Verbandstag des NFV: Der Tag der Entscheidung

Helmstedt.  Diese Entscheidung haben alle Fußballer herbeigesehnt: Auf dem Verbandstag des NFV wird am Samstag beschlossen, wie die Saison gewertet wird.

Der Großteil der mehr als 300 Stimmen beim Verbandstag geht an die Kreise, verteilt über einen Schlüssel, der sich an den Mannschaftszahlen orientiert. Die Kreisliga-Topteams FC Türk Gücü (am Ball Adam Aboubakar) und TuS Essenrode (links Timo Staege) warten gespannt auf das Ergebnis.

Der Großteil der mehr als 300 Stimmen beim Verbandstag geht an die Kreise, verteilt über einen Schlüssel, der sich an den Mannschaftszahlen orientiert. Die Kreisliga-Topteams FC Türk Gücü (am Ball Adam Aboubakar) und TuS Essenrode (links Timo Staege) warten gespannt auf das Ergebnis.

Foto: Sebastian Priebe / regios24

Die niedersächsische Fußballwelt blickt am morgigen Samstag virtuell nach Barsinghausen. Dort wird auf dem außerordentlichen Verbandstag des Niedersächsischen Fußballverbands (NFV) nämlich die Entscheidung getroffen, auf die die Kicker im Grunde seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie warten: Wie geht es weiter? Bis jetzt ist die Spielzeit 2019/2020 nämlich nur unterbrochen – wie sie gewertet wird, ist noch offen.

Warum ist die Entscheidung wichtig?

Die Bedeutung des Entschlusses hängt mit seiner Tragweite für die Vereine zusammen. Denn zunächst geht es schlichtweg um Planungssicherheit: Wird die unterbrochene Saison tatsächlich abgebrochen oder doch noch fortgesetzt? Und für welche Spielklasse muss geplant werden? Schließlich ist es schon fast Juli, die „normale“ Saison wäre so gut wie vorbei. Entsprechend weit wären üblicherweise die Planungen für die kommende Spielzeit vorangeschritten. Ein möglicher Auf- oder Abstieg würde aber andere Voraussetzungen schaffen, was die Macher in den Vereinen bislang teilweise zum Abwarten zwingt.

Außerdem ist es auch eine Frage der Fairness: Alle Mannschaften haben viele Spiele absolviert, haben sportlichen, organisatorischen und teils finanziellen Aufwand betrieben. Am Ende soll der Aufstieg herausspringen – oder der Abstieg vermieden werden. Für jeden einzelnen Verein geht es also auch um seine Perspektive. Selbstverständlich wird nun die bestmögliche Variante auf dem Verbandstag gesucht – allerdings gibt es bei jeder Lösung auch „Verlierer“, entsprechend emotional wurde und wird die Debatte mitunter geführt.

Worüber wird entschieden?

Vor dem Verbandstag hatten die Vereine die Möglichkeit, verschiedene Anträge vorzubringen. Insgesamt wurden zehn Anträge gestellt, über die abgestimmt wird (siehe Infokasten). Grundsätzlich geht es dabei um folgende Szenarien: den Abbruch, die Fortführung oder die Annullierung der Spielzeit.

Der Abbruch der Saison hat sich als die wohl wahrscheinlichste Variante herauskristallisiert, einen solchen sieht auch der Antrag des Verbandes vor. Bei dieser Variante soll die Spielzeit nach Quotientenregelung gewertet werden, mit Aufsteigern, aber ohne Absteiger. Die Vereine haben allerdings noch weitere Szenarien entwickelt: beispielsweise mit Wertung auf Basis der Hinrunden-Tabelle, der Vergabe von zusätzlichen Aufstiegsrechten oder auch ein Abbruch mit Absteigern.

Wer stimmt ab?

Beim Verbandstag werden 324 Delegierte stimmberechtigt sein. 200 dieser Stimmrechte werden an die einzelnen NFV-Kreise verteilt. Als Schlüssel dient hierbei der Anteil der Mannschaften aus dem Kreis an der Gesamtzahl der in Niedersachsen gemeldeten Mannschaften (siehe Grafik). Der Kreis Helmstedt wird beispielsweise nur zwei Delegierte benennen können. Dabei handelt es sich um Thomas Hahn und Detlef Voges aus dem Vorstand des NFV-Kreises.

Außerdem sind die Mitglieder des Verbandsvorstandes, also das zwölfköpfige Präsidium um den NFV-Präsidenten Günter Distelrath, sowie die 33 Kreisvorsitzenden stimmberechtigt. Zusätzlich können die vier NFV-Bezirke jeweils drei Delegierte benennen.

