Futsal beim GSV – ein Vorbild für Integration

Braunschweig  In dem Team spielen Gehörlose gemeinsam mit Flüchtlingen. Die erste Saison war bereits erfolgreich. Daran wollen die Kicker anknüpfen.

Trainer David Grieger in der Sporthalle des Hoffmann-von-Fallersleben-Gymnasiums mit dem Futsal-Team.Foto: Stefan Lienert

Trainer David Grieger in der Sporthalle des Hoffmann-von-Fallersleben-Gymnasiums mit dem Futsal-Team.Foto: Stefan Lienert

Das Erfolgsgeheimnis von Futsal – für David Grieger ist das schnell erklärt: „Die Spieler gehen wegen des kleineren Spielfeldes häufiger in Zweikämpfe als beim Fußball und gewinnen dadurch auch öfter Duelle. Das steigert ihr Selbstvertrauen“, erklärt der 25-Jährige.

Grieger ist so etwas wie der Vater des Futsal-Teams des GSV Braunschweig. Im Herbst 2015 hat er es mit aufgebaut. Mittlerweile besteht der Kader aus 16 Spielern zwischen 16 und 45 Jahren. „Die meisten sind von Anfang an dabei“, sagt der Trainer. Besonders ist: Zur Mannschaft gehören Hörende, syrische und afghanische Flüchtlinge sowie Gehörlose – trotz dieser Unterschiede harmoniert das Team bestens.

Die Trainingseinheiten, die zweimal in der Woche stattfinden, verlaufen fair, über Privates tauschen sich die Kicker in der Kabine aus. Die Flüchtlinge lernen durch die Teamkollegen auch bei Mannschaftsabenden in Kino oder Bowling-Center immer besser Deutsch. Und wenn die gehörlosen Mitspieler beim Lippenlesen mal nicht mitkommen, werden die wichtigen Aussagen für sie eben aufgeschrieben.

Dieses Miteinander führte bislang zu tollen Ergebnissen, schon in der ersten Saison. In der Niedersachsenliga mit sechs Mannschaften, unter anderem dem BSC Acosta, erreichte das Team immerhin Platz vier, war punktgleich mit dem Dritten.

Erfolgreich absolvierten die Kicker zudem viele Turniere. Dazu spielten sie sich in die Herzen vieler Teilnehmer und Zuschauer, etwa in Karlsruhe, bei dem neben dem GSV noch weitere Teams mit gehörlosen Spielern antraten. „Am Abend vor dem Turnier kam ich auf die Idee, an die Jungs Ohropax auszugeben. Das hat uns viele Sympathien eingebracht. Viele sprachen von der fairsten Geste, die sie jemals erlebt haben“, sagt Grieger. Das Turnier haben die Braunschweiger gewonnen.

Vor fünf Jahren, damals lebte er noch in Berlin, kam er erstmals mit dem Hallensport in Kontakt. Er fand so großen Gefallen daran, dass er zwischen Januar und Mai 2015 einen C-Trainerschein machte. Derzeit macht er eine Ausbildung zum Erzieher, will aber im Anschluss ein Sportstudium dranhängen, am liebsten in Wolfsburg, damit er seine GSV-Kicker nicht verlassen muss.

Die Taktiktafel hat Grieger bei jedem Training dabei. „Im ersten Jahr haben wir fast nur defensiv trainiert. Seit drei, vier Monaten üben wir auch offensive Spielzüge ein.“ Von dem Preisgeld aus Karlsruhe hat sich das Team eine Videokamera zugelegt für noch bessere Analysen. Bald soll sie erstmals zum Einsatz kommen. Spätestens rechtzeitig vor der neuen Saison im Frühling mit voraussichtlich 16 Mannschaften.

Bei den Kickern kommt Griegers Art an. „Er ist sehr ehrgeizig und engagiert, glaubt an die Mannschaft und informiert uns immer perfekt über die Gegner“, lobt Torhüter Kai Vogelsang (26).

Für Hamid Moradi ist der GSV ein wichtiger Anker für seine Integration. Der 18-jährige Afghane kam im September 2015 nach Deutschland: „Das erste, was ich hier gelernt habe: Pünktlichkeit.“

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