Vier Brüder für den TSV Danndorf: Die Fußball-Familie Wende

Danndorf.  Wie ihr Vater auch, sind die vier Brüder Defensivspezialisten. Torriecher entwickelt aber erst Gerrit Wende aus der nächsten Generation.

Die Brüder Ulf (von links), Ingo, Odo und Eike Wende haben alle eine Vergangenheit beim TSV Danndorf - Ulf Wende ist auch noch heute im Verein sehr engagiert. Sein Sohn Gerrit ist aktuell eine Offensiv-Waffe der Danndorfer.

Die Brüder Ulf (von links), Ingo, Odo und Eike Wende haben alle eine Vergangenheit beim TSV Danndorf - Ulf Wende ist auch noch heute im Verein sehr engagiert. Sein Sohn Gerrit ist aktuell eine Offensiv-Waffe der Danndorfer.

Foto: Privat / Verein

Eike, Ulf, Ingo und Odo Wende – vier Brüder, die eines verbindet: die Liebe zum Fußball. Eine Liebe, die den vier Danndorfern schon früh mit auf den Weg gegeben wurde – wie übrigens auch Ulfs Sohn Gerrit, der als einziger aus dieser Familienbande ein wenig aus der Reihe tanzt…

Familienoberhaupt Kurt Wende und die Erfahrung mit Dettmar Cramer

Derjenige, der dafür verantwortlich war, dass seine Söhne das Fußballfieber packen sollte, war Kurt Wende – auf dem grünen Rasen aber besser bekannt als „Dr. Eisenfuß“. „Er war ein guter Fußballer, ein Verteidiger, der hart, aber immer fair war. Das habe ich von ihm übernommen“, sagt Ulf Wende über seinen Papa, der in den 1950er Jahren in einer Jugendauswahlmannschaft des Westdeutschen Fußball-Verbands kickte. Sein Auswahltrainer war Dettmar Cramer, der spätere Coach des FC Bayern München, der seinen Schützling einmal nach Hause schickte, weil er ihn während des Trainings beim Wassertrinken erwischt hatte. „Damals gab es die Einstellung, dass die Muskeln beim Sport trocken sein müssen“, verrät Sohn Ulf, und muss ob dieser kuriosen Anekdote lachen.

Die Affinität für den Sport mit dem runden Leder gab der spätere Schlachthofdirektor in Wolfsburg, den es 1970 von Vorsfelde nach Danndorf gezogen hatte, wie gesagt an seine vier Jungs weiter – „und da wir alle einigermaßen geradeaus laufen konnten“, wie es Sohn Ulf scherzhaft formuliert, schnürten auch er und seine Brüder von früh an die „Pötten“ – er selbst und Eike von 1970 an aber zunächst für den Velpker SV, da Danndorf keine F-Jugend hatte. Ein Jahr später folgte der Wechsel zum TSV, da dort eine F-Jugend gegründet worden war.

Als talentiertester der vier Brüder erwies sich der Jüngste: Odo Wende lief Ende der 1980er Jahre für die A-Jugend des VfL Wolfsburg auf und hätte den Sprung in die erste Mannschaft schaffen können, die in der Oberliga Nord spielte. „Er war ein hervorragender Zocker, der sein Talent leider ein bisschen mit Füßen getreten hat und den Verlockungen eines Wolfsburger Dorfvereins gefolgt ist“, sagt Ulf Wende über seinen Bruder. Zu allem Überfluss zog sich der heute 50-Jährige zwei Jahre später auch noch einen komplizierten Knöchelbruch zu, der ihn länger außer Gefecht setzte. Heute geht es Odo Wende aber wieder gut, er lebt in Gillersheim in der Nähe von Göttingen, spielt ab und zu noch Fußball „und ist der Fitteste von uns“, wie Ulf Wende betont.

