Braunschweigs Vereinssport bewegt (sich) wieder

Braunschweig.  „Wie eine Befreiung“ – auf vielen Klub-Anlagen trainieren sich Hallen- Mannschafts- und Einzelsportler aus der Corona-Krise.

Der MTV hatte zuletzt online ein vielfältiges Fitnessangebot angeboten, nun sind die Gruppen, wie hier die Matten-Gymnastik mit Übungsleiterin Rika Meiners, auf’s Gelände im Westpark gezogen.

Der MTV hatte zuletzt online ein vielfältiges Fitnessangebot angeboten, nun sind die Gruppen, wie hier die Matten-Gymnastik mit Übungsleiterin Rika Meiners, auf’s Gelände im Westpark gezogen.

Foto: Bernward Comes

Hochmotiviert und kreativ in der Umsetzung haben Braunschweigs Sportvereine in der abgelaufenen Woche auf die Erlaubnis reagiert, ihr Sportprogramm allmählich wieder hochzufahren. Die Regeln waren klar: Nur kleine Gruppen, kein Körperkontakt, kein Wettkampfsport, keine Hallen- und Duschraumnutzung. Mit diesen Einschränkungen lässt sich vorübergehend leben, berichten die Vereinsverantwortlichen, die wir in unserer kleinen Umfrage erreicht haben. Und: Die Öffnung habe auf Klubs und Mitglieder wie eine Befreiung gewirkt.

Der Großverein MTV mit seinen unzähligen Abteilungen legte gleich am 11. Mai los. Das Fitness-Angebot, das zuletzt online angeboten wurde, wurde zügig auf die nun generell wieder geöffneten Freianlagen im Westpark verlegt. Auch für die Tennisspieler und Leichtathleten war die Wiederaufnahme ihres Sportprogramms leicht möglich. Die Volleyballer spielen nun eben bis auf weiteres Beachvolleyball.

Die Hockeyteams beginnen nächste Woche in Kleingruppen auf einem halben Feld unter den üblichen Vorgaben des DOSB wie Abstand halten und Bälle desinfizieren. Ähnliches plant die Handballabteilung. „Wir sind gerade dabei, unsere Pläne zu machen“, sagt Volker Mudrow, Trainer der ersten Mannschaft und gleichzeitig Abteilungsleiter Handball beim MTV. Ziel ist es, dass es in der nächsten Woche auch wieder für die Hallensportler losgeht – allerdings nicht drinnen, sondern draußen. Die Handballer wollen ab Montag wieder auf dem Sportplatz an der Ottenroder Straße trainieren – unter Berücksichtigung aller Abstandsregeln und mit maximal zwei Teams gleichzeitig.

„Wir fangen aber erst einmal ohne Handball an und werden nur Athletiktraining machen“, sagt Mudrow. Doch gerade für den Zusammenhalt in einer Teamsportart sei es wichtig, dass man sich auch mal wieder sehe. Deshalb ist er glücklich, dass überhaupt wieder so etwas wie eine Trainingseinheit für sein Team möglich ist, obwohl noch nicht klar ist, wann und ob die Handballer im Herbst in die nächste Saison starten können.

Auch MTV-Geschäftsführer Jörg Diekmann ist erleichtert. „Wir sind sehr froh, dass überhaupt wieder was losgegangen ist“, sagt er. Allerdings beklagt er ein bisschen, es sei doch recht aufwändig gewesen, nach der von der Landesregierung verkündeten Öffnung für den Freizeitsport das „Kleingedruckte“ zu finden und umzusetzen. Verschiedene Fachverbände hätten da durchaus verschiedene Vorschläge gemacht.

Beim MTV gehe man sehr vorsichtig vor, sagt Diekmann und, wie er einräumt, „vielleicht ein bisschen bürokratisch.“ Wer derzeit unter Corona-Bedingungen Sport treiben möchte, muss unterschreiben, dass er symptomfrei ist und nicht zum Sport kommt, falls sich das ändern sollte, und dass er sich an die Hygieneregeln hält. Ob auf dem Weg zum Sportplatz oder auf die Toilette Maske getragen wird, stellt der Klub den Mitgliedern frei.

