Elvis Rexhbecaj: Köln gegen Wolfsburg fühlt sich schon komisch an

Wolfsburg.  Der 22-Jährige trifft in seinem ersten Spiel für den 1. FC Köln auf den VfL Wolfsburg und klärt vorab ein Missverständnis auf.

Elvis Rexhbecaj.

Elvis Rexhbecaj.

Foto: Eduard Bopp via www.imago-images.de / imago images/Eduard Bopp

Vollkommen ungewohnt sind die neuen Trikotfarben für Elvis Rexhbecaj nicht. Denn bevor der Mittelfeldspieler im Sommer 2010 im Alter von zwölf Jahren zum VfL Wolfsburg kam, spielte er für den Brandenburger SC Süd 05 in rot-weißen Farben. Und jetzt streift sich der 22-Jährige das rot-weiße Trikot des 1. FC Köln über. Der Bundesliga-Konkurrent des VfL hat sich die Dienste des Mittelfeldspielers per Leihe für die nächsten 18 Monate gesichert. Rexhbecaj geht die neue Aufgabe mit großer Vorfreude und viel Enthusiasmus an, kann im Gespräch aber nicht verbergen , dass ihm der Abschied aus Wolfsburg alles anderes als leicht fiel.

Schließlich war er ein Jahrzehnt in der VW-Stadt. Der Linksfuß durchlief jede Juniorenmannschaft, nahm jede höhere Stufe und schaffte in der vergangenen Saison unter Ex-Trainer Bruno Labbadia den Durchbruch in der Bundesliga. „Ich war immer beim VfL“, sagt der 22-Jährige. Doch in der neuen Saison spielte er unter Oliver Glasner nur noch eine Nebenrolle. Notiert sind 90 Einsatzminuten in der Europa League, 21 im DFB-Pokal und keine einzige in der Bundesliga. Es war die Zeit, in der Rexhbecaj klar wurde, dass er den nächsten Entwicklungsschritt wohl nicht in Wolfsburg gehen wird. „Ich hatte zuletzt nicht wirklich eine Chance“, sagt er, „und war schon mal zufriedener.“

Doch statt sich in Selbstmitleid zu suhlen oder die Schuld nur weiterzuschieben, zog Rexhbecaj Kraft aus seiner Situation. „Ich habe in der Zeit viel gemacht, extrem viel gearbeitet. Deshalb bin ich mit mir absolut im Reinen. Denn ich wollte topfit sein, falls eine Chance kommt.“ Sie kam. Köln und Augsburg warben um ihn, auch andere Bundesligisten zeigten Interesse – ein Schub fürs angeknackste Selbstvertrauen. „Es tat gut, in der Phase zu wissen, dass mich andere Klubs auf dem Schirm haben.“ Den Zuschlag erhielt der 1. FC, der nach den 18 Monaten eine Kaufoption in Höhe von angeblich sieben Millionen Euro hat. Der Vertrag soll aber nur für die Bundesliga gelten. Rexhbecajs Transfer in die Karnevalsstadt sorgt für eine kuriose Konstellation.

Denn am Samstag, dem 1. Spieltag der Rückrunde, empfangen die Kölner den VfL. „Das fühlt sich schon jetzt ein bisschen komisch an. Am Samstag wird dieses Gefühl wohl den Höhepunkt erreichen. Ich war drei Jahre lang mit der VfL-Profimannschaft zusammen, kenne alle Leute im Klub. Aber das muss ich am Spieltag ausblenden.“ Vorausgesetzt, sein neuer Trainer Markus Gisdol stellt ihn am Samstagnachmittag gleich auf.

In einem seiner ersten Interviews als Neu-Kölner hat Rexhbecaj dann gleich für Unruhe im Wolfsburger Umfeld gesorgt. „Ich hoffe, dass wir Wolfsburg aus dem Stadion schießen“, hatte er da gesagt. Die VfL-Fans registrierten das mit Unverständnis. Dabei sei es nur ein Spaß gewesen, sagt der 22-Jährige. „Ich habe das mit einem Lachen gesagt, da war von meiner Seite aus viel Humor dabei. Wer mich kennt, der weiß, wie ich das gemeint habe.“ Rexhbecaj rief sogar bei VfL-Kapitän Josuha Guilavogui an, um sich für die aufgekommene Unruhe zu entschuldigen. Und auch die Wolfsburger Fans sollen das nun wissen. Denn: „Der VfL ist mein Herzensverein, trotzdem will ich natürlich gewinnen.“

Seinen neuen Klub muss Rexhbecaj nun erst mal kennenlernen. „Aufgenommen“, sagt er, „wurde ich super.“ Und auch der 22-Jährige hat laut Kölner Medienberichten einen eindrucksvollen Start hingelegt. Derzeit sieht es wohl so aus, als würde er in die Startelf rutschen und Nationalspieler Jonas Hector auf die linke Abwehrseite verdrängen. Rexhbecajs Rolle in Rot-Weiß: „Ich will Verantwortung übernehmen.“ Er hat in Wolfsburg den Abstiegskampf miterlebt und weiß, welche Qualitäten gefragt sind. „Da will ich mich voll einbringen.“

Derzeit wohnt er noch im Hotel, die Wohnungssuche läuft auf Hochtouren. Der erste Eindruck seiner neuen Stadt: „Schon ein bisschen größer als Wolfsburg“, sagt er lachend. Seine neue Heimspielstätte muss Rexhbecaj erst noch kennenlernen. „Mittlerweile war ich in fast allen Stadien der Bundesliga“, sagt er, „aber in Köln noch nicht. Ich freue mich unglaublich drauf.“

Am Samstag wird er das Stadion kennenlernen. In seinem neuen, alten rot-weißen Trikot – und das ausgerechnet gegen seine alten Kollegen.

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