VfL-Kapitän Guilavogui: Dachte, ich habe alles vermasselt

Wolfsburg.  Doch nach dem Platzverweis für den Kapitän des VfL beweisen seine Mitspieler große Moral. Nur die Standardschwäche gefällt dem Franzosen nicht.

Josuha Guilavogui (rechts) dachte schon, er sei schuld daran, dass der VfL im Pokal ausscheidet. Doch nach seinem Platzverweise hat seine Mannschaft große Moral bewiesen.

Josuha Guilavogui (rechts) dachte schon, er sei schuld daran, dass der VfL im Pokal ausscheidet. Doch nach seinem Platzverweise hat seine Mannschaft große Moral bewiesen.

Foto: Darius Simka / regios24

Josuha Guilavogui war gerade auf dem Weg in die Gästekabine des Erdgas-Sportparks in Halle, als es plötzlich laut wurde. Die HFC-Fans machten im Stadion mächtig Lärm, als Mathias Fetsch in der Nachspielzeit noch das 3:3 für den Drittligisten erzielte. „Ich habe gedacht, ich habe alles vermasselt, dabei hatten wir ein großes Ziel mit dem Pokal“, so der Kapitän des VfL Wolfsburg, der kurz davor Gelb-Rot gesehen hatte. Doch der Platzverweis für den 28-Jährigen war keineswegs der Anfang vom Ende der Wolfsburger Pokalsaison, sondern vielmehr der Startschuss für einen Charaktertest, den seine Mitspieler mit Bravour bestanden.

„Als Halle das 3:3 geschossen hat, haben alle gedacht, das Spiel dreht sich nun auch in ihre Richtung“, so Guilavogui. Nicht so der Wolfsburger Kapitän. Der Franzose erklärt: „Unsere Mentalität war schon im vergangenen Jahr eine große Stärke. Die müssen wir behalten.“ Und die hat sich der VfL trotz Trainer- und Systemwechsels auch bewahrt. Binnen drei Minuten stellten Robin Knoche und Joker Josip Brekalo mit ihren Toren die Weichen für den Einzug in die zweite Pokalrunde. „Nach dem 4:3 hatte ich erst noch gedacht, es wäre auch Halle gewesen“, so Guilavogui, der nach seinem Platzverweis in der Kabine mitzitterte – ohne etwas zu sehen, ein TV-Bildschirm fand sich nicht in den Katakomben des Drittligisten. „Nach dem 5:3 habe ich dann nur gedacht: Gott sei Dank“, so Guilavogui.

Im Pokal wollen die Grün-Weißen auch in diesem Jahr so weit wie möglich kommen, mit insgesamt sechs Siegen ist es natürlich auch der kürzeste Weg zu einem Titel. Und Guilavogui weiß aus 2015 noch, wie süß der Pokalsieg in Berlin schmeckt.

Was dem 28-Jährigen noch gar nicht schmeckt, ist das Abwehrverhalten seiner Mannschaft. Zwar kassierten die Wolfsburger in ihren sieben Vorbereitungsspielen nur einmal, beim 2:2 gegen Venlo in Gifhorn, mehr als ein Gegentor. Aber sie blieben auch nur beim 2:0 bei der PSV Eindhoven ohne einen Gegentreffer, ansonsten kassierte die Mannschaft immer ein Tor, jetzt in Halle waren es sogar drei.

„Ich weiß es nicht“, sagt Guilavogui achselzuckend. Vor allem nach Standards und über die Außen kassierte seine Mannschaft bisher die Tore. Achselzuckend fügt der Franzose an: „Letztes Jahr haben wir nach Standards nur ganz wenige Tore kassiert.“ Die Aufteilung im Strafraum sei dabei die gleiche wie unter Trainer Bruno Labbadia. Aber die Wolfsburger wollen nun noch schneller umschalten und den Gegner überraschen. Das Problem dabei: Das sorgt dafür, dass die Wolfsburger Mannschaft selbst nicht immer top organisiert ist. Guilavogui erklärt: „Uns muss bewusst sein, dass es eine große Chance für den Gegner ist, weil wir nicht gut stehen.“ An diesen Feinheiten wird das Team noch zu arbeiten haben. Denn der Kapitän weiß um den Stellenwert von Standards und betont: „Wir wissen, wie wichtig Standards in der Bundesliga sind, sie können Spiele entscheiden.“

Auch Auftaktgegner 1. FC Köln wird nicht verborgen geblieben sein, dass es bei den Wolfsburgern unter Oliver Glasner an diesem Punkt noch hakt. Doch Sorgen macht sich Guilavogui (noch) keine: „Wir wissen, wo unsere Schwächen sind und arbeiten daran.“ Noch beschäftigt dieses Problem Guilavogui und Kollegen nicht so sehr. Weil der VfL in Runde 2 eingezogen ist, durfte der bestandene Charaktertest in Unterzahl im Vordergrund stehen.

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