Wie Gateball aus Japan nach Wolfsburg kam

Wolfsburg.  Die Sportart ähnelt stark dem Croquet. Doch manchmal ist das Spiel auch schon am ersten Tor vorbei.

Hier wird gespielt: Am alten Leistungszentrum des VfL Wolfsburg hat die Gateball-Sparte des Klubs ihren Rasenplatz. Doch auch sie dürfen in Corona-Zeiten nicht spielen.

Hier wird gespielt: Am alten Leistungszentrum des VfL Wolfsburg hat die Gateball-Sparte des Klubs ihren Rasenplatz. Doch auch sie dürfen in Corona-Zeiten nicht spielen.

Foto: Privat

Wer Karin Weiler und ihre Mitspieler auf der Rasenfläche am alten Leistungszentrum des VfL Wolfsburg am Elsterweg sieht, der denkt zuerst an Croquet. Dieses Spiel, bei dem man kleine Eisentore kreuz und quer im Garten verteilt, und wer gewinnen möchte, muss als erstes seine Kugel durch alle Tore schlagen. „Ja, unser Sport ist mit Croquet verwandt“, erklärt Weiler. Doch die Wolfsburgerin hat sich dem Gateball verschrieben, einer weithin unbekannten Sportart aus Japan. Allerdings macht ihnen im Moment die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung.

Denn Gateball ist eine Mannschaftssportart – und damit aufgrund der niedersächsischen Verordnung aktuell verboten. Zwei Teams á fünf Spieler treten im Normalfall gegeneinander an. Auf dem rechteckigen Spielfeld befinden sich drei kleine Tore und ein Zielpfosten. Die verschiedenfarbigen Kugeln werden mit einem Holzhammer fortbewegt. Jedes durchlaufene Tor zählt einen Punkt, das Erreichen des Zielpfostens wird mit zwei Zählern belohnt. „Es ist kein Powerspiel, es geht eher ruhig zu“, erklärt Weiler. „Wir spielen es vor allem aus Spaß an der Freude.“

Konzentration und Strategie sind gefragt

Doch wer denkt, dass es sich dabei um eine lockere Freizeitbeschäftigung handelt, der irrt mitunter. Denn Gateball ist eine Präzisions-Sportart, die viel Konzentration und auch strategisches Geschick benötigt, um sie erfolgreich zu betreiben. Denn es wird immer abwechselnd geschlagen. Dadurch ist es möglich, dem gegnerischen Team den Weg zum Tor zu verstellen. Und: Das erste Tor muss mit einem einzigen Schlag durchquert werden. Ansonsten geht’s für den Schlagenden nicht weiter und er muss es erneut probieren. „Wir hatten es auch schon, dass Spieler bis zum Ende des Spiels am ersten Tor hängengeblieben sind“, berichtet Weiler schmunzelnd.

Nach 30 Minuten ist eine Partie beendet, dann werden die Punkte zusammengezählt und der Sieger gekürt. Gespielt werden kann im Freien oder in der Halle. Der VfL hält für seine womöglich kleinste Sparte mit aktuell nur fünf aktiven Mitgliedern extra eine kleine Rasenfläche vor, die regelmäßig gepflegt wird. Vor der Corona-Unterbrechung spielten Weiler und ihre Mitspielerinnen hier zweimal in der Woche. Aktuell ist das jedoch nicht möglich.

Der Ursprung liegt in Japan

Gateball kommt aus Japan, wurde 1947 erfunden und ursprünglich für Kinder und Jugendliche konzipiert. Doch inzwischen begeistern sich vor allem ältere Menschen für den Sport. Denn er kann bis ins hohe Alter betrieben werden und fördert dennoch die sportliche Fitness. „In Japan ist es ein Volkssport“, weiß Weiler. Sechs Millionen Mensc hen spielen Gateball dort in Vereinen, weltweit sind es acht Millionen. Es gibt auch Weltmeisterschaften. „Wir waren sogar einmal zu einer WM in Japan eingeladen“, erzählt die VfL-Spielerin, „aber es war einfach zu aufwendig.“ Der amtierende Weltmeister kommt übrigens aus Brasilien – so weit hat sich Gateball bereits herumgesprochen.

Beim VfL wird seit 2011 gespielt. Doch Wolfsburg hat tatsächlich so etwas wie eine Gateball-Tradition. Denn hier wurde der erste europäische Gateball-Klub gegründet. Das war 2005. Der Klub ist immer noch aktiv, hat seine Heimat in der Kreuzheide. Wie der japanische Sport in die VW-Stadt kam? Der frühere Ratspolitiker Manfred Kolbe hatte auf einer Reise nach Japan Kontakte geknüpft und so kam eines Tages eine 13 Personen große japanische Delegation der „World Gateball Union“ nach Wolfsburg und stellte ihren Volkssport vor.

Die VfL-Sparte schrumpfte zuletzt

Es war der Impuls für die erste Klubgründung, sechs Jahre später zogen Weiler und ihre Mitstreiter beim VfL nach. Doch nach einiger anfänglicher Euphorie schrumpfte die Gruppe mit der Mitspieler in den vergangenen Jahren immer mehr zusammen. Fünf Aktive sind noch übrig geblieben, die die Gateball-Fahne bei den Grün-Weißen hochhalten. „Wir würden uns freuen, wenn der eine oder andere neu dazu käme“, sagt Weiler. „Denn Gateball ist für jedes Alter etwas und macht einfach Spaß.“

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