Rekordmeister Lions sind nur Außenseiter im German Bowl

Braunschweig.  Die Braunschweiger Footballer spielen gegen Schwäbisch Hall, den 50-fachen Sieger in Folge, am Samstag in Frankfurt um den deutschen Titel.

Zupacken und nicht mehr loslassen: Basil Jackson zählt zu den ausgezeichneten Neuzugängen der Lions in diesem Jahr.

Zupacken und nicht mehr loslassen: Basil Jackson zählt zu den ausgezeichneten Neuzugängen der Lions in diesem Jahr.

Foto: Karsten Reißner

„Hundertmal habe ich dir das schon gesagt“, hört man manchmal Väter mit Söhnen schimpfen. Oder Trainer mit Spielern. Dabei waren es in Wirklichkeit vielleicht nur sieben oder acht Hinweise in die gleiche Richtung. Aber „hundertmal“ verdeutlicht die Dringlichkeit. „Tausendmal berührt“, sang einst Klaus Lage. Vielleicht waren es aber auch nur 765 Male. Oder 478. Man weiß es nicht. Große, „glatte“ Zahlen helfen jedenfalls, etwas besonders dramatisch zu machen.

Fünfzig Mal haben die Footballer der Schwäbisch Hall Unicorns gewonnen. In Serie. Und das ist keine Fantasiezahl. Das ist wahr. Wobei pro Jahr für den Süd-Bundesligisten nur maximal 14 Ligaspiele und 3 Play-off-Partien zu Buche schlagen. Fast genau drei Jahre also hält die Siegesserie dieser Footballer an. Und nun treffen die Haller am Samstag in Frankfurt im German Bowl, im Endspiel um die deutsche Meisterschaft, auf ihre letztmaligen Bezwinger, auf die Lions aus Braunschweig, auf den deutschen Rekordmeister – und haben natürlich die Favoritenrolle inne.

Duell der Unbesiegten

Den Löwenstädtern gefällt das vor dem Duell der Unbesiegten in der laufenden Saison. „Manchmal ist es gar nicht schlecht, Außenseiter zu sein“, sagt Lions-Cheftrainer Troy Tomlin schmunzelnd. „Wir haben dann nicht so viel Druck auszuhalten, können einfach so zeigen, was wir können. Und ich hoffe, dass das dann am Ende reicht.“

Das klingt ziemlich bescheiden. Aber so ist Tomlin eben, dieser Erfolgstrainer, der nach seiner Rückkehr nach Braunschweig von 2013 bis 2016 viermal in Folge sein Team zum nationalen Titel führte. 2017 dann riss im German-Bowl-Duell mit Schwäbisch Hall die Erfolgsserie. und im Vorjahr ereilte Tomlin und seine Männer bereits im Halbfinale das Aus, nach zweifacher Verlängerung gegen Frankfurt.

Connette droht auszufallen

Vor knapp zwei Wochen bei der Neuauflage siegten die Lions zu Hause souverän mit 36:18 – und vermiesten den Hessen ein Heimspiel im Finale. Ob es an dieser Konstellation lag oder an der nötigen Härte, um überhaupt einen Stich zu sehen, ist unklar. Jedenfalls verletzten sich gleich mehrere Lions-Spieler schwer in diesem Duell. Abwehr-Ass Samuel Kargel erlitt einen Wadenbeinbruch, Benjamin Barnes erwischte es arg an der linken Oberarmmuskulatur, und sowohl Ballfänger Christian Bollmann als auch Spielmacher Brandon Connette trugen Gehirnerschütterungen davon – alles Stammspieler.

„Es wird knapp. Wir warten auf das grüne Licht der Ärzte“, sagt Tomlin zu den Personalien Bollmann und Connette. Im Training haben wir alle unsere Quarterbacks üben lassen, als würden sie spielen.“ Also auch Mike Friese und Sonny Weishaupt. Deutsche Quarterbacks haben in den vergangenen Jahrzehnten selten den German Bowl gewonnen. Und so hoffen die Lions für den Samstag auch ein bisschen auf eine Wunderheilung. Oder tragen sie sogar ein personifiziertes Wunder im Gepäck? Denn alle deutschen Topteams haben vor der Saison in den USA Spieler verpflichtet, die nur in Notfällen aktiviert werden, aber einen gültigen Spielerpass besitzen und so ganz kurzfristig völlig