Ein Braunschweiger Kletter-Ass, das nicht wachsen will

Braunschweig.  Der 16-jährige Braunschweiger Thorben Perry Bloem gehört dem Nationalkader an und träumt schon von Olympia.

Thorben Perry Bloem arbeitet sich an einer Boulderwand nach oben. Der 16-Jährige trainiert regelmäßig im Greifhaus.

Thorben Perry Bloem arbeitet sich an einer Boulderwand nach oben. Der 16-Jährige trainiert regelmäßig im Greifhaus.

Foto: Privat

In seiner Schule wissen es die meisten: Der Thorben, das ist ein ziemlicher Kletterfreak. Aber sicher nicht allen ist bekannt, dass sie mit einem der größten Sportkletter-Talente Deutschlands auf das Hoffmann-von-Fallersleben-Gymnasium gehen. Thorben Perry Bloem kommt im Gespräch bescheiden rüber. Er ist keiner von denen, die gleich losposaunen: Ich bin deutscher Meister im Jugendbereich! In Italien bin ich 2019 bei Europa- und Weltmeisterschaft gestartet! Ich gehöre dem Nationalkader an! Dabei trifft all das zu.

Es war Sonntag, ein Tag vor dem zweiten Lockdown. In der Hamburger Europa-Passage fanden die deutschen Meisterschaften im Speedklettern statt. Immer zwei Kletterer traten an einer 15 Meter hohen und um fünf Grad geneigten Wand gegeneinander an. Das Ziel: auf einem genormten Parcours schneller ganz oben anschlagen als der Mitstreiter. Thorben Perry Bloem durfte am Ende jubeln: In der Jugend A-Wertung wurde er Zweiter. Und weil er mit seinen 16 Jahren auch schon in der Herrenkonkurrenz ran darf, gab es auch hier einen Erfolg: Platz drei.

Im NDR um die Wette geklettert

Zuschauer waren in der Halle coronabedingt nicht zugelassen, dafür übertrug der NDR die Veranstaltung im Livestream. Wer den Speedkletterern zuschaut, wundert sich über die Leichtigkeit, mit der sie die Wand besteigen. „Es strengt aber schon an. Aber man muss schon so fit sein, dass man da insgesamt achtmal schnell hochkommt“, sagt der Braunschweiger. Thorben Perry Bloem ist dabei stets auf sich fokussiert, ein wenig hat er im Augenwinkel aber auch immer den Gegner neben sich im Blick. „Wenn ich sehe, dass der andere ein Stück voraus ist, muss ich mehr Risiko gehen“, erklärt der Schüler. Seine persönliche Bestzeit: 6,65 Sekunden, deutscher Rekord im Jugendbereich.

Bundestrainer lobt Vielseitigkeit

Allerdings ist Speedklettern nur eine von drei Kletterdisziplinen. Am bekanntesten ist Bouldern, das freie Klettern ohne Absicherung. Auch in unserer Region gibt es einige entsprechende Hallen. Zudem gibt es das Leadklettern mit Seil. Bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio ist eine Kombination erstmals Demonstrationswettbewerb. 2024 in Paris und vier Jahre später in Los Angeles mit dabei sein – das ist ein großer Traum von Thorben Perry Bloem. „Aber es gibt viele starke Athleten. Dafür muss schon vieles passen“, meint der 16-Jährige, den Bundestrainer Urs Stöcker für seine Vielseitigkeit lobt. Bloem beherrsche sämtliche Disziplinen gleich gut, sagt er.

Mit zwei Jahren auf den Felsen

Nun war der in seinem Elternhaus in Lamme wohnende Jugendliche aber auch sehr früh auf den Sport fixiert. Denn: Seine Mutter klettert. Und sein Vater ist sogar Trainer. „Als ich meinen ersten Felsen bestiegen habe, lag mein dritter Geburtstag noch vor mir“, weiß das Sporttalent. Lange vor Kletterboom und Boulderhallen-Bau sei er mit seinen Eltern in vielen Regionen Deutschlands unterwegs gewesen. Auch in Österreich, Kroatien und auf den spanischen Inseln legte die Familie viele Höhenmeter zurück.

Sogar der zweite Vorname des Braunschweigers ist dem Klettersport entliehen: Oliver Perry-Smith war ein US-amerikanischer Bergsteiger, der in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg in Sachsen durch Erstbesteigungen einiger bedeutender Gipfel auf sich aufmerksam machte.

Trainingserlaubnis trotz Corona

Thorben Perry Bloem liebt es ebenfalls, wenn er in der freien Natur klettern kann. Sein Alltag besteht jedoch aus Hallentraining, meist zwei- bis dreimal in der Woche im Greifhaus an der Hamburger Straße. „Weil ich dem Nationalkader angehöre, darf ich dort auch im November trainieren“, berichtet er. Zudem mache er etwas Krafttraining, als Ausgleich zudem Gymnastik und Yoga.

Für einige Einheiten geht es auch in die Fliegerhalle am Braunschweiger Westbahnhof oder nach Hannover, wo es sogar eine Speedkletterwand gibt. Bei Wettkämpfen geht der Braunschweiger für die Braunschweiger Sektion des Deutschen Alpenvereins ins Rennen.

Das Kletter-Ass spielt auch Klavier

Tage, an denen er keine Lust auf Klettern hat? Gibt es nur selten. „Aber natürlich hat man auch mal Phasen, wo man müde und kaputt ist“, meint Thorben Perry Bloem, der aufgrund seiner Größe von bereits 1,83 Meter einen Wunsch hat: Er will möglichst nicht mehr wachsen. Bestenfalls der Körper soll noch muskulöser werden, was wahrscheinlich auch die Mädchen auf seiner Schule attraktiv fänden. „Das ja, aber in einer Beziehung würde die Zeit ein echtes Problem werden“, vermutet der Schüler. Training, Wettkämpfe – das mache wohl kaum eine Partnerin mit.

Zumal jetzt noch ein anderes Hobby dazugekommen ist, bei dem es wie bei seinem Sport auf Fingerfertigkeit ankommt: Seit einigen Wochen spielt das Kletter-Ass auch noch Klavier.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder