Für dieses VfL-Talent reisten Thiam und Coppi nach Spanien

Wolfsburg.  Er heißt Anselmo Garcia MacNulty, ist 17 Jahre alt und ein echter Rohdiamant aus der Talentschmiede des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg.

Innenverteidiger mit Zukunft: Anselmo Garcia MacNulty ist mit seinen erst 17 Jahren schon außergwöhnlich abgeklärt.

Innenverteidiger mit Zukunft: Anselmo Garcia MacNulty ist mit seinen erst 17 Jahren schon außergwöhnlich abgeklärt.

Foto: Darius Simka / regios24

Für die Nachwuchsakademie des Bundesligisten VfL Wolfsburg wurden in den vergangenen Jahren immer wieder auch junge Fußballer aus dem Ausland angeworben. Eines dieser Talente drängt sich immer mehr auf – Anselmo Garcia MacNulty kam in dieser Saison mit 17 Jahren auch schon bei der U23 in der Regionalliga zum Einsatz. Seit eineinhalb Jahren spielt er für den Nachwuchs der Grün-Weißen und entwickelt sich seitdem zu einer der größten Hoffnungen in der Talentschmiede des Klubs.

Seit Juli 2019 steht der Sohn einer irischen Mutter und eines spanischen Vaters beim VfL Wolfsburg unter Vertrag. Mit 16 Jahren wagte er den Schritt von Real Betis Sevilla in seiner Heimat in die Nachwuchsakademie der Niedersachsen. Der zweite Schritt, das Einleben im neuen Umfeld, fiel dem Innenverteidiger erstaunlich leicht. „Ich war schnell Teil der Startelf, habe gut gespielt und trainiert und hatte zudem tolle Teamkollegen, die mir den Start sehr erleichtert haben“, erzählt MacNulty.

Lob für die Top-Einstellung

Henning Bürger, mittlerweile Trainer der U23, im Sommer 2019 aber noch Co-Trainer der B-Junioren, erinnert sich an die schnelle Eingewöhnungszeit: „Anselmo bringt einfach eine Top-Einstellung mit. Er ist immer gut gelaunt und geht auf die Leute zu, das hat den Einstieg extrem erleichtert“, sagt der 50-Jährige.

Dass der irische U-Nationalspieler überhaupt in Wolfsburg gelandet ist, hat viel mit den Bemühungen der Nachwuchsakademie-Leiter Pablo Thiam (Sport) und Francisco Coppi (Administration) zu tun: „Die beiden sind extra für mich nach Spanien geflogen, um mich von einem Wechsel zu überzeugen. Das hat Eindruck hinterlassen, und daher habe ich mich auch für den VfL entschieden“, erinnert sich MacNulty. „Unsere Scouting-Abteilung hatte von Anselmo eine hohe Meinung. Wenn dann spanische und englische Teams mit im Boot sind, muss man eben einiges versuchen, um so ein Talent zu bekommen“, sagt Thiam und fügt schmunzelnd hinzu: „Wir haben die Präsentation damals halb auf Spanisch, halb auf Englisch gehalten, um ihn und seine Familie irgendwie von uns zu überzeugen.“

„Neue Herausforderung“ gesucht

Zu Thiams großer Freude lohnte sich der Aufwand. „Ich war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung nach den vielen Jahren bei Betis. Die hat mir der VfL geboten, und ich bin glücklich, hier zu sein“, sagt MacNulty. Wie schnell der 17-Jährige in Wolfsburg angekommen ist, zeigt sich anhand seiner Leistungen. Der damalige U17-Trainer des VfL, Steffen Brauer, übertrug ihm die Kapitänsbinde und auf diese Weise schnell viel Verantwortung. Das in ihn gesetzte Vertrauen zahlte MacNulty umgehend mit Leistung zurück. Er wurde Abwehrchef der besten Defensive aller Staffeln der B-Junioren Bundesliga.

Die diesjährige Sommer-Vorbereitung verbrachte MacNulty dann bei der U19 der Grün-Weißen und somit bei deren neuem Coach Christian Wimmer. Der lobt: „Anselmo ist ein echter Führungsspieler mit einer unfassbaren Ruhe.“ Was in der Zusammenarbeit sehr hilft: „Christian kann Spanisch sprechen, genauso wie der Athletiktrainer der U19, das hat mich sehr gefreut“, erzählt MacNulty. Ebenso spricht er viel mit Ex-Profi Ignacio Camacho, der momentan ein Trainee-Programm beim VfL absolviert.