Bei Kindern müssen die Eltern unterschreiben. „Wir wollten den Ball an die Eltern zurückspielen“, sagt der Geschäftsführer und freut sich, dass die Vorsichtsmaßnahmen des Klubs offensichtlich kein Problem für die Mitglieder waren: „Am Freitag hatten wir sie kommuniziert, und am Montagmorgen lagen schon 250 ausgefüllte Zettel in der Geschäftsstelle.“ Er wisse, dass der Verein damit auch seine Übungsleiter vor zusätzliche Hürden stelle, sagt Diekmann. „Aber wir fanden es sinnvoll, uns abzusichern für den Fall, dass es nicht so gut läuft.“

Nun hofft der MTV-Verantwortliche, dass bald weitere Lockerungen kommen. „Wir hätten gerne die Hallen und unser Fitnesscenter geöffnet“, sagt er. Viele Abteilungen hätten Konzepte für „sicheren“ Hallensport vorgelegt. „Ein bisschen was wäre dort bestimmt möglich“, sagt Diekmann und denkt beispielsweise an Fechten oder Tischtennis, wo ja eigene Sportgeräte mitgebracht werden, oder Gerätetraining.

Bis es so weit ist, freut er sich über das Verständnis, die Solidarität und den Spaß, mit denen die Mitglieder auch unter ungewöhnlichen Umständen mitziehen.

Der Polizei SV hat ebenfalls gleich zum erstmöglichen Termin mit seinem Angebot losgelegt. Die Hallensportler und Schwimmer bekamen Zeiten auf dem A-Platz beziehungsweise dem Bogenschießplatz, um dort an Kraft und Kondition zu arbeiten. „Nachmittags bis in den frühen Abend ist viel los bei uns“, freut sich Sportkoordinator Oliver Nieden und berichtet von 20-köpfigen JuJutsu- oder Cheerleadergruppen auf Abstand, die mit Treppenläufen ihren Spaß haben. „Wir hatten auch einige Online-Angebote gemacht“, ergänzt er, „aber damit kann man nicht alle erreichen.“

Die Umsetzung der Corona-Regeln sei kein Problem gewesen. Man habe Desinfektionsmittel gekauft, die Übungsleiter hätten sich bei ihren Fachverbänden informiert, man richte sich nach den „Leitplanken“ des DOSB. Neu eingeführt hat der PSV, dass die zuvor schon in einigen Abteilungen geführten Anwesenheitslisten nun von allen Sportlern auf dem Gelände ausgefüllt werden müssen. „Damit wir zurückverfolgen können, wer alles da war, falls mal ein Corona-Fall auftritt“, begründet Nieden.

Damit sich nicht zu viele Sportler auf dem Gelände begegnen, dauern die Einheiten jeweils eine Dreiviertelstunde, und erst nach einer Viertelstunde Pause beginnt die nächste Gruppe. Wer will, kann auch eine Maske mit Vereinslogo bekommen, 500 hat der PSV anfertigen lassen.

Viele Austritte oder größere Beschwerden während der Corona-Pause habe es nicht gegeben, sagt Nieden zufrieden. „Die Leute freuen sich einfach, dass sie sich wieder bewegen können.“

Bei Eintracht können die Leichtathleten die Laufbahn in ihrer „Schüssel“, wie sie das Stadion nennen, noch nicht nutzen. Doch auf den Nebenplätzen und in Rüningen wird eifrig trainiert. „Wir vom Kreis wünschen uns, dass wir auch mal einen kleinen Wettkampf machen können“, sagt Pressewart Hagen Leyendecker. Aber das sei derzeit noch verboten.

Tennis kann bei den Blau-Gelben auch wieder gespielt werden. „Wir haben seit dem 11. Mai wieder geöffnet“, berichtet Abteilungsleiter Martin Eschinger. Allerdings ist auf den Plätzen bisher noch nicht so viel los wie sonst. Was vielleicht an ein paar Einschränkungen liegen kann. Die Umkleiden sind geschlossen, und einen Platz bekommen die Mitglieder nur noch Voranmeldung im Internet. „Die Plätze müssen zwei Tage im voraus gebucht werden. Und erst nach dem Besuch darf das Mitglied wieder buchen“, sagt Eschinger. So wollte man gerade in der Anfangszeit das Interesse am Tennissport gerecht steuern und es auf der Anlage an der Hamburger Straße auch nicht zu voll werden lassen. „Wir schauen noch ein bisschen, wie sich das alles einspielt“, sagt Eschinger.