Training beim VfL II: Die Einstandskiste macht sich bezahlt

Fit, das war auch er Anfang der 1980er, und das nicht nur, da er aufgrund seiner Tätigkeit beim Bundesgrenzschutz in Winsen (Luhe) von 1982 bis 1984 ohnehin schon viel Sport trieb. Denn der mittlerweile 56-Jährige trainierte damals auch einmal pro Woche in der zweiten Mannschaft des VfL Wolfsburg mit, in der sein ein Jahr jüngerer Bruder Ingo fester Bestandteil war. Allerdings musste sich Ulf Wende in die Landesliga-Truppe der Wölfe gewissermaßen einkaufen – und zwar mit einer Einstandskiste Bier. Erst fragte er bei Kapitän Uwe Wiswe nach, der verwies den Danndorfer an Trainer Manfred Mattes, und nachdem dieser Wendes Mitbringsel gesehen hatte, sagte er zu ihm: „Zieh dich um und mach mit.“ Das tat Wende. In den kommenden vier Jahren trainierte er bei den Grün-Weißen mit, wobei ihn die Übungseinheiten sowohl förderten als auch forderten. „Körperlich konnte ich mit den anderen aber auf jeden Fall mithalten.“

Zeitgleich war der gebürtige Detmolder für den TSV Danndorf aktiv, mit dem er in seinem ersten Herrenjahr direkt aus der 1. Kreisklasse in die Kreisliga aufstieg. Es folgten acht Saisons in dieser Liga, ehe es für Wende & Co. noch zweimal rauf gehen sollte: erst in die Bezirksklasse, dann sogar in die Bezirksliga.

Mit Ingo spielte Ulf lange Jahre gemeinsam in der ersten Herren in Danndorf, Odo kehrte später ebenfalls zurück, und als sich mit Eike auch der älteste Sohn von Kurt Wende nach Beendigung seines Medizinstudiums entschloss, für die Rot-Weißen gegen das runde Spielgerät zu treten, waren die vier Brüder kurzzeitig auf dem Platz vereint. In der Jugend des TSV hatte Ulf dagegen immer entweder mit Ingo oder Eike zusammengespielt.

Letzterer (57) arbeitet heute als Arzt in Osterrönfeld, einer Gemeinde im Kreis Rendsburg-Eckernförde in Schleswig-Holstein, wo er zugleich Fußballobmann ist und in der Altliga kickt. Sein ein Jahr jüngerer Bruder Ulf erlangte 1992 seine Trainer-B-Lizenz und ist seitdem fleißig als Coach tätig: ob beim TSV Danndorf II, seiner ersten Trainerstation, der zweiten A-Jugend des VfL Wolfsburg oder der C-Jugend des SV Reislingen/Neuhaus. In dieser Altersklasse coachte er auch erstmals seinen Sohn Gerrit, der als gebürtiger Wolfsburger bei den Reislingern das Fußballspielen gelernt hatte – sein Vater, der wie Ingo und Odo später auch Danndorfs erste Herren trainieren sollte, wohnt noch heute in der VW-Stadt.

Ulfs Sohn Gerrit: Der einzige Wende mit Torriecher

Etwas, das Gerrit von seinem Vater und dessen Brüdern unterscheidet, ist die Rolle auf dem Feld. „Während wir alle defensive Mittelfeldspieler oder Verteidiger waren, kann Gerrit auf vielen Positionen eingesetzt werden – auch im Sturm“, erzählt Papa Ulf. So erzielte sein Sohn als Angreifer in der Saison 2018/19 24 Treffer für den TSV Danndorf und war damit zweitbester Torjäger der Kreisliga.

Mit 18 Jahren hatte sich der inzwischen 28-jährige Gerrit Wende nämlich für den Wechsel zum TSV entschieden, bei dem er zuerst von Odo und ein Jahr später erneut von seinem Vater trainiert wurde – mit letzterer Situation hatte er nach eigener Aussage nie ein Problem. Papa Ulf sieht es genauso: „Viele Vater-Sohn-Beziehungen im Fußball scheitern daran, dass die Väter ihre Söhne zu sehr bevorteilen. Ich habe das hingegen immer knallhart getrennt und eine gewisse Professionalität vorgelebt.“

Bis heute ist Ulf Wende, der zwischenzeitlich TSV-Spartenleiter war, Co-Trainer von Danndorfs erster Herren und engagiert sich auch anderweitig bei den Rot-Weißen, mit denen er sehr verbunden ist. Im Sommer half er etwa dem Platzwart dabei, den Rasen zu mähen, zudem versucht er seinen Teil dazu beizutragen, den TSV zukunftssicher aufzustellen – den Verein, der ihm, seinen Brüdern und seinem Sohn bislang so viel gegeben hat.

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