Der letzte große Block der, der beim Verbandstag mitentscheidet, kommt von den erfolgreichsten Vereinen des Landes: Die Mannschaften der Herren und Frauen, die in der Oberliga oder höher spielen, stellen ebenfalls einen Stimmberechtigten.

Wie läuft die Abstimmung ab?

Nach Barsinghausen wird niemand fahren müssen: Der Verbandstag findet virtuell statt und beginnt um 10 Uhr. Live wird die Veranstaltung allerdings nicht übertragen, der NFV will im Anschluss aber zeitnah eine Pressekonferenz geben.

Nach obligatorischen Punkten in der Tagesordnung wird es schließlich um die Anträge gehen. Die Logik, mit der dabei vorgegangen wird, lässt sich grob wie folgt erklären: Die Anträge, die (auch satzungstechnisch) am gravierendsten sind, stehen als erstes zur Wahl.

Dementsprechend wird zunächst über die Annullierung der Saison abgestimmt. Danach folgen die Anträge für einen Abbruch mit Aufsteigern, aber ohne Absteiger, dann jene für einen Abbruch mit Auf- und Abstieg sowie zum Abschluss die Anträge für eine Fortsetzung der Saison 19/20 – und dann weiß die niedersächsische Fußballwelt, wie es nun weitergeht.

Was ist eigentlich mit dem Pokal?

Auch in den Pokalwettbewerben muss bei einem Abbruch der Saison eine Entscheidung gefunden werden. Schließlich geht es hierbei auch um Startrechte in höheren Pokalwettbewerben bis hin zur Teilnahme am DFB-Pokal.

Die Lösung des NFV: Bis zum 30. Juni können Sieger sportlich ermittelt werden – oder müssen notfalls ausgelost werden. Der NFV-Kreis Helmstedt hat sich für einen sportlichen Weg entschieden: Die fünf verbliebenen Teilnehmer des A-Pokals ermitteln den Bezirkspokalteilnehmer am Sonntag per Elfmeterschießen: SpVg Süpplingen, TSV Danndorf, FC Nordkreis, TuS Essenrode und MTV Frellstedt.

Die Anträge im Detail

Neben dem NFV haben zwölf Vereine fristgerecht Anträge gestellt, die sich teils stark ähneln. So sind neun Varianten entstanden, wie mit der unterbrochenen Saison 2019/2020 verfahren werden soll. Ein weiterer Antrag betrifft lediglich den Aufstieg in die Regionalliga. Die jeweiligen Antragssteller stehen im Folgenden stets vorweg.

NFV: Saisonabbruch nach Quotientenregelung mit Auf- (Regelaufsteiger und Relegationsplatz), aber ohne Abstieg.

SSV Kästorf: Wertung der Saison ohne Absteiger, aber mit Aufsteigern anhand der Hinrunden-Quotiententabelle.

FC Germania Parsau: Mit Final-Four-Turnieren der ersten und letzten vier Teams einer Liga werden auf neutralem Platz Auf- und Absteiger ermittelt.

TuS Berge: Saisonabbruch nach Quotientenregelung mit Auf- und Absteigern.

Inter Celle 07: Abbruch nach Quotientenregelung mit Auf- (Regelaufsteiger und Relegationsplatz), aber ohne Abstieg. Bei Punktequotienten, die sich um weniger als 0,1 unterscheiden, steigt auch der Dritte auf.

VfB RW 04 Braunschweig, SV Wilhelmshaven: Neben dem jeweiligen Regelaufsteiger steigt auch der Tabellenzweite auf.

MTV Treubund Lüneburg: Saisonabbruch nach Quotientenregelung (Tabellenstand vom 12. März) mit Auf-, aber ohne Abstieg. Sollte der nach der Quotientenregelung ermittelte Aufsteiger nicht identisch mit dem Tabellenersten nach der Hinrunde nach Quotientenregelung sein, so steigt zusätzlich auch der Tabellenerste der Hinrunde mit auf.

TuS Sulingen, SV Nienstädt 09, SV Kickers Vahrenheide: Fortsetzung des Spieljahres 2019/2020.

FC Dynamo Lüneburg: Saisonabbruch durch Annullierung (kein Auf- und Abstieg).

VfL Oldenburg: Oberligisten, die eine Regionalliga-Lizenz erhalten haben, sollen aufsteigen dürfen.

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