Löwen liefern Offensivspektakel zum Mitfeiern

Braunschweig.  Braunschweigs Basketballer spielen mit viel Spaß und Energie, lassen dem MBC beim 102:88 (58:37) keine Chance und sind Fünfter.

Riesenfreude bei den ehemaligen Weißenfelsern: Aleksandar Marelja herzt Trevor Releford nach dem Start-Ziel-Sieg der Löwen gegen den MBC.

Riesenfreude bei den ehemaligen Weißenfelsern: Aleksandar Marelja herzt Trevor Releford nach dem Start-Ziel-Sieg der Löwen gegen den MBC.

Foto: Florian Kleinschmidt / Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Riesenfreude ja, aber große Jubelarien nach Spielschluss gab es am Sonntag nicht zu sehen in der VW-Halle. Klar, dazu war der Start-Ziel-Sieg der Löwen viel zu souverän und jederzeit ungefährdet gewesen. Aleksandar Marelja allerdings zeigte mit Trevor Releford doch ein bisschen mehr Emotionen. Der Center packte den Spielmacher, knuddelte ihn und hob ihn hoch.

Den beiden ehemaligen Weißenfelsern bedeutete der 102:88 (58:37)-Sieg viel, weil er gegen ihren Ex-Klub gelungen war. „Wir haben heute gegen einige Freunde gespielt, das war etwas Besonderes“, sagte Marelja. „Und, ganz ehrlich: Ich wollte unbedingt gewinnen!“ Und so habe man den Gästen von Beginn an mit enormer Aggressivität demonstriert, wer die Heimmannschaft ist.

Zur Hilfe kam Braunschweigs Basketballern bei ihrem zweiten Heimsieg die herausragende Stimmung von den nahezu ausverkauften Rängen. „Und das bei einem 15-Uhr-Spiel, da hätte ich nicht so viele Leute erwartet“, staunte Marelja.

Mehr als in den Jahren zuvor gehen die Fans mit, feuern die Löwen durchgängig an und pfeifen Schiedsrichter und Gegner aus, wenn sie Ungerechtigkeiten gegen ihr Team wittern. „Wir brauchen diese Unterstützung“, betonte Marelja, und Trainer Pete Strobl bedankte sich: „Die Fans werden jedes Mal ein bisschen lauter.“

Die toten Momente, in denen das Publikum abwartend guckt und bei Fehlern missfallend stöhnt, gibt es momentan nicht in der VW-Halle. Was wohl auch an der mitreißenden Spielweise des Teams liegt. Von der ersten Sekunde an legten die Löwen höchst entschlossen los und überrollten ihre Gäste, denen Regisseur Andrew Warren verletzt fehlte. Der MBC konnte dem Defensivdruck weder genügend Athletik noch Treffsicherheit entgegensetzen.

Und seine abwartende Zonenverteidigung lud die Braunschweiger geradezu zum Dreierwerfen ein. Als Trainer Wojciech Kaminski dies nach fünf Minuten änderte, führten die Löwen schon zweistellig. Sie hatten sich selbst und die Fans in einen Rausch kombiniert und ihr Selbstvertrauen richtig aufgepumpt. Scott Eatherton brachte sein Team 21:7 (6.) in Führung.

„Das macht für einen Trainer immer viel Spaß, wenn die Jungs so spielen, wie man es wollte“, freute sich Strobl. Nach dem verpatzten Auftakt bei der Niederlage in München hatte er seine Schützlinge darauf eingeschworen, hellwach und mit einer Extraportion Energie loszulegen. „Und so müssen wir jetzt jedes Mal starten“, forderte er.

Kurz nach Beginn des zweiten Viertels zogen die Braunschweiger schon um 20 Punkte weg (36:16, 11.) und strahlten selbst bei der harten Abwehrarbeit riesige Spielfreude und Spaß aus.

Die Gäste überließen den Löwen in dieser Phase die Rebounds nahezu kampflos und trafen nur ein Drittel ihrer Würfe. Die Braunschweiger hingegen ließen nicht locker und gewannen gefühlt alle der so genannten „Hustle Plays“. Das sind die Szenen, in denen der Ball unkontrolliert übers Feld rollt oder halb im Aus ist und sich Spieler beider Seiten hinhechten, um ihn zu erobern.

Die Partie war schon in der ersten Hälfte so gut wie entschieden. Und wenn die Gäste in der Halbzeit von einer erfolgreichen Aufholjagd träumten – da zogen die Löwen ihnen gleich den Zahn. Kostja Mushidi erhöhte mit dem 69:41 die Führung auf 28 Punkte.

Schon zum Ende des dritten Viertels war angesichts ihrer Dominanz bei den Löwen ein kleiner Spannungsabfall in der Defensive zu spüren. Im Schlussabschnitt wurde der dann noch offensichtlicher. Allerdings wechselte Strobl seine Akteure nun auch munter durch, groß gegen klein und umgekehrt, so als wolle er auch damit nochmal demonstrieren, dass man seinem Team nichts anhaben könne – egal wer wo spielt.

Letztlich gefiel es ihm aber nicht, dass die Weißenfelser im vierten Durchgang gegen den nachlassenden Druck noch 31 Punkte machten. Erst nach einer sehr langen Kabinenansprache entließ er seine Spieler in die Freizeit. Er sei mit dem Ende nicht zufrieden gewesen, begründete Strobl: „Ich bin gierig, und das sollen sie auch sein.“

Nach einem freien Wochenende geht es gegen Gießen und in Bayreuth weiter. Auf dem Papier gute Gelegenheiten für die Löwen, ihren Punktehunger weiter zu stillen und sich erstmal in der erweiterten BBL-Spitzengruppe festzusetzen.

Eatherton 20 (64%, 9 Rebounds), Lawson 15 (50%, ⅔2/3 Dreier, 7/7Freiwürfe, 3 Vorlagen), Jallow 13 (60%), Mushidi 13 (42%, ⅙ Dreier, 4 Rebounds, 4 Vorlagen), Releford 11 (63%, 8 Vorlagen, 4 Rebounds, 2 Ballgewinne), Marelja 8 (67%, 5 Rebounds), Wank 7 (75%, 3 Vorlagen), Pwono 7 (3 Ballgewinne), Klepeisz 5 (25%, 1/7 Dreier, 4 Vorlagen), Lagerpusch 3, Zeeb (4 Vorlagen, 2 Ballgewinne), Göttsche.

5. Foul: Releford (34.), Wank (38.)

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder