Als Fritz Walter in Wolfenbüttel auf den Basketball-Korb warf

Wolfenbüttel.  Wolfenbütteler Basketball-Geschichte (4): Als Promi-Gast des Altstadtfestes zeigte der Fußball-Weltmeister auf dem Stadtmarkt seine Werfer-Qualitäten.

Fritz Walter, Fußball-Weltmeister von 1954 und großes Idol, mit Basketball auf dem Altstadtfest 1975 in Wolfenbüttel.

Fritz Walter, Fußball-Weltmeister von 1954 und großes Idol, mit Basketball auf dem Altstadtfest 1975 in Wolfenbüttel.

Foto: Dieter Kertscher

Wolfenbüttel war in den Jahren von 1960 bis in die 1980er hinein eine absolute Basketball-Hochburg in Deutschland. Dafür sorgten zunächst die Herren-, dann die Damenmannschaften des MTV Wolfenbüttel, die Deutsche Meistertitel und Pokalsiege in die Lessingstadt holten.

Als Sportart war Basketball damals hier unumstößlich die Sportart Nummer 1. Allen anderen Sportarten, die einst hier erfolgreich praktiziert worden sind – wie Handball, Leichtathletik, Fußball, Schwimmen – haben die Basketballspieler den Rang längst abgelaufen. Mit der Lindenhalle war soeben auch ein wahrer Tempel für die kommenden Bundesliga-, Europapokal- und Länderspiele eingeweiht worden. Die Herrenmannschaft hatte den Deutschen Pokalwettbewerb gegen den SSV Hagen gewonnen.

Fritz Walter als Promi-Gast in der damaligen "Basketballstadt" Wolfenbüttel

Was macht in einer solchen Stadt ein berühmter Sportler einer anderen, noch viel berühmteren Sportart? Zum Beispiel Fritz Walter. Er, 1954 als Kapitän der Deutschen Fußball Nationalmannschaft Weltmeister in Bern geworden, der Sportler Deutschlands nach dem Kriege war. Ihn hatten die Organisatoren des ersten Wolfenbütteler Altstadtfestes 1975 eingeladen. Zusammen mit einer Promi-Mannschaft von anderen deutschen Fußball-Idolen verbrachte er einen Tag und einen Abend in der einstigen welfischen Residenzstadt.

Natürlich war Walter auch Gast im abendlichen Getümmel auf dem Stadtmarkt. Jedermann erkannte ihn, drängte sich an ihn heran, wollte miterleben, wenn er etwas erzählen oder machen würde – vielleicht auf eine Torwand schießen. Der Autor dieser Zeilen und Fotograf obigen Bildes wollte natürlich diesem „Helden von Bern“ auch ganz nahe sein. Und siehe da: Fritz Walter, dem „Helden mitten aus dem Volke“ wurde von Bernhard Dürkop und Manfred Ammon, erster Organisator und zweiter Bundesliga-Korbjäger im MTV-Dress, ein Basketball in die Hand gedrückt
und angedeutet, dass er auf den dort aufgestellten Basketballkorb werfen solle.

Walter zögerte keinen Augenblick

Fritz Walter zögerte keinen Augenblick, die Menschenmenge machte ihm eine schmale Gasse in Richtung Korb frei. Nachdem er erfragt hatte, ob auch ein Unterhandwurf mit beiden Händen erlaubt sei, warf er den Basketball gekonnt – zweimal hintereinander, wie bei Freiwürfen aus fünf Metern Entfernung. Ob er nun einmal oder gar zweimal getroffen hat, das war der jubelnden Menge auf dem abendlich bis zum Brechen gefüllten Platz egal: Das Fußball-Idol Fritz Walter hatte in diesem Augenblick im Sommer 1975 eine riesige Verbeugung vor dem neu aufkommenden Basketball-Sport insgesamt und vor den so erfolgreichen Basketballsportlern in Wolfenbüttel gemacht.

Fast hätte der Autor vergessen, diesen sportgeschichtlich für die Lessingstadt so bedeutsamen Moment mit der Kamera festzuhalten. Er hat die Aufnahme aber doch noch zuwege gebracht – und ist ein wenig stolz darauf, diese Sternstunde des hiesigen Sports wenigstens in Schwarz-Weiß festgehalten zu haben.

Die Sport-interessierten Leser dieser Zeitung werden auf diesem Foto bestimmt außer Fritz Walter und den beiden Basketballern Bernhard Dürkop und Manfred Ammon noch einige andere bekannte Größen des damaligen Sports und Unterhaltungsgeschäftes erkannt haben. Bitte rätseln und
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