Rokohl geht mit Top-Ausrüstung in den Ring

Braunschweig.  Der Braunschweiger Profiboxer trägt auch bei seinem Kampf am Samstag im Westand Handschuhe aus Italien.

Patrick Rokohl baut für seinen Kampf am Samstag auf seine körperliche Fitness und die Schlagkraft seiner exklusiven Handschuhe aus Italien.

Patrick Rokohl baut für seinen Kampf am Samstag auf seine körperliche Fitness und die Schlagkraft seiner exklusiven Handschuhe aus Italien.

Foto: Nico Hampl/oh

Es kommt im Profiboxen nicht selten zu Streit um die Handschuhe. Auch Patrick Rokohl hat das schon erlebt. Nach seinem Titelkampf in Australien im April warf er Gegner Zac Dunn und dessen Team vor, die Handschuhe vorher nicht mit zum Rules Meeting gebracht zu haben. Wenn der Braunschweiger Profiboxer am Samstag im Westand gegen den Kroaten Bosko Misic in den Ring steigt, sollte ein solcher Diskussionspunkt allerdings nicht aufkommen.

Zumindest Rokohl selbst legt großen Wert auf Fairness und streift bei seinen Kämpfen laut eigener Aussage immer neue und komplett ungenutzte Handschuhe über. „Bei Titelkämpfen müsste ich sie sogar noch original eingeschweißt mit zum Wiegen bringen“, berichtet er. Dieser Fall ist inzwischen ausgeschlossen. In dieser Woche entschied sich, dass es in Rokohls Duell nicht um einen Titel gehen wird. Aber dennoch will der 31-Jährige die Regeln der Fairness wahren.

Zehn Unzen schwere Handschuhe

Laut Reglement müssen die Handschuhe bei Profikämpfen ein Gewicht von zehn Unzen aufweisen. Das entspricht 283,5 Gramm. Vorheriges Einschlagen oder Präparieren der Handschuhe kann die Polsterung abschwächen und dadurch die Schlaghärte steigern – ein klarer Wettbewerbsvorteil.

Allerdings: Rokohl mag es gar nicht hart. „Ich hatte schon oft genug kaputte Hände“, berichtet er. Denn mit der Verletzungsgefahr für den Gegner steigt bei harten Handschuhen auch das eigene Risiko. Auf dem Markt erhältliche Modelle mit härterer Rosshaarfüllung waren für den Braunschweiger aus diesem Grund nie eine Option.

In Handarbeit gefertigt

Außerdem kooperiert der Supermittelgewichtler ohnehin mit einem Ausstatter, der seinen ganz eigenen Produktionsstil hat. In der kleinen Manufaktur von Filippo Di Nardo Leccese in Turin werden unter anderem hochwertige Boxhandschuhe in Handarbeit hergestellt. Die Firma versorgt einige Profiboxer aus England, Irland oder auch Amerika – und eben Rokohl. „Dafür bin ich sehr dankbar. Ich habe viel ausprobiert. Deutsche Handschuhe werden meist in Pakistan produziert und haben mir nie gut gepasst“, sagt Rokohl.

Anders die Modelle aus Italien. „Darin habe ich mich immer wohlgefühlt“, erklärt Rokohl. Jedes seiner Modelle wird speziell für ihn gefertigt. Hochwertiges Leder kommt dabei zum Einsatz, das Design kann sich der Braunschweiger aussuchen. Sein Kampfname „The Patriot“ ist ebenfalls darauf zu lesen.

Normal wäre dieser Luxus für Rokohl nicht finanzierbar. Annähernd 1000 Euro kostet ein Paar Handschuhe aus Turin. Doch im Zuge der Kooperation bekommt der Braunschweiger regelmäßig Exemplare gestellt und stellt sich seinerseits als Werbeträger für die Firma zur Verfügung. Eine Hand wäscht die andere, lautet also das Motto, das von Beginn an griff. Mit seinen ersten Handschuhen aus Italien gewann Rokohl vor rund einem Jahr den den WBO-Europameistertitel in der Sporthalle Alte Waage.

Laktatwerte sind sehr gut

Auch wenn es diesmal um keinen Titel geht: Die Lieferung aus Turin traf gewohnt verlässlich ein. Auch sonst fühlt sich der Braunschweiger fit für den Kampf. „Ein Test hat gezeigt, dass meine Laktatwerte sehr gut sind“, berichtet Rokohl. Seine Mutter und sein Bruder werden am Samstag wieder die Daumen drücken. Sie sind es auch, die bisher nach Kämpfen die benutzten Handschuhe als Andenken bekommen haben. Wer diesmal der Glückliche sein wird? Das weiß Patrick Rokohl noch nicht. Nur eins weiß er: Es sollen Siegerhandschuhe werden.

Box-Gala „Coming Home“ mit 10 Kämpfen, Samstag, ab 18.30 Uhr, Veranstaltungszentrum Westand.

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