Die Odyssee der Basketball-Löwen über Berlin in die Quarantäne

Braunschweig.  Gesundheitsamt holt Braunschweigs Basketballer zurück. Weil der Corona-Fall isoliert war, hoffen sie, Ende nächster Woche trainieren zu dürfen.

In der Berliner Arena am Ostbahnhof warfen sich die Alba-Spieler schon fürs Pokalduell warm, und der Videowürfel wurde mit den Spielernamen der Braunschweiger gefüllt, als die Absage der Braunschweiger kam.

In der Berliner Arena am Ostbahnhof warfen sich die Alba-Spieler schon fürs Pokalduell warm, und der Videowürfel wurde mit den Spielernamen der Braunschweiger gefüllt, als die Absage der Braunschweiger kam.

Foto: Imago

Das neue Jahr hat für Braunschweigs Basketballer nicht wie gedacht mit Freude oder Frust nach einem Pokalspiel bei Alba Berlin begonnen, sondern mit einem bösen Erwachen in der Quarantäne. Ihre Odyssee am Silvestertag werden sie so schnell nicht vergessen. „Du sitzt im Bus, fährst drei Stunden Richtung Halle, dann drehst du um und fährst drei Stunden zurück“, schildert Löwen-Trainer Pete Strobl. „Berlin haben wir nur aus dem Fenster gesehen.“

Denn den Löwen-Tross erreichte eine Quarantäne-Anordnung des Braunschweiger Gesundheitsamts kurz bevor er sein Ziel erreichte. Die Spieler des Gastgebers Alba Berlin standen zu diesem Zeitpunkt schon in der Arena um sich aufzuwärmen, auf dem Videowürfel leuchteten bereits die ersten Namen der mutmaßlichen Braunschweiger Aufstellung. Doch kurzfristig musste die BBL das Pokalspiel absetzen, in dem es um den Einzug ins Top-Four-Turnier und stattliche Prämien gegangen wäre.

Löwen-Profi erst negativ, dann zum zweiten Mal positiv getestet

Vorausgegangen war ein positiver Coronatest in Braunschweig, der nun alle beteiligten Seiten etwas schlecht dastehen lässt, obwohl sie eigentlich regelgerecht gehandelt haben und nichts dafür können. Denn es war ein Kontrolltest des ursprünglich bereits am Montag positiv getesteten Löwen-Profis.

Mehr zum Thema:

Am Dienstag war dieser Spieler wie alle anderen Braunschweiger Akteure negativ getestet worden, so dass Labor, Löwen und Gesundheitsamt davon ausgingen, dass der erste Test wohl falsch-positiv gewesen sei. Das Gesundheitsamt hob die ab Montag mündlich verhängte Quarantäne auf, bei den Löwen herrschte große Erleichterung. Ein Schnelltest vom Mittwochmorgen war ebenfalls negativ, aber der auf Anraten des Labors genommene dritte PCR-Test am Nachmittag war dann erneut positiv.

Der betroffene Spieler, dessen Namen die Löwen vorerst nicht nennen wollen, weilt seit Montagnachmittag in der Isolation und hatte keinen Kontakt mit dem Team von Pete Strobl. Denn die Löwen waren vorsichtig und wollten den Kontrolltest abwarten, ehe sie ihn wieder am Training teilnehmen lassen.

Basketball Löwen Braunschweig planen weiteren Test vor dem Pokalspiel

Das positive Ergebnis dieses Tests erhielt Geschäftsführer Nils Mittmann kurz vor Mitternacht am Mittwoch und informierte die Basketball Bundesliga und das Gesundheitsamt per Mail. Zudem teilte er der Braunschweiger Behörde, wie er berichtete, das geplante Vorgehen der Löwen für Silvester mit.

