Für Löwen-Coach Pete Strobl ist jeder Tag großartig

Braunschweig.  Der neue Trainer der Braunschweiger Basketballer startet am Mittwoch mit dem neuformierten Team euphorisch in die BBL-Vorbereitung.

Optimistisches Trainerteam: Pete Strobl (Mitte) und seine spanischen Assistenten David Gomez (links) und Alvaro de Pedro versammeln die Löwen-Profis am Mittwoch zum ersten Teamtraining.

Optimistisches Trainerteam: Pete Strobl (Mitte) und seine spanischen Assistenten David Gomez (links) und Alvaro de Pedro versammeln die Löwen-Profis am Mittwoch zum ersten Teamtraining.

Foto: Ute Berndt

„Ich konnte kaum erwarten, dass es losgeht“, sagt Pete Strobl. Und das nimmt man dem neuen Trainer der Braunschweiger Basketballer sofort ab, bei allem, was er in den vergangenen Wochen Erwartungsfrohes aus seiner US-Heimat verkündet und wie euphorisch er über das Potenzial seiner Spieler geschwärmt hatte. Am Mittwoch schickt der 41-Jährige seine Profis ins erste Teamtraining. Drei verbliebene und acht neue Spieler bilden eine neuformierte Mannschaft, von der Geschäftsführer und Sportdirektor Sebastian Schmidt sogar sagt, sie sei „deutlich tiefer und besser besetzt als im letzten Jahr“ und man sei überzeugt, dass sie die Playoffs erreichen könne.

Strobl, der perfekt Deutsch spricht, formuliert es ein klein wenig zurückhaltender. Zu Saisonbeginn wisse man nie genau, wie gut ein Team wirklich werde. Er hoffe auf die Play-offs, könne sie aber nicht versprechen, sagt er, ehe dann doch wieder sein Enthusiasmus durchbricht: „Ich bin Amerikaner! Gut ist nicht mein Wort, ich sage great, also großartig. Und ich starte in jeden Tag und sage mir, er wird großartig!“ Diese Überzeugung, stets das Bestmögliche erreichen zu können, lebe er seinen Schützlinge gerne vor.

Viele Minuten für die deutschen Talente

Es sei die Strategie gewesen, mehr auf junge deutsche Spieler zu setzen und so für Fans wie für den Nachwuchs noch mehr Identifikationsmöglichkeiten zu bieten, erläutert der bisherige Ulmer Co-Trainer die Verpflichtung von Kostja Mushidi (21 Jahre), Lukas Wank (22), Garei Zeeb (22) und natürlich von Karim Jallow (22), der als A-Nationalspieler der Königstransfer ist, sowie die Vertragsverlängerung von Lars Lagerpusch (21).

„Gute deutsche Spieler müssen sonst sehr lange warten, bis sie spielen – bei uns wird es schneller gehen“, verspricht Strobl. Er mache keinen Unterschied zwischen deutschen und ausländischen Profis, wenn sie hart arbeiteten. Außerdem hätten seine Schützlinge bereits in deutschen U-20-Nationalteams gestanden, somit verbriefte Qualität und würden sich noch weiterentwickeln. In Richtung NBA, Europaliga oder A-Nationalmannschaft, malt sich Strobl aus: „Ich hoffe, dass Bundestrainer Henrik Rödl künftig oft bei uns zu Gast ist, um seine Spieler zu sehen.“

Sechs Spieler mit BBL-Erfahrung

Dass die Löwen auch zwei von vier offenen Ausländerpositionen mit blutjungen Nachwuchsleuten besetzt haben, war nicht unbedingt so geplant. Nach der Vertragsverlängerung der Stützen Thomas Klepeisz und Scott Eatherton sowie der Verpflichtung der vergleichsweise teuren deutschen Toptalente sei ihnen ein bisschen das Geld ausgegangen, geben Schmidt und Strobl zu. Ein europaerfahrener Spielmacher habe durchaus auf ihrer Wunschliste gestanden. Stattdessen haben sie sich in Gage Davis (23) einen weiteren Akteur aus der Rubrik „Wundertüte“ geangelt. Und Center Sacha Killeya-Jones, der erst 20 ist, gehört erst recht dorthinein.

