Scheike ist auch in Leiferde Torgarant

Braunschweig.  Der 28-Jährige spielte einst bei den Bayern vor. Nun will er den Fußball-Kreisligisten in die Bezirksliga schießen.

Leiferdes Jannik Scheike zieht hier in der Partie gegen den BSV Ölper ab. Lucas Warsitz (rechts) kann nicht mehr eingreifen.

Leiferdes Jannik Scheike zieht hier in der Partie gegen den BSV Ölper ab. Lucas Warsitz (rechts) kann nicht mehr eingreifen.

Foto: Jens Grothe

In den niedersächsischen Fußball-Amateurligen wurde der Spielbetrieb coronabedingt ausgesetzt. Mit einer Wiederaufnahme ist erst nach der Winterpause zu rechnen. Für einige Braunschweiger Vereine in der Kreisliga kam die Unterbrechung nicht ungelegen. Die Pause verschafft Zeit, die Verletztenmisere auszusitzen. Für den VfL Leiferde allerdings ist es der falsche Zeitpunkt. Das Team führt die Tabelle an und ist einer der Titelfavoriten. Der VfL konnte zwar erst sechs Spiele absolvieren, diese aber als einzige Mannschaft durchweg siegreich beenden. Einer der Erfolgsgaranten: Jannik Scheike.

Mit 17 Treffern führt er die Kreisliga-Torschützenliste souverän an. Der Erfolg des 28 Jahre alten Stürmers kommt aber nicht unerwartet. Der Sohn von Ex-Eintracht-Profi Michael Scheike machte bereits in den vergangenen Jahren mit vielen Toren auf sich aufmerksam, egal für welchen Verein er auch auflief. Als Youngster, damals schon von Vater Michael trainiert, begann er als Mittelfeldspieler. „Der wollte einen Angreifer aus mir machen und schickte mich umgehend ins Sturmzentrum. Zurückblickend hat seine Idee offensichtlich funktioniert“, erinnert sich Jannik Scheike.

Erfolgreiche Jugendjahre

Es schlossen sich erfolgreiche Jugendjahre an. Auch Uwe Walther, der als Trainer die Freien Turner bis in die Regionalliga führte, gehörte einst zu Scheikes Ausbildern: „Der Jannik hatte schon als D- und C-Junior den nötigen Instinkt, und den hat er sich bis heute erhalten. Ich verfolge natürlich seine Spiele und bestaune nach wie vor seinen Torriecher“, berichtet Walther.

Warum es nie für höhere Aufgaben gereicht hat, erklärt Scheike an seinem Schlüsselerlebnis: „Als 18-Jähriger wurde ich von Bayern zum Probetraining eingeladen, für mich war das ein einmaliges Erlebnis. In Hannover durfte ich in den Flieger nach München steigen, logierte drei Tage in einem tollen Hotel und hinterließ offensichtlich einen guten sportlichen Eindruck.

Trainingsverletzung zerstört Bayern-Traum

Doch eine Trainingsverletzung stoppte dann all meine Hoffnungen, mich weiter zu empfehlen. Später bekam ich noch die Chance, beim Amateurteam von Hannover 96 vorzuspielen, aber für mich als Braunschweiger war das wohl nicht die richtige Adresse.“

Zwischen Scheike und der Eintracht kam es zum damaligen Zeitpunkt nie zu einem ernsthaften Kontakt, was er im Nachhinein bedauert. „Ich habe mich dann für ein Studium entschieden und mögliche Profigedanken schnell vergessen. Heute bin ich sicher, die richtige Entscheidung gefällt zu haben.“

Scheike glänzt in der Landesliga

Auch später beim FC Braunschweig zeigte Scheike sein Können. Die Saison 2014/15 schloss der damals neu gegründete Verein seines Vaters als Tabellendritter der Landesliga ab, natürlich mit Jannik Scheike als bestem Torschützen.

Die jetzige Situation, nur in der Kreisliga zu kicken, bezeichnet er als angenehm. „Man kennt etliche Spieler anderer Vereine, auch das Zuschauerinteresse, insbesondere bei Derbys, ist einfach klasse. Außerdem sind die Fahrten überschaubar, und man hat dadurch einfach mehr Freizeit.“ Die genießt der VfL-Torjäger, der bei einer Braunschweiger Traditionsbrauerei angestellt ist, abseits des Fußballs mit seiner Ehefrau Merle, die in Leiferde ihrem Hobby Reiten nachgeht.

Leiferder Stürmer-Trio trifft 32 Mal

Begeistert von den Fähigkeiten seines Stürmers äußert sich VfL-Trainer Mesut Dereköy in seiner ersten Saison in Leiferde: „Es macht schon Spaß, mit einem so guten Stürmer zu arbeiten. Zusammen mit den ebenfalls torgefährlichen Angreifern Luca Pospich und Enno Menke kann unsere Offensive mit 32 Toren eine ordentliche Ausbeute vorweisen.“

Doch richtig zufrieden ist Dereköy noch nicht: „Ich lege viel Wert auf konsequentes Abwehrverhalten, das habe ich der Mannschaft schon vor dem Saisonstart versucht einzutrichtern. Mit den elf Gegentoren aber rangieren wir nur im Mittelfeld. Da gibt es Ligakonkurrenten, die besser abschneiden. Wenn wir uns nur auf Jannik und seine Sturmkollegen verlassen, wird das irgendwann ins Auge gehen.“ Dass der VfL nebenbei auch noch die Fairness-Wertung anführt, ist ein Indiz für die gute Arbeit des Trainers.

Hoffen auf Saisonfortsetzung im März

Der Macher im Hintergrund des VfL ist Abteilungsleiter Christian Ebers. Als ehemaliger Spieler der ersten Mannschaft kennt er sich aus wie kein anderer, und das nicht nur bei seinem Verein: „Ich bin gut vernetzt in der Braunschweiger Fußballszene, das ist schon hilfreich.“

Obwohl für sein Team aktuell alles nach Plan läuft, hat er seine Fühler nach möglichen Verstärkungen in der Winterpause wieder einmal ausgestreckt. „Zunächst hoffe ich wie alle anderen auch, dass der Spielbetrieb spätestens im März fortgesetzt werden kann. Wenn es dann zwischenzeitlich noch mit dem ein oder anderen Neuzugang klappen sollte, hätte ich ein gutes Gefühl für die weitere Saison. Ich muss zugeben, dass der Sprung in den Bezirksfußball ein langersehnter Wunsch von mir ist.“

Neubau des Sportheims beginnt bald

Ob es für den Tabellenführer zum Aufstieg reichen wird, steht noch in den Sternen. Sollte es nicht klappen, gibt es aber einen anderen Feiergrund. Sehr zur Freude der Mitglieder steht dem Neubau des Sportheims, endlich auch mit den lange vermissten Umkleidemöglichkeiten, nichts mehr im Wege. Im Frühjahr soll der erste Spatenstich dafür erfolgen. Ob sich Bezirksligakicker in den neuen Räumen umziehen dürfen, wird sich zeigen.

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