Was Braunschweigs Amateur-Fußballer zum Sport-Stopp sagen

Braunschweig.  Nach dem bundesweiten Lockdown-Beschluss für November werden auch die Wochenend-Partien in Kreis und Bezirk abgesetzt.

Auch für die Landesliga-Spieler von TSC Vahdet (Mitte: Marvin Luczkiewicz) und BSC Acosta (Jannik Rowold, links, und Jawid Haidari) ist das Fußball-Jahr beendet.

Auch für die Landesliga-Spieler von TSC Vahdet (Mitte: Marvin Luczkiewicz) und BSC Acosta (Jannik Rowold, links, und Jawid Haidari) ist das Fußball-Jahr beendet.

Foto: Stefan Lohmann / regios24

Die Pandemie hat den Fußball unterhalb der Profiligen wieder fest im Griff. Nachdem die Bundespolitik am Mittwoch die Einstellung des Freizeit- und Amateursportbetriebs im November beschlossen hatte, folgten am Donnerstag weitere Entscheidungen auf Verbandsebene. So erklärte Jörg Zellmer, Vorsitzender des NFV-Bezirksspielausschusses , das Fußballjahr für die betreffenden Klassen beendet. Heißt: Weder am kommenden Wochenende noch im Dezember finden Partien statt. Die Reaktionen der Verantwortlichen von Landes- und Bezirksligisten auf Lockdown und Folgeentscheidungen waren überwiegend zustimmend – wenngleich sich in Detailfragen hier und da Kritik regte.

„Die Spielabsagen sind okay. In Sachen Training hatten wir aber eigentlich ein gutes Konzept. Das hatte sich in der Vorbereitung zur Saison bewährt – schade“, meinte Hendrik Boy, Trainer von Bezirksligist Lehndorfer TSV . Ähnlich sieht es Torben Thran, Fußball-Abteilungsleiter des FC Wenden : „Für den Ausfall der Spiele haben wir vollstes Verständnis. Das mit dem Training hatten wir aber gut geregelt. Vor allem fehlen dann die sozialen Kontakte, da auch der Vereinswirt sein Lokal schließen muss. Wir haben immer die Abstände eingehalten. Ein Kompromiss wäre besser gewesen. So leiden die Wehrlosesten darunter“, erklärte er.

„Ausfall ist alternativlos“

Hingegen findet Freie-Turner- Coach Alexander Zajelski: „Der Ausfall der Spiele ist alternativlos. Die Sonntagsabsage ist ebenfalls in Ordnung, die Akteure wären sowieso mit den Köpfen woanders. Auch das mit den Trainingseinheiten ist so eine Sache. Da haben wir als Übungsleiter und Betreuer eine hohe Verantwortung.“ Überflüssig fand Zajelski das Pokalturnier im September. „Da hätte man vorher mit Punktspielen beginnen können und wäre jetzt schon weiter.“

Dem stimmt Hondelages Trainer Rafael Schindzielorz zu. „Mit dem Pokalturnier wurde viel Zeit vertan. Ärgerlich ist das Ganze für uns, weil wir natürlich gut dabei sind als Spitzenreiter unserer Staffel. Aber die Gesundheit hat Vorrang.“

Einheitliches Vorgehen fehlt

Beim BSC Acosta II ist man mit den Ausfällen einverstanden, hätte sich aber eine sofortige einheitliche Vorgehensweise beim NFV gewünscht. „Das ging erst wieder Stück für Stück vor sich. Erst sagt ein Kreisverband ab, aber auf Bezirksebene steht noch nichts fest, dann erst legen die Bezirke nach. Die Absagen als solches, auch schon für Sonntag, sind aber völlig in Ordnung“, meinte BSC-Abteilungsleiter Francesco Ducatelli. „Die Entscheidung ist vernünftig“, ergänzte Trainer Uwe Stucki.

Volkmarodes Trainer Sven Scholze erklärte: „Es bewährt sich jetzt, dass man durch die verkleinerten Staffeln nicht so viele Spiele nachholen muss. Die Absagen als solches lassen sich nicht ändern, die Gesundheit aller hat Vorrang.“ Ins gleiche Horn stößt sein Kralenrieder Kollege Dennis Slodczyk, der auch in Bezug auf Trainingseinheiten skeptisch gewesen wäre: „Das wäre eine zu hohe Verantwortung, hier haben wir Trainer auch eine Fürsorgepflicht gegenüber den Spielern“, sagte er. Stattdessen setzen er und seine Co-Trainer Tim Thormeyer und Björn Kollecker auf die Selbstdisziplin ihrer Akteure: „Die Jungs haben alle eine Lauf-App, die ihre Laufleistungen erfassen. Diese werten wir als Trainer später aus. Der Fleißigste bekommt einen kleinen Preis. So kommen wir einigermaßen fit in die Spur, wenn der Spielbetrieb wieder anfängt.“

