„Arthur“ Grobe zwischen Bayern, Eintracht und Freie Turner

Braunschweig.  Der ehemalige Fußball-Profi ist ein harter Hund, der Fehler verzeiht. Seit einiger Zeit versucht sich der Braunschweiger als Torwarttrainer.

Torwarttraining der Freien Turner im Prinzenpark-Stadion (Herzogin Elisabeth Straße). Aktionsfotos mit TW-Trainer und Ex-Profi Wolfgang Grobe + Portraitbild und Enes Kaya, Timo Keul und A-Junior Simon Kohl

Torwarttraining der Freien Turner im Prinzenpark-Stadion (Herzogin Elisabeth Straße). Aktionsfotos mit TW-Trainer und Ex-Profi Wolfgang Grobe + Portraitbild und Enes Kaya, Timo Keul und A-Junior Simon Kohl

Foto: Bernward Comes / Braunschweiger Zeitung / Bernward Comes

Wolfgang Grobe ist ein positiv Verrückter. Der Fußball ist sein Leben. Es gibt wohl keinen, der dem 64-Jährigen noch irgendetwas über den Sport erzählen könnte, was Grobe nicht schon wüsste. Eine Erkenntnis ist dem Braunschweiger Original deshalb nicht neu. „Torwarte“, sagt er, „sind einfach die ärmsten Schweine. Fast jeder Fehler wird mit einem Gegentor bestraft.“

Seit ein paar Jahren fühlt er mit den Schlussmännern noch ein bisschen mehr mit. Da nämlich begann er, sich als Torwarttrainer im Amateurfußball zu betätigen. Nach ersten Anfängen beim FC Braunschweig und anschließenden Jahren in Lehndorf steht er seit Sommer regelmäßig auf der Anlage der Freien Turner auf dem Platz.

„Fehler macht jeder, und das ist auch okay“

Verlieren – das mochte Wolfgang Grobe noch nie gern. „Arthur“, wie er früher aufgrund mehrerer „Wolfgangs“ im Eintracht-Kader getauft wurde, war immer voll bei der Sache. Und das verlangt er heute auch von den Keepern, die er trainiert. „Aber man muss auch mal die Kirche im Dorf lassen. Fehler macht jeder, und das ist auch okay“, sagt Grobe.

Das allerdings heißt nicht, dass er die Talente nicht ordentlich rannimmt. „Je fitter ein Torwart ist, desto besser ist er auch“, meint der Braunschweiger und muss schmunzeln, als er an eine Trainingssituation denkt. Da sei Turner-Torwart Ken Venancio auf ihn zugekommen und habe vor Erschöpfung geächzt: „Trainer, darf ich mal kotzen?“

Die Rolle des harten Hundes gefällt Grobe gut, ebenso die des stetig improvisierenden Übungsleiters. Der Ex-Profi schüttelt sein Programm spontan aus dem Ärmel. „In den drei Monaten bei den Turnern haben sich vielleicht drei Übungen wiederholt. Manchmal bin ich selbst überrascht, was mir so einfällt“, erzählt Grobe. Zumal ihm die Erfahrung als Aktiver auf dieser Position fehlt. „Nur ganz zu Beginn, in der F- oder G-Jugend, war ich kurz Torhüter. Weil ich immer mit nach vorne gelaufen bin, hat mich der Trainer aber sehr schnell ins Feld gestellt“, berichtet der Löwenstädter, der letztlich in Abwehr und Mittelfeld seine Heimat fand.

Von der Rolle, die Torwarte im modernen Fußball spielen sollen, ist Grobe nur bedingt überzeugt. Ständig miteingebunden sein, in Ballbesitz quasi als zusätzlicher Feldspieler agieren – das hält der 64-Jährige für gewagt. „Wie viele Tore fallen durch dieses ständige Hintenrumspielen?“, sagt er.

Wenn Druck da ist, müsse der Torwart den Ball nach vorne ballern. Saubere Pässe spielen zu können, sei nicht verkehrt. „Aber ein Supertechniker muss ein Torwart nicht sein, sonst könnte er auch im Feld spielen.“

Bei den Turnern ist Grobe glücklich, hat er doch mit Venancio und Timo Keul zwei „völlig verrückte Torhüter“. Dazu gesellen sich meist zwei Talente aus der U19. Zwei- bis dreimal die Woche ist der Ex-Profi pro Woche im Einsatz, zu den Heimspielen schaut er ebenfalls gerne vorbei.

Als Scout beim deutschen Rekordmeister Bayern München

Nach dem verletzungsbedingt vorzeitigen Ende seiner aktiven Karriere bei Bayern München zog er 1986 wieder nach Braunschweig. Zunächst führte Grobe einige Jahre ein Fitnesscenter, 1999 heuerte er schließlich als Scout bei den Bayern an. Für den Rekordmeister jettete Grobe durch die Welt, beobachtete Spieler in zahlreichen Ländern. Mittlerweile sind die Reisen nicht mehr ganz so weit, der Braunschweiger ist für den nord- und ostdeutschen Raum zuständig – bis er in nicht allzu langer Zeit irgendwann in den Ruhestand wechseln wird. Mit Uli Hoeneß steht Grobe in regelmäßigem Austausch, Ex-Chefscout Wolfgang Dremmler ist ein enger Freund von ihm.

Kontakte zum Eintracht-Umfeld gibt es hingegen nicht mehr. Mehrmals habe er dem Verein über die Jahre angeboten, für die Blau-Gelben mitzuscouten, so Grobe – aus alter Verbundenheit heraus hätte er das sogar ehrenamtlich getan. Aber entweder sei eine Absage gekommen oder man habe sich auf sein Angebot hin gar nicht zurückgemeldet. Und so scheint das Kapitel Eintracht abgeschlossen, zumindest fast. „Man soll im Fußball ja nie nie sagen“, meint der Mann, der mit Ehefrau, zwei Katzen und einem Hund im Stadtteil Bevenrode lebt.

Leben ohne Fußball einfach unvorstellbar

So ganz nebenbei leistet Grobe auch noch Jugendarbeit für den JFV Kickers Braunschweig. Seine letzte Einheit mit den Schlussmännern der Freien Turner vor der Corona-Zwangspause musste er hingegen etwas kürzer halten: Die Bayern spielten am Abend. „Ich trage das Wappen des Klubs in meinem Herzen und verpasse kein Spiel“, meint Grobe. Ein Leben ohne Fußball? Für ihn nicht auszudenken.

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