Löwen rechnen vorerst ohne Fans, brauchen sie aber umso mehr

Braunschweig.  Braunschweigs Basketballer wollen Sonntag wieder trainieren. Geschäftsführer Mittmann sieht Profiligen nächste Saison mehr in Schwierigkeiten.

Löwen-Geschäftsführer Nils Mittmann wünscht sich auch für die Sponsorenpflege im Frühjahr unbedingt noch Fans in der Halle.

Löwen-Geschäftsführer Nils Mittmann wünscht sich auch für die Sponsorenpflege im Frühjahr unbedingt noch Fans in der Halle.

Foto: Peter Sierigk

Endlich wieder rennen, dribbeln, werfen dürfen. Braunschweigs Basketballer fiebern am Wochenende dem Start aus ihrer Corona-Quarantäne entgegen. Läuft alles nach Plan, werden Trainer Pete Strobl und sein Team am Sonntag in aller Frühe Abstriche abgegeben, die in einem Labor in Hannover per PCR-Schnelltest untersucht werden. Sind die Löwen negativ, wovon sie aufgrund der Isolation fest ausgehen, soll umgehend am Mittag das erste Training starten.

Basketball Löwen Braunschweig haben wenig Zeit bis zum nächsten Spiel

„Es kommt auf jeden Tag, auf jede Einheit an“, betont Sportchef Nils Mittmann. Die Trainer müssen es nach den zehn Tagen Quarantäne, die eigentlich zwei Wochen Pause waren, unterbrochen nur durch ein Training und eine vergebliche Fahrt nach Berlin, langsam angehen lassen und ihre Schützlinge allmählich wieder an die Belastung heranführen. Andererseits gilt es, innerhalb weniger Tage spielfit zu werden. Denn schon am Donnerstag steht das erste Nachholspiel an, gegen den MBC aus Weißenfels, der auf einen frühestmöglichen Termin gedrängt hatte.

Und auch für die anderen vier durch positive Corona-Tests bei zwei Löwen-Profis ausgefallenen Spiele gibt es inzwischen Nachholtermine an Wochentagen. Für die Braunschweiger bedeutet dies, dass sie ab dem MBC-Spiel bis zur Nationalmannschaftspause Mitte Februar nur noch Englische Wochen haben. Eine extrem hohe Belastung, für die eine Mannschaft, die aus dem „Homeoffice“ kommt, nicht gerade gut vorbereitet sein wird. Da halfen alle Bemühungen, mit Gewichten und Cardiogeräten aus den Spielerwohnungen kleine Fitnessstudios zu machen, auch nur bedingt weiter. „Das wird happig, aber wir freuen uns, dass wir endlich wieder loslegen können“, sagt Mittmann.

Corona: Lockdown-Verlängerung stürzt Profiligen in noch größere Probleme

Der Geschäftsführer musste neben der Quarantäne-Anordnung in den ersten Januar-Tagen noch einen anderen Tiefschlag verkraften. Denn mit der Verschärfung der Pandemie-Lage und der Verlängerung des Lockdowns mussten die Basketballer - wie alle anderen Profiligen - ihre Hoffnungen auf eine baldige Rückkehr von Fans in die Arenen erst einmal begraben.

Im Sommer hatte man bei den Löwen noch gehofft, 2000 Zuschauer unter strengen Hygienemaßnahmen in die VW-Halle lassen zu dürfen, später nach der bundesweit abgestimmten 20-Prozent-Regel wenigstens 1300. „Inzwischen planen wir betriebswirtschaftlich ganz ohne Fans“, berichtet Mittmann. „Denn das ist ja leider eine sehr wahrscheinliche Konstellation, und es wurde uns von der Liga auch nochmal so nahegelegt.“

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  • Dazu müssen die Löwen im Blick auf die Finanzierung der laufenden Saison nicht groß umdenken. Von Anfang an war eine Variante ohne Fans als Plan B in der Hinterhand. „Und selbst wenn wir noch für ein paar Spiele 2000 Besucher reinlassen dürften, würde das finanziell kurzfristig keinen großen Unterschied mehr machen, weil die Einnahmen von den Hallenkosten aufgefressen würden“, erläutert der Geschäftsführer.

    "Der Wert von Zuschauern ist unermesslich"

    Im Blick auf alle weiteren Folgen jedoch würde es einen Riesenunterschied geben. „Der Wert von Zuschauern ist unermesslich. Darum geht es im Sport doch, die Leute zu begeistern“, betont Mittmann. „Und so hoffen wir natürlich inständig, dass die Fans noch diese Saison zurückkehren dürfen.“

    Und finanziell sei das schließlich auch überlebenswichtig – nicht mehr für diese, aber im Blick auf die nächste Spielzeit und die Zukunft. „Die kommende Saison wird für viele Profiklubs in allen Ligen noch viel kritischer als diese“, mutmaßt Mittmann. Aktuell profitieren die Löwen, wie viele andere Teams, noch von bestehenden Sponsorenverträgen. Nach der ersten Coronawelle gab es im Sommer schon wieder eine gewisse Aufbruchstimmung. Die Klubs durften vorsichtig mit Zuschauern rechnen, ihre Werbepartner waren guter Dinge, dass es wieder aufwärts geht und hielten erstmal zur Stange.

    Löwen-Geschäftsführer: Gefahr, dass wir an Relevanz verlieren

    Doch die Sponsorenverträge laufen irgendwann aus und müssen dann unter neuen Voraussetzungen neu verhandelt werden, die beide Seiten aber noch gar nicht kennen. „Es ist eine sehr herausfordernde Situation“, stöhnt der Löwen-Geschäftsführer und fürchtet, dass sich die Menschen mit jeder zusätzlichen Lockdown-Woche umorientieren könnten. „Sie waren jetzt schon so lange nicht mehr in der Halle und entwickeln vielleicht andere Interessen, angefangen beim Breitensport – ich sehe die große Gefahr, dass wir an Relevanz verlieren.“

    Bei den vieljährigen Werbepartnern gebe es eine gewisse Loyalität, das spüre er zum Glück in vielen Gesprächen. „Aber die Wahrheit ist auch, dass wir uns momentan sehr schwer tun, die versprochenen Mehrwerte anzubieten“, verdeutlicht Mittmann das Problem der Geisterspiele. „Die Plattform der Spiele fehlt uns komplett.“

    Sponsoren müssen Begeisterung in der Halle erleben

    Dabei gehe es weniger um die Werbebanden, die derzeit – zum Glück mit steigenden Quoten - nur im Fernsehen gesehen werden, nicht aber von Zuschauern in der Halle. Vielen Partnern seien bei ihrem Engagement die Netzwerke viel wichtiger, die Kontakte im Vip-Raum am Rande der Spiele oder das gemeinsame Spielerlebnis zusammen mit Kunden. „Das ist ein zentraler Kern unserer Vermarktungsstrategie, und den können wir derzeit nicht anbieten“, räumt Mittmann ein. Gerade um neue Sponsoren gewinnen zu können, sei das Erleben vor Ort ganz wesentlich, nur dort könnten sie Begeisterung für den Sport entwickeln.

    Und so hoffen Mittmann und mit ihm sicherlich all seine Kollegen aus den Profiligen, dass die Arenen im Frühjahr doch nochmal fürs Publikum geöffnet werden können. Und die Spieler sehnen dies natürlich sowieso herbei. Auch wenn sie es durch die nächsten englischen Wochen erstmal ohne Unterstützung von den Rängen schaffen müssen.

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