Die neuen Löwen: Wenn’s klappt, wird’s ein Märchen

Braunschweig.  Braunschweigs Basketballer starten mit dem ungewöhnlichsten Team ihrer 30-jährigen Bundesliga-Geschichte. Setzen sie neue Maßstäbe in der BBL?

Lukas Meisner spricht, die US-Profis James Robinson und Bryon Allen (v.l.) hören zu. Die neuen Löwen schicken ein außergewöhnliches Team in die BBL-Saison. Sonntag geht’s vor leeren Rängen in der VW-Halle gegen Oldenburg.

Lukas Meisner spricht, die US-Profis James Robinson und Bryon Allen (v.l.) hören zu. Die neuen Löwen schicken ein außergewöhnliches Team in die BBL-Saison. Sonntag geht’s vor leeren Rängen in der VW-Halle gegen Oldenburg.

Foto: imago images/Eibner

Wenn am Sonntag in Braunschweig mit dem Geisterspiel gegen Oldenburg die Erstliga-Punktspielsaison beginnt, läuft das ungewöhnlichste Team in der 30-jährigen Bundesligageschichte des Basketballstandorts auf - eine Mannschaft mit einem klaren Alleinstellungsmerkmal in der BBL.

Nur drei statt sechs Ausländer

Das besteht auch darin, dass in Dennis Schröder ein NBA-Profi als Alleingesellschafter die Richtung bestimmt. Vor allem aber heben sich die Löwen dadurch ab und dürften Aufmerksamkeit erregen, dass sie versuchen, mit nur drei statt der üblichen sechs ausländischen Profis erfolgreich zu sein und die Entwicklung ihrer deutschen Profis in den Vordergrund stellen.

Kern aus acht guten Deutschen

Zu den aus der Vorsaison bekannten Gesichtern Karim Jallow, Kostja Mushidi, Lukas Wank und Garai Zeeb kamen drei weitere schon gestandene BBL-Profis hinzu: Heimkehrer Lukas Meisner aus Bayreuth, Center Gavin Schilling aus Ulm und Rückkehrer Bazou Koné. Dazu der 18-jährige Luc van Slooten aus Vechta als europäisches Toptalent – macht einen Mannschaftskern aus acht soliden bis sehr guten einheimischen Profis, die alle von Trainer Pete Strobl feste Rollen bekommen sollen.

Schröder will Entwicklung sehen

Löwen-Boss Dennis Schröder betont, es habe in dieser Saison klare Priorität, dass sich die deutschen Akteure zu Leistungsträgern entwickeln. Eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr will er sehen, die Identifikation mit dem Team in der Stadt soll steigen, die Marke wachsen. Das Erreichen der Play-offs hingegen sei noch kein explizites Ziel.

Eatherton und Klepeisz: Schmerz kleiner

Was die ausländischen Profis betrifft, wird man im Saisonverlauf sicherlich das eine oder andere Mal noch dem Duo Scott Eatherton/Tommy Klepeisz nachweinen. Doch mit der neuen Ausrichtung auf die deutschen Spieler ist auch gewährleistet, dass der Schmerz, diese tragende Top-Achse verloren zu haben, vielleicht nicht ganz so groß ausfällt, als wenn eins zu eins Importspieler geholt worden wären, die dem Vergleich nicht standgehalten hätten.

Das Team ist der Star

So spielt beispielweise statt Dominator Eatherton jetzt der 24-jährige Gavin Schilling unter dem Korb, der sich mit seiner Athletik und seinem Kämpferherz noch vieles erarbeiten wird. Und der tschechische Nationalspieler Martin Peterka muss sich dahinter einreihen. Bei den neuen Löwen ist das Team der Star und wird die Aufgaben noch kollektiver lösen und gemeinschaftlich viel Verantwortung übernehmen.

Nationalspieler als Kapitäne

Folgerichtig gibt es auch zwei deutsche Kapitäne. Pete Strobls Musterschüler Karim Jallow, an dessen fulminanter Entwicklung in der Vorsaison sich alle orientieren sollen, geht zusammen mit Lukas Meisner, dem Braunschweiger Jung‘, voran. Beide sind gerade ins Nationalmannschaftsaufgebot für die EM-Qualifikation Ende November berufen worden. Beide verkörpern Kampfgeist, Siegeswillen und ein Teamverständnis, das die vielen hilfreichen kleinen Dinge auf dem Feld für wichtiger hält als eine tolle individuelle Statistik.

Allen soll Löwen tragen

Wer einen US-Star sehen möchte, kommt aber auch nicht zu kurz. Der Ex-Oldenburger Bryon Allen hat in den beiden Pokalspielen der Löwen auf Anhieb gezeigt, dass er mit seinen individuellen Fähigkeiten herausragt – nicht nur aus dem Braunschweiger Team. Mit 28 Jahren ist er der älteste Akteur in der Mannschaft, findet diese Tatsache „lustig“ und steht bereit, eines der jüngsten Teams der Liga zu schultern.

Bei den Guards nicht schlechter

Seinen Partner in der Schaltzentrale, Spielmacher James Robinson, kennt er schon lange, beide stammen aus Maryland. Der Ex-Bayreuther Robinson ist ein sehr uneigennützig agierender Lenker, weiß aber genau, wann er das Geschehen auch mal an sich reißen muss. Auf den Guard-Positionen haben sich die Löwen mit Allen und Robinson gegenüber Releford und Klepeisz wohl nicht verschlechtert.

Strobl: „Uns fehlt Erfahrung“

„Ich bin begeistert von meinem Team“, fasst Trainer Pete Strobl seine Ausgangslage zum Saisonstart zusammen. „Uns fehlt ein bisschen Erfahrung, aber wir wollen uns von Woche zu Woche verbessern.“ Was möglich ist, wenn alle Akteure einen guten Tag erwischen, zeigte der Pokalsieg gegen die favorisierten Oldenburger, die nun im Punktspiel auf Wiedergutmachung sinnen. Dass das Gefüge aber noch nicht stabil, sondern recht schwankend sein dürfte, bewies dann die Niederlage gegen Bonn.

Ohne Nachverpflichtungen?

Sollte dieses Braunschweiger Team ohne große Nachverpflichtungen in der ansonsten ausländerdominierten Liga eine halbwegs erfolgreiche Rolle spielen können, wäre das sicherlich eines der schönsten Märchen der neuen Spielzeit.


Der Gegner

Die Baskets Oldenburg sind im Pokal bereits ausgeschieden und treten international diesmal nicht an. Also konzentriert sich das Starensemble um den 38-Jährigen Rickey Paulding und Center Rasid Malhabasic nun auf den Titelkampf. Die Oldenburger gelten als bestbesetztes BBL-Team hinter Berlin und München und stehen bei der Pokalrevanche gegen die Löwen unter einem gewissen Wiedergutmachungsdruck. Erster Schritt war ein Testspielsieg gegen Hamburg am Vorsonntag.

Drei BBL-Spiele des ersten Punktspielwochenendes sind coronabedingt abgesetzt worden. Die Bayreuther, die zwei Positivfälle hatten, hätten direkt aus ihrer abgelaufenen 14-tägigen Quarantäne ohne Training zum Spiel gegen Bonn antreten müssen und hatten mit ihrem Verlegungswunsch Erfolg. Aufsteiger Chemnitz wollte ohne drei infizierte Spieler in Crailsheim antreten, doch das Gesundheitsamt steckte nun am Freitag nachträglich auch alle anderen Profis in Quarantäne. Zu Hause befindet sich ebenfalls das gesamte Team der Gießen 46ers nach einem Positivtest.

Braunschweig – Oldenburg, Sonntag, 15 Uhr, VW-Halle ohne Zuschauer. Live auf Magentasport. Alle Löwen-Profis sind einsatzbereit.

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