„Halle war am Beben“ – Löwen bleiben auch gegen Ulm unbezwingbar

Braunschweig.  Das Heimdebüt der Braunschweiger Basketballer gelingt mit viel Verteidigungsenergie und unberechenbarer Offensivkraft

Karim Jallow zieht unaufhaltsam zum Korb. Auf diese Weise holte der Nationalspieler zwölf Freiwürfe heraus und brachte die Löwen mit 13 Punkten in Hälfte zwei in die Siegspur.

Karim Jallow zieht unaufhaltsam zum Korb. Auf diese Weise holte der Nationalspieler zwölf Freiwürfe heraus und brachte die Löwen mit 13 Punkten in Hälfte zwei in die Siegspur.

Foto: Florian Kleinschmidt / Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Das kleine Feuerwerk, das am Samstagabend neben der VW-Halle in den Himmel knallte, war eine nette Abrundung der Ereignisse in der Arena. Dort hatten Braunschweigs Basketballer zuvor mit einem 94:88 (43:46)-Sieg gegen die hoch eingeschätzten Ulmer erstmals ihr Heimpublikum verzückt und sich von der stimmungsvollen Kulisse im ausverkauften Rund auch selbst berauschen lassen. „Das hat uns viel geholfen, dass die Halle so am Beben war“, freute sich Nationalspieler Karim Jallow. „Ich war positiv überrascht, wir haben auf jeden Fall gemerkt, dass wir zu Hause spielen.“

Auch Bundestrainer Henrik Rödl hatte auf der Tribüne seine Freude. Denn die packende Schlussphase dieser stets engen Partie wurde wesentlich von drei seiner Nationalmannschafts-Schützlinge gestaltet. Es war Jallow, der die Löwen antrieb und mit 13 Punkten in der zweiten Hälfte auf Siegkurs führte. Auf Ulmer Seite hielt WM-Teilnehmer Andreas Obst in ähnlicher Manier dagegen und brachte seine Farben nach zweistelliger Braunschweiger Führung 33 Sekunden vor Schluss mit seinen Punkten 19 und 20 wieder auf 87:86 heran.

Und dann kam Löwen-Youngster Kostja Mushidi und versenkte als Matchwinner eiskalt seinen Dreier zur 90:86-Vorentscheidung zehn Sekunden vor Schluss. „Das war ein guter Tag für die Jungs“, lobte Rödl. „Alle drei haben toll verteidigt, vorne Verantwortung übernommen und den Trainern das Vertrauen zurückgegeben – und dass Kostja dann noch den Siegtreffer macht, war das i-Tüpfelchen.“

Nach seinem Treffer musste Ulm taktisch foulen, doch Thomas Klepeisz und Trevor Releford fuhren den Triumph an der Freiwurflinie ein. Damit bleiben die Löwen auch im dritten Pflichtspiel ungeschlagen. Sie verdienten sich den Erfolg durch ihre nie erlahmende Energie und ihren wie versprochen leidenschaftlichen Kampf um jeden Ballbesitz.

15 Würfe mehr

Sie schafften es, sich gegen den bislang besten Gegner der Saison erneut zu steigern. Zwar traf das Team von außen längst nicht so gut wie in Göttingen und Ludwigsburg, dafür eroberte es 13 Offensivrebounds und leistete sich nur 14 Ballverluste, während die Gäste gegen den Verteidigungsdruck der Löwen 20-mal das Spielgerät hergaben. Die Folge: Die Löwen bekamen 15 Feldwürfe mehr als Ulm.

„Gegen die Aggressivität und Aktivität der Braunschweiger haben wir die Kontrolle verloren“, erläuterte Ulms Coach Jako Lakovic die Geschehnisse im dritten Viertel. Da übernahmen die Löwen, nach einem Rückstand von der 7. bis zur 24. Minute, der maximal zehn Punkte betrug (21:31), die Herrschaft auf dem Feld, während die Gäste, unter der Woche noch im Eurocup aktiv, mental müde wirkten.

Mit überfallartigem Verteidigungsdruck hatten die Löwen Erfolg und setzten sich um fünf Zähler ab. Doch noch ließ sich Ulm nicht abschütteln. Das passierte allerdings im Schlussviertel. Mushidi erzielte nach einem Ballgewinn von Trevor Releford per Dunking zum 79:66 (34.) die höchste Führung.

Doch die Süddeutschen fighteten nochmal zurück. Nervenflattern bei den Löwen? Denkste! Erst war es Spielmacher Releford, der das Aufbäumen der Gäste (82:80) mit einem Dreier zum 87:80 beantwortete. Dann waren wieder die Ulmer dran, dann Mushidi. Die Fans tobten begeistert, der Schlagabtausch hatte hohen Unterhaltungswert.

Klepeisz: „Jeder trägt was bei“

Und auch wenn am Ende vor allem Jallow und Mushidi mit ihrem Sturm und Drang die Herzen der Fans eroberten, war der Sieg erneut Resultat einer ganz starke Teamleistung der Löwen. Es ist ihre Unberechenbarkeit und Kadertiefe, die es den Gegnern momentan offensichtlich zu schwer macht, sie zu packen.

„Jeder bringt Energie, jeder trägt was bei, was uns hilft“, frohlockte Kapitän Klepeisz. Neben Center Scott Eatherton, für den ein Double-Double ja fast schon Standard ist, schaffte dies auch Releford. Dazu punkteten Klepeisz, Jallow, Mushidi und Joe Lawson ebenfalls zweistellig.

„Wir haben heute gelernt, dass wir sogar gewinnen können, wenn wir nicht gut von außen treffen“, sagte Trainer Pete Strobl nach den Triumph gegen seinen Ex-Klub zufrieden. „Wichtig ist, dass wir am Boden bleiben und weiter arbeiten.“

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