BBL-Erfahrung bringen neben den Alt-Braunschweigern noch der Ex-Crailsheimer Powerforward Joe Lawson (26) mit, Jallow aus einem Jahr in Ludwigsburg und der Ex-Frankfurter Zeeb. US-Flügel Henry Pwono (28) hat noch nie auf ähnlichem Niveau gespielt, dennoch ist Strobl überzeugt, dass er mit seiner Lebenserfahrung aus aller Welt eine Integrationsfigur wird. „Seine Verpflichtung war überhaupt kein Risiko, weil ich ihn sehr gut kenne.“

Sieben Wochen hat der Coach bis zum BBL-Start Zeit, eine schlagkräftige Truppe zu formen. Acht Testspiele sind vereinbart, auf ein Trainingslager musste er, ebenfalls aus finanziellen Gründen, verzichten.

Aggressive Verteidigung als Markenzeichen

Die Mannschaft soll sich durch ihre aggressive Verteidigung und überfallartiges Spiel nach vorne auszeichnen – nach dem Vorbild von Überraschungsteam Rasta Vechta. Um solch eine Intensität aufs Feld zu bringen, sei ständiges Durchwechseln nötig, erläutert Strobl. Deshalb sei klar, dass alle Profis wesentliche Spielanteile bekommen könnten, zumal sie – das war Einstellungsvoraussetzung – variabel auf mehreren Positionen einsetzbar seien. „Alle werden die Möglichkeit bekommen zu zeigen, was sie können“, verspricht der Coach und präzisiert seine Offensivstrategie: „Ich werde ihnen auf dem Feld Freiheit und Kreativität lassen.“

Für diese Philosophie stehen auch die neuen Assistenten David Gomez und Alvaro de Pedro. Dass beide Spanier sind, wie Vechtas Erfolgscoach Pedro Calles, sei aber Zufall, sagt Strobl: „Ich habe mit ungefähr 75 möglichen Assistant Coaches geredet, und die beiden waren die besten.“ Zudem zählt weiterhin Torben Steinberg zum Trainerteam.

KOMMENTAR

Wundertüte mit Risiko

Von Ute Berndt

Jung, wild, hungrig. So gut wie die aktuelle hat keine Löwen-Mannschaft der vergangenen Jahre das Motto des Standorts verkörpert. Das neue „deutsche Gesicht“ des Teams sogar mit einem A-Nationalspieler und vielen aufstrebenden Talenten, die auch Spielzeit bekommen werden, ist sehr sympathisch. Es dürfte die Zuschauer im Erfolgsfall begeistern. Aber kann es auch schon erfolgreich sein?

Ex-Trainer Frank Menz hätte mit diesem Ensemble wohl nur den Klassenerhalt als Ziel ausgegeben. Denn es mangelt mindestens an Erfahrung, wenn nicht auch an Struktur. Ein gestandener Spielmacher, der das Geschehen und die jungen Wilden lenkt und eine mental maximal starke Führungsfigur wie DeAndre Lansdowne, der die Mannschaft in kniffligen Phasen auf seine Schultern nimmt, fehlen.

Für die neuen Verantwortlichen Sebastian Schmidt und Pete Strobl ist das aber ebenso kein Grund, sich erstmal vorsichtig und zurückhaltend zu geben, wie die Tatsache, dass sie selbst in ihren Funktionen als Sportdirektor beziehungsweise Cheftrainer ebenfalls Neuland betreten. Die Euphorie, einige der besten deutschen Spieler ihrer Jahrgänge mit mehrjährigen Verträgen nach Braunschweig gelockt zu haben, ist groß. Und das ist ja wirklich auch eine tolle Sache.

Doch bei allem Potenzial, das die vielen Talente sicher haben – man kann nicht alle auf einmal entwickeln, sie aufs nächste Level in größere Rollen bringen und dabei auch noch mehrheitlich die Spiele in einer Liga gewinnen, in der Fehler gnadenlos bestraft werden. So birgt die Wundertüte einiges Risiko, es wäre schon eine kleine Sensation, wenn diese Löwen gleich durchstarten. Strobl und besonders Schmidt wagen sich weit vor, wenn sie trotzdem forsch die Play-offs anvisieren. Denn sie werden daran gemessen.

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