Der Fußball im Kreis Helmstedt ruht erneut und ab sofort

Helmstedt.  Der NFV-Kreis Helmstedt und der NFV-Bezirk Braunschweig entschieden sich dagegen, an diesem Wochenende noch Spiele zuzulassen.

Verwaiste Sportplätze: Ein Bild, an das sich Helmstedts Fußball-Fans in den kommenden Wochen mal wieder gewöhnen müssen.

Verwaiste Sportplätze: Ein Bild, an das sich Helmstedts Fußball-Fans in den kommenden Wochen mal wieder gewöhnen müssen.

Foto: Sebastian Priebe / regios24

Nun also doch: Im Bereich des NFV-Bezirks Braunschweig und NFV-Kreises Helmstedt werden bis auf Weiteres keine Fußballspiele mehr angepfiffen. Während der NFV-Bezirk Braunschweig – zumindest im Bereich der Erwachsenen – alle Pflichtspiele bis Ende des Jahres abgesetzt hat, ruht der Ball im NFV-Kreis Helmstedt vorerst nur bis Ende November.

NFV wartet Beschluss der Bund-Länder-Konferenz ab

Noch am Montag hatte der Niedersächsische Fußballverband (NFV) seine 33 Kreise angeschrieben und ihnen mitgeteilt, dass aufgrund der unterschiedlichen regionalen Gegebenheiten hinsichtlich der Corona-Inzidenzwerte zunächst von einer flächendeckenden Aussetzung des Spielbetriebes abgesehen werde. NFV-Präsident Günter Distelrath betonte aber auch, die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz zur Eindämmung der Corona-Pandemie am Mittwoch abwarten zu wollen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Da bei der Bund-Länder-Zusammenkunft zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten die am 2. November in Kraft tretende Regelung getroffen wurde, dass der Freizeit- und Amateursportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen bis Ende November untersagt ist, schloss sich der NFV am Mittwochabend diesem Ergebnis an und setzte den Spielbetrieb in allen niedersächsischen Fußballvereinen ab dem kommenden Montag vorerst aus. Allerdings erklärte der NFV-Präsident, dass in den Gebieten Niedersachsens, in denen die Corona-Situation eine Austragung der Partien zulasse, am kommenden Wochenende noch gespielt werden dürfe.

Helmstedts höchstspielende Teams sind schon jetzt in der Winterpause

Der Spielausschuss des NFV-Bezirks Braunschweig entschied sich jedoch am Donnerstagmorgen dafür, den kommenden Spieltag in allen Spielklassen abzusagen, wie Thorsten Tunkel, Staffelleiter der Landesliga Herren und Frauen, mitteilte. Da nun bereits alle ihre Partien bis Ende des Jahres abgesetzt sind, befinden sich Landesligist FSV Schöningen, die Bezirksligisten FC Heeseberg, SV Lauingen Bornum und FC Türk Gücü Helmstedt sowie Frauen-Landesligist STV Holzland mutmaßlich schon jetzt in der Winterpause. Im Jugendbereich sind – stand jetzt – aber noch vereinzelt Spiele vorgesehen.

Auf Kreisebene rief Schiedsrichterobmann Sascha Kordts am Mittwochabend seine Kollegen im Vorstand des NFV-Kreises dazu auf, so vernünftig zu sein und den Spielbetrieb am Wochenende ruhen zu lassen: „In diesen schwierigen Zeiten ist es doch völlig unerheblich, ob wir am Wochenende noch spielen oder nicht. Wenn es darum geht, dass es für die gesamte Saison am Ende knapp werden könnte, sollten wir es nicht an diesem einen Spieltag festmachen.“

Kreis-Vorsitzender Denneberg: Die Gesundheit geht vor

Auch Kreis-Vorsitzender Werner Denneberg appellierte am Donnerstagmittag an die übrigen Vorstandsmitglieder, den Kreisfußball an diesem Wochenende einzustellen. „Fußball kann nicht so wichtig sein, dass er über die Gesundheit gestellt wird. Die Fallzahlen steigen drastisch an, es ist kaum noch möglich, Ansteckungsherde zurückzuverfolgen. Wir sind im Landkreis Helmstedt zwar noch in keinem ,Hotspot’, das kann sich aber rasend schnell ändern“, mahnte Denneberg an. „Warum sollten wir uns daher vorsätzlich diesen nicht mehr latenten, sondern tatsächlich vorhandenen Gefahren aussetzen? Fußball ist eine schöne Nebensache, vielleicht die schönste auf dieser Welt, aber nun wirklich nicht besonders wichtig, schon gar nicht, wenn es um Gesundheit geht.“

Entsprechend veröffentlichte Detlef Voges, Vorsitzender des Kreisspielausschusses und Kreisjugendausschusses, auf der Homepage des NFV-Kreises folgende Erklärung: „Auch wenn der NFV einen Spielbetrieb bis Sonntag erlaubt hat, haben wir uns entschlossen, aufgrund der Entwicklungen der letzten Tage bezüglich der rapide steigenden Infektionszahlen der Corona-Pandemie, in Abstimmung mit unserem Vorstand sowohl den Jugend- als auch den Senioren und Seniorinnen-Spielbetrieb auf Kreisebene bis zum 31. November mit sofortiger Wirkung auszusetzen.“

Stimmen zum Aussetzen des Spielbetriebs

Der Fußball ruht als fürs Erste im Kreis Helmstedt – und das noch vor dem Inkrafttreten der neuen Regelungen. Diese Nachricht nahmen die Teams mit gemischten Gefühlen auf – wir haben uns umgehört.

Nils Osteroth, Trainer der FSV Schöningen (Fußball-Landesliga): „Insgesamt ist es sehr ärgerlich für uns, weil wir gerade gut drauf waren. Schade, dass wir die Punktspiele nicht vor dem Pokal gespielt haben. Dann hätten wir die Hinrunde schon durch. Aber wenn sich die Lage entspannt, müssten wir normalerweise den Rest der Saison trotzdem gut durchbekommen. Es sind ja nur noch 14 Spiele. Da die städtischen Sportanlagen ab sofort gesperrt sind, wird nicht mehr gemeinsam trainiert. Die Jungs sollen sich vorerst individuell fit halten.“

Karsten Kräcker, Vorsitzender der FSV Schöningen: „Selbstverständlich verstehe ich den Schritt und stimme zu, dass die Gesundheit vorgeht. Aber ich bin der Meinung, dass man die Spiele im November auch ohne Zuschauer hätte durchziehen können. Alles ohne Vorwarnung im Amateursport und in der Gastronomie, da bin ich ja auch betroffen, komplett dicht zu machen, das verstehe ich nicht.“ Schließlich seien wirksame Konzepte entworfen und die entsprechenden Vorgaben eingehalten worden.

Michael Grahe, Trainer des FC Heeseberg (Bezirksliga 2 A): „Ja, was soll man zu einer Spielunterbrechung bis Dezember sagen... Das ist nicht optimal für uns, denn wir hatten einen guten Lauf. Aber das war ja auch leider aufgrund der steigenden Corona-Zahlen zu erwarten. Wie wir damit umgehen, kann ich im Moment noch nicht sagen, aber ich kann die Entscheidung absolut nachvollziehen. Unsere Sicherheit geht nun einmal vor. Das muss man einfach akzeptieren und das Beste daraus machen. Trainieren dürfen wir ja nun auch nicht, also muss ich an die Spieler appellieren, sich selbst fit zu halten, damit wir, falls es im Dezember wieder losgehen sollte, auch fit sind.“

Julien Wossmann, Spielertrainer des FC Schunter (Kreisliga): „Für uns ist es sehr schade und enttäuschend, dass der Spielbetrieb unterbrochen wird. Die Stimmung in der Mannschaft ist gedrückt, weil die Jungs noch ungeschlagen sind und Bock auf Fußball haben. Wir hoffen aber, dass die Saison irgendwann fortgesetzt werden kann.“

Marco Graf, Vorsitzender des FC Heeseberg: „Es war vorhersehbar, dass das passiert, auch wenn die Politik entschieden hat, dass die Bestimmungen erst ab Montag gelten. Es ergibt einfach Sinn, an diesem Wochenende nicht mehr zu spielen, weil es nur eine Frage der Zeit gewesen wäre, bis der Sieben-Tage-Inzidenzwert auch in Helmstedt auf mehr als 50 gestiegen wäre. Es ist natürlich schade, dass wir jetzt kein Fußball mehr spielen. Es ist aber eine vernünftige Entscheidung, und ich kann nur an die Vernunft der Menschen appellieren, sich in den kommenden vier Wochen zusammenzureißen, damit danach eine Besserung eintritt.“

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