Jedenfalls haben die Tennisspieler einen großen Vorteil: Im Gegensatz zu anderen Sportarten ist hier das Gebots des Abstandhaltens deutlich leichter einzuhalten – zumindest im Einzel. „Deshalb gilt im Moment auch die Regel, dass immer nur zwei Personen auf einem Platz sind. Ein Doppelspiel ist also nicht möglich“, sagt Eschinger. Und auch das Jugendtraining findet bei Eintracht derzeit nur eingeschränkt statt. „Da haben wir ja meistens doch größere Gruppen, und da kann es doch sehr schnell schwierig auf dem Platz werden“, erklärt der Abteilungsleiter.

Für Eintrachts Hockeymannschaften gibt es zum Teamtraining allerdings keine Alternativen. Doch auch auf den Plätzen hinter dem Stadion wird natürlich penibel auf die Abstands- und Hygieneregeln geachtet. „Mit den ganz Kleinen warten wir noch etwas ab, aber ansonsten versuchen wir schon, alle Mannschaften in Kleingruppen wieder ins Training zu bekommen“, sagt Abteilungsleiter Stephan Rudloff.

Vor allem für das Aushängeschild, das Zweitliga-Frauenteam, ist das natürlich wichtig. Die Saison wurde zunächst bis zum 31. Juli ausgesetzt, wahrscheinlich wird es aber erst im September weitergehen. Und da die Braunschweigerinnen in der Nordstaffel auf dem vierten Platz liegen, haben sie gute Chancen auf die Teilnahme an den Aufstiegs-Play-offs. „Darauf arbeiten wir hin. Unser Trainer legt sowieso viel Wert auf Techniktraining. Daran lässt sich im Moment individuell gut arbeiten“, sagt Rudloff. Aber auch die eine oder andere Pass-Stafette sei mit Abstand sicherlich möglich. Trainiert wird mit maximal sechs Spielerinnen, einer Torfrau und einem Trainer auf einer Platzhälfte.

Beim TV Mascherode ist die Senioren-Fitnessgruppe besonders stolz, auch gleich wieder gemeinsam auf den Freiplatz gegangen zu sein. „Alle waren begeistert, dass es nach langer Pause wieder los ging“, berichtet Übungsleiter Wolfram Schütze, und das, obwohl seine 65- bis 80-jährigen Mitstreiter zur Risikogruppe gehören. „Unser Motto heißt Sport gegen Corona“, lacht er. „Wir gehen davon aus, dass wir mit der Bewegung an der frischen Luft unser Immunsystem stärken.“

Beim Braunschweiger Judoclub wurden in dieser Woche per Videokonferenz Pläne geschmiedet, um nächste Woche wieder mit den Trainingsgruppen loslegen zu können. Ergebnis ist ein gemeinsames alternatives Training von BJC, SFV Europa und dem Landesleistungszentrum Judo Braunschweig für Kinder und Jugendliche, für das bis Sonntag die Gruppen eingeteilt werden. Aus dem Dojo an der Eisenbütteler Straße können die BJC-Judoka einfach in den gegenüberliegenden Bürgerpark wechseln, um an Athletik und Technik zu feilen.

Mit den Kämpfern des Zweitligateams hofft der Vereinsvorsitzende Henner Hornuß, nächste Woche schon in die Halle zu dürfen. „Dort hätten wir die Chance, auch ohne Partner mit Bändern und anderen Vorrichtungen an der Wand und Wurfpuppen ganz gut trainieren zu können.“

Die SG Braunschweig hat mit dem Basketballtraining ebenfalls schon vereinzelt losgelegt. Richtig anlaufen wird das Programm, mit vornehmlich individuellen Einheiten unter Anleitung der Trainer möglichst mit eigenem Ball, nächste Woche auf den Plätzen beim MTV und an der Roten Wiese. „Alle Gruppen von Kindern bis zu den Erwachsenen sollen nachmittags Zeiten bekommen“, berichtet der Vorsitzende Torben Seikowsky.

Für die Leistungsteams laufen bereits zusätzlich Workouts auf dem Parkplatz des Fitnesspartners Wasserwelt, wo entsprechende Geräte verfügbar sind.

Wenn Ihr Verein besondere Angebote macht oder kreative Trainingsideen vorstellen möchte, schreiben Sie an:

redaktion.sport@bzv.de

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