Am Morgen gaben die Spieler und Trainer erneute Abstriche ab, die mit PCR-Tests analysiert werden sollten, während das Team im Bus nach Berlin fuhr. Vom Gesundheitsamt hatten die Braunschweiger bis dahin nichts gehört, und bei Nichtantreten wäre die Partie am grünen Tisch verloren gegangen. Natürlich habe man irgendwie geahnt, dass das Spiel wegen des Positivtests noch ausfallen könnte, räumt Pete Strobl ein. „Aber wir haben gehofft. Alle im Bus waren ja immer negativ, und wir waren bereit zu spielen.“

Zur Odyssee der Basketball Löwen zählt auch eine Irrfahrt Richtung Hannover

Doch gegen zwölf Uhr meldete sich ihr Team-Hygieniker Christoph Lassahn mit der Order des Braunschweiger Gesundheitsamts, sofort umzukehren. Zu diesem Zeitpunkt stand die Mannschaft kurz davor, im Berliner Westen das Labor des BBL-Hygieneexperten Florian Kainzinger zu erreichen.

Denn zur Odyssee der Löwen an diesem Silvester-Tag gehört als Randgeschichte auch noch die Irrfahrt von Geschäftsführer Nils Mittmann am Morgen mit den frischen Abstrich-Proben seiner Spieler Richtung Hannover. Sie sollten dort im Labor Lassahns in einem Schnellverfahren analysiert werden. Doch das klappte nicht, weil die Probenröhrchen nicht mit der dortigen Maschine kompatibel waren, so dass Plan B greifen sollte: Die Löwen wollten sich auf dem Weg in die Halle in Kainzingers Labor testen lassen, wo ebenfalls ein PCR-Schnelltest-Gerät verfügbar ist.

Dazu kam es dann auch nicht mehr, so dass die Spieler sich nach der Rückkehr nach Braunschweig hier noch einmal testen ließen, bevor es für die nächsten Tage heim in die Quarantäne ging. „Wir wollen Gewissheit, dass nicht doch noch eine Infektion vorliegt“, sagt Mittmann und erwartet die Ergebnisse spätestens Samstagfrüh.

Sportchef Nils Mittmann will Spinningräder zu den Profis bringen lassen

Die Mannschaft hat sich derweil notgedrungen auf die neue Situation eingestellt. Schriftlich lag bis Neujahr noch nichts vor, aber der Geschäftsführer geht davon aus, dass die zwei Wochen Quarantäne ab dem ersten Positivtest am Montag zählen und sich das restliche Team nach neun oder zehn Tagen „frei testen“ kann. Das würde bedeuten, dass die Löwen Ende nächster Woche wieder trainieren könnten. Die BBL hat vorerst nur ihre Partien am Sonntag in Chemnitz und Dienstag gegen München abgesetzt, aber noch nicht das Gastspiel in Weißenfels am 9. Januar.

„Den ganzen Rückweg haben wir überlegt, wie wir die Quarantäne am besten gestalten können“, berichtet Strobl vom zweiten Teil der Busreise. Mittmann verhandelte mit den Verantwortlichen des Partnerstudios Fitnessland, um den Spielern möglichst ein paar Geräte wie Kettlebells und Spinningräder in die Wohnungen bringen zu können. „Die Jungs müssen auch Cardiotraining machen können“, sagt der Sportchef. „Den Fitnesszustand halbwegs halten zu können, ist für die Gesundheit sehr wichtig.“

Löwen-Trainer Pete Strobl: "Leider spielen wir nicht nach Fußballregeln.“

Nach der Quarantäne wartet ein hartes Programm, weil in den ohnehin vollen Kalender die vier oder fünf Nachholpartien eingefügt werden müssen. „Das wird ein Spielplan wie in der NBA oder Euroleague“, ahnt Strobl und wünscht sich wenigstens ein paar Tage Luft zwischen dem ersten Training und der ersten Spielansetzung des neuen Jahres. „Sonst wäre die Gefahr von Verletzungen sehr groß“, unkt der Trainer. „Basketball ist ein sehr tougher Sport, das Training kann man nicht mit hundert Liegestützen zu Hause nachahmen.“

Man akzeptiere selbstverständlich die Entscheidungen des Gesundheitsamts, betont der Coach. Aber ein komisches Gefühl sei es schon, wenn die Berliner Basketballer trotz der Corona-Infektion ihres Trainers oder die Bundesliga-Fußballer auch bei mehreren Positivtests wie in Wolfsburg weiterspielen dürften, und seine „in hundert Tests“ immer negativen Profis zu Hause in Quarantäne hocken müssten. „Wir hätten in Berlin eigentlich spielen können“, findet Strobl. „Aber leider spielen wir nicht nach Fußballregeln.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder