier, fünf Monate nach meinem Wechsel waren schwierig, weil ich nicht viele Spielminuten bekommen habe.“ Trainer Oliver Glasner setzte auf der rechten Seite statt auf den 10 Millionen Euro teuren Neuzugang von YB Bern lieber auf William. Mbabu musste oft zusehen. „Aber ich habe nie aufgegeben und gearbeitet, damit der Coach mir das Vertrauen schenkt.“

Mittlerweile ist der Schweizer konkurrenzlos gesetzt, da William mit einem Kreuzbandriss noch lange Zeit ausfällt. Doch schon in den Wochen vor der schweren Verletzung des Brasilianers hatte Mbabu den Rückstand auf seinen Konkurrenten stetig verkleinert. Jetzt ist er gesetzt. Und bildet mit einem Landsmann eine gefährliche Flügelkombination: Renato Steffen. „Wir verstehen uns fast blind“, sagt der Verteidiger über das Zusammenspiel mit dem Angreifer. Der Vorteil dieses Duetts: Da Steffen von der rechten Außenbahn gerne ins Zentrum zieht, um den Ball mit seinem linken Fuß zu führen, öffnet er auf der Seite die Räume, in die Mbabu hinein sprinten kann. Das habe in Augsburg „perfekt“ funktioniert. Mbabu: „Bei uns greifen die Automatismen, weil wir viel zusammen trainieren.“ Trainer Glasner hat kaum einen Grund, die Swiss-Connection auseinander zu reißen.

Ein echtes Topspiel wartet

Am Samstag kommt mit Borussia Dortmund die aktuell wohl stärkste Offensivmannschaft der Bundesliga nach Wolfsburg. Respekt ist bei Mbabu da, Angst nicht. „Wir sind auch in guter Form“, sagt er. Und die Zahlen belegen das. Aus den jüngsten sieben Ligaspielen holten nur die Bayern (19) und der BVB (18) mehr Punkte als der VfL (15). Da wartet ein echtes Topspiel in der VW-Arena (15.30 Uhr). Mbabu: „Das wird eine große Herausforderung, auf die wir uns freuen.“ Der Schweizer hat nach der Corona-Zwangspause direkt ein Ausrufezeichen gesetzt. Sein Antritt brachte den Wolfsburger Sieg in Augsburg. Die Rasta-Rakete ist gestartet. Jetzt müssen nur noch die Spitzen geschnitten werden.

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