Die Hallenhockey-Saison hängt in der Schwebe

Braunschweig.  Die Erst- und Zweitligisten wollen spielen, auch die Braunschweiger Klubs Eintracht und BTHC stimmen dafür. Nur wie, ist ungewiss.

Eintrachts Luisa Hohenhövel im Duell mit Alter Hamburgs Torhüterin. Gibt es auch diesen Winter wieder packendes Hallenhockey in den Bundesligen zu bestaunen? Grundsätzlich ja, aber...

Eintrachts Luisa Hohenhövel im Duell mit Alter Hamburgs Torhüterin. Gibt es auch diesen Winter wieder packendes Hallenhockey in den Bundesligen zu bestaunen? Grundsätzlich ja, aber...

Foto: Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Während der Hallenfußball im Vergleich zum „richtigen“ Fußball nur eine untergeordnete Rolle spielt, sich sogar mit der Einführung des Futsals als eigenständige Sportart versteht, ist das im Hockey ganz anders. Zumindest in Deutschland genießt Hallenhockey einen großen Stellenwert. Es ist seit Jahrzehnten selbstverständlich, dass es eine Freiluft-Saison gibt und eine Hallensaison. Und Braunschweig mischt traditionell in den Topligen bei den Besten mit.

Aktuell gehört Feldhockey-Regionalligist Braunschweiger THC bei den Männern in der Halle der Zweiten Bundesliga an. Und Eintrachts Freiluft-Zweitligist kämpft bei den Frauen unter dem Hallendach sogar in der Eliteliga um Punkte.

Abstimmung der Erst- und Zweitligisten

Doch soll es in Corona-Zeiten überhaupt im Winter eine Spielrunde in der Halle geben? Diese Frage stellte der Deutsche Hockey-Bund den Klubs der 1. und 2. Bundesliga bei Männer und Frauen und gab die Entscheidung zur Abstimmung frei. Doch so einfach, wie sich die Fragestellung oberflächlich anhört, ist die Beantwortung nicht. Und so stimmten zwar sowohl Eintracht als auch der BTHC dafür, eine Hallenrunde zu spielen. Aber wie das dann in der Praxis aussehen wird, ist noch völlig ungewiss.

Vermutlich Ende November soll es wie auch immer losgehen. Es bleibt also nicht mehr viel Zeit, die konkrete Organisation einer Hallenhockey-Runde auf die Beine zu stellen.

„Grundsätzlich wollen wir spielen“

„Grundsätzlich wollen wir spielen. Das ist doch klar. Aber ob es tatsächlich dazu kommt, ist noch völlig unklar“, sagt Andreas Dolge, der Trainer der Eintracht-Frauen, und er erläutert: „In der Abstimmung ging es darum zu entscheiden, ob wir spielen könnten. Nun müssen wir sehen, ob wir spielen können.“ Dazu gelte es, viele Gespräche zu führen, zu allererst mit den Spielerinnen, sagt Dolge. Jede Akteurin müsse für sich nun abklären, ob sie das Risiko eingehen möchte. Und die Berufstätigen müssten mit ihren Arbeitgebern klären, ob die Teilnahme an einer Hallensaison auch unter Corona-Gesichtspunkten überhaupt möglich sei.

Das Problem sieht auch Carsten Alisch, der Trainer der BTHC-Männer. „Was ist, wenn Spiele ausfallen und nachgeholt werden müssen. Für viele meiner Spieler ist es einfach nicht möglich, unter der Woche nach Hamburg zu fahren.“ Und was ist, wenn sich die allgemeine Corona-Lage mit örtlich krassen Unterschieden verschärft? „Wenn ein Berliner Team in Hamburg spielen muss und dort nicht übernachten darf, weil es aus einem Risikogebiet kommt, finde ich das sehr grenzwertig für die Sportler. Das geht gar nicht“, meint Alisch.

Knappes Votum auf Bundesebene

Und so wird es in den nächsten Tagen und Wochen große Diskussionen geben in den Vereinen, wie verfahren werden soll. Die Abstimmung ging bundesweit übrigens ganz knapp pro einer Hallensaison aus, mit 54 Prozent der Stimmen dafür.

Geeinigt wurde sich darauf, dass die Teilnahme in jedem Fall freiwillig ist und dass es keine Absteiger gibt. Klubs, die auf einen Start verzichten, behalten ihren Platz in der jeweiligen Liga auch für die Spielzeit 2021/22. Dafür würden die Ligen gegebenenfalls aufgestockt werden. Also keine Absteiger. „Das ist doch richtig klasse. Ich finde das cool, unter diesen Bedingungen zu spielen“, schwärmt Dolge.

Aufstiegskampf könnte problematisch werden

Doch Alisch sieht ein Problem, das es in der ersten Liga nicht gibt: „Es soll keine Absteiger, aber Aufsteiger geben. Und das gibt doch nur Stress, wenn es oben in der Tabelle eng ist. Was ist, wenn ein Team in Quarantäne muss. Was ist, wenn ein Topteam nicht mehr antreten kann. Das könnte mega ungerecht werden.“ Und schließlich, sagt Alisch, „ist ja noch gar nicht geklärt, ob es überhaupt genug Schiedsrichter gibt. Die Teilnahme ist ja freiwillig. Und vielleicht machen ja nur zwei, drei Teams überhaupt mit. Sollen die dann siebenmal gegeneinander spielen?“

Es ist also noch vieles ungeklärt. Und noch scheint es in der Schwebe zu hängen, ob in diesem Winter in den deutschen Topligen überhaupt Hallenhockey gespielt wird. Nur eines ist sicher, Corona hin, Coroner her: Die Lust auf Sport, auf Wettkampf, auf Hockey ist bei allen Beteiligten riesengroß.

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