Kapitänsbinde als Belohnung

Folge der positiven Entwicklung: Auch bei der U19 übernahm MacNulty nun das Kapitänsamt, durfte zudem in dieser Spielzeit auch schon in der Regionalliga bei der Reserve der Wolfsburger ran. In der U23 ist er mittlerweile auch für den Rest der Saison eingeplant. Welche Stärken der Verteidiger hat, darüber sind sich beim VfL alle einig. Wimmer, Bürger und Thiam betonen besonders die für sein junges Alter ungewöhnliche Ruhe und Abgeklärtheit im Spielaufbau. „Anselmo hat ein gutes Auge und ist zuverlässig. Der Junge will den Zweikampf einfach gewinnen“, lobt U23-Coach Bürger. Akademie-Chef Thiam pflichtet ihm bei: „Er ist lernwillig und generell schon unfassbar clever und abgeklärt auf dem Feld.“ MacNulty sieht seine Stärken in der „Aggressivität“ und unterstreicht: „Ich will immer den Ball haben. Außerdem spüre ich keinen Druck mit dem Ball am Fuß.“

Doch die Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen, wie U19-Trainer Wimmer erklärt: „Anselmo ist ein echter Rohdiamant, den wir schleifen müssen. Trotz allen Talents, das er jetzt schon mitbringt.“ MacNulty sieht seine Defizite besonders im athletischen Bereich: „Ich probiere, allgemein schneller zu werden, besonders auf den ersten Metern. Zu dem will ich weiter an meinem rechten Fuß feilen.“ Ähnlich sieht es Thiam, der MacNulty ebenfalls empfiehlt, sich athletisch weiterzuentwickeln. „Daran trainiert Anselmo mehrmals in der Woche, er wird seinen Weg gehen.“

Ohne Ehrfurcht gegen Profis

Bisher wurde der Innenverteidiger behutsam aufgebaut, die großen Schritte ging er dann wie selbstverständlich. Im Training traf er mit der U23 jüngst auf die Bundesliga-Mannschaft der Wolfsburger. „Anselmo hat nahtlos da weitergemacht, wo er in den Spielen zuvor aufgehört hatte. Ihm ist der Gegenspieler egal, er zieht sein Ding durch“, erzählt Bürger.

Setzt MacNulty seinen Karriereweg so entschlossen fort, verbessert sich stetig im athletischen Bereich und erfüllt weiter die Rolle als bodenständiger Leader, könnte Wolfsburgs Rohdiamant mittelfristig auch in der Bundesliga glänzen.

Weiterführendes Interview:

Herr MacNulty, Sie hatten die Vorbereitung bei den A-Junioren absolviert und konnten auch schon einige Einsätze in der Regionalliga bei der U23 des VfL Wolfsburg verbuchen. Bei welcher Mannschaft sind Sie in dieser Spielzeit hauptsächlich eingeplant?

Aufgrund einiger Verletzungsausfälle wurde ich aus der U19 hochgezogen und durfte dort auch schon mehrmals in der Startelf stehen. Momentan trainiere ich mit der U23 und bin dort auch bei den Spielen eingeplant. Spielt die Reserve mal nicht, kann ich Spielpraxis bei den A-Junioren sammeln.

Fällt Ihnen das Wechseln zwischen den Teams schwer? Schließlich spielen Sie in der U19 gegen Gleichaltrige und treffen in der U23 auf Männermannschaften?

Es ist schon nicht einfach. Bei der U23 haben die Gegenspieler selbstverständlich deutlich mehr Erfahrung und sind physisch eindeutig weiter. Ich glaube aber, dass ich bisher einen guten Job gemacht habe.

Wir haben nun wieder einen Lockdown light. Leben Sie während dieser Zeit in der Akademie, oder geht es für Sie nun wieder für eine Weile zur Familie nach Spanien?

Sobald man in die U19 rückt, zieht man aus der Akademie in eine vom Verein betreute Wohngemeinschaft. Ich lebe seit diesem Sommer somit nicht mehr in der Akademie, sondern habe eine eigene WG, zusammen mit Emmanuel Patut. Von März bis Sommer dieses Jahres war ich zwar in Spanien bei meiner Familie, das ist im Moment aber keine Option, da ich derzeit regelmäßig mit der U23 trainieren kann.

Junge Spieler haben im Verein oft ein Vorbild, von dem sie sich Tipps holen oder Sachen abschauen. Haben Sie so jemandem beim VfL?

Wir haben neulich im Training gegen die Bundesliga-Mannschaft gespielt. Marin Pongracic hat dort viel mit mir gesprochen und mir seine Hilfe angeboten. Er ist sehr ruhig mit dem Ball und im Abwehrverhalten sehr konsequent und stark.

Deutsch-Stunden stehen bei Ihnen seit Ihrer Ankunft auf dem Programm. Wie gut sprechen Sie die Sprache schon?

Ich kann immer mehr verstehen, wenn Leute mit mir Deutsch reden. Selber Deutsch zu sprechen, fällt mir eindeutig schwerer. Die Sprache unterscheidet sich sehr vom Spanischen, aber ich gebe mein Bestes (lacht).

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