„Wir haben nur darauf gewartet“

Eine Etage darüber in der Landesliga sind die Trainer der Braunschweiger Teams ebenfalls wenig überrascht von der Entscheidung. „Die Zahlen sprechen für sich. Letztlich haben wir am Ende alle nur darauf gewartet“, erläuterte Vahdets Coach Sean Krebs. Im Dezember nach einem trainingsfreien Monat gegebenenfalls noch einmal Pflichtspiele nachzuholen, hätte keinen Sinn gehabt, sagte er. Wichtig sei nun jedoch, dass möglichst schnell geplant und kommuniziert werde, wie es weitergehe. Unter der Voraussetzung, dass es die Infektionslage erlaubt, sei ein früherer Start im nächsten Jahr sinnvoll, so Krebs. „Statt Mitte März sollte man das letzte Februar-Wochenende anpeilen“, schlug er vor.

Gelassen nahm BSC-Acosta -Trainer Sami Gharbi die Entscheidungen hin. „Auch wenn wir nach unserem ersten Sieg am vergangenen Wochenende jetzt gerne noch einmal nachgelegt hätten“, sagte er. Aber die Situation sei nun mal so, wie sie sei. „Letztlich kann es ja auch nicht sein, dass der Amateursport gegenüber Gastronomie oder Kultureinrichtungen vorrangig behandelt wird“, erklärte er.

„Es gibt wichtigeres als unser Hobby“

Genauso sieht es auch Marcus Danner von Eintracht II . „Sicher möchte jeder seinem Hobby nachgehen. Aber es gibt doch im Moment viel größere Problembereiche als den Amateursport. Viele Menschen bangen um ihre Existenz“, meinte der Trainer. Sicher werde die Winterpause lang. Aber auf Partien im Dezember zu setzen, wäre wenig sinnvoll gewesen, so Danner. Auch am kommenden Wochenende noch einmal zu spielen, wäre aus Sicht des Trainers Blödsinn gewesen. „Das wäre doch alles unter dem Motto gelaufen: Wir dürfen noch einmal ran und feiern eine letzte Party“, sagte er. Insofern sei die Verbandsentscheidung richtig.

Sascha Fassa vom TSV Lamme hatte die Unterbrechung ebenfalls erwartet. „Dass es so plötzlich kommen würde, hat mich dann aber schon etwas überrascht“, gestand er. Auch mit der Absage für das kommende Wochenende ist Fassa nicht wirklich glücklich. „Das hätte den Kohl nicht fett gemacht. So haben wir irgendwann noch ein Spiel mehr nachzuholen“, gab er zu bedenken. Jetzt sei es wichtig, bald neue Pläne zu fassen und auch über Regularien wie Wechselmodalitäten für Spieler zu entscheiden.

Entscheidung für die Gesundheit

Auch der NFV-Kreis Braunschweig hat inzwischen alle Fußballspiele mindestens für die nächsten vier Wochen abgesagt und damit seine Aktiven von der Jugend bis zu den Alten Herren faktisch in die Winterpause geschickt. „Ich bin froh, dass wir nun diese Entscheidung zugunsten der Gesundheit haben. Wir haben außerdem für die nächsten Wochen Klarheit und müssen jetzt nicht von Spieltag zu Spieltag schauen, wie es weitergeht“, sagte der Kreis-Vorsitzende Thomas Klöppelt.

Er hat aber die Hoffnung, dass die gerade erst begonnen Fußball-Saison im nächsten Kalenderjahr vernünftig zu Ende gebracht werden kann. „Dafür haben wir alle gekämpft, und das möchte ich auch als Signal für die Vereine verstanden wissen“, sagte Klöppelt. Sollte sich das Infektionsgeschehen wieder entspannt haben, könnte es Gespräche mit den Vereinen geben, wie die Spielzeit möglichst bis Ende Juni zu Ende gespielt werden könnte. Klar ist dabei, dass von allen viel Flexibilität im Spielbetrieb gefordert ist. „Zum Beispiel mit häufigen Wochenspieltagen“, meinte Klöppelt. Ihm ist aber auch klar, dass alle Pläne wegen der Corona-Pandemie weiterhin auf wackeligen Beinen stehen. „Wir fahren nach wie vor auf Sicht“, gibt er zu. Daran werde sich nicht so schnell etwas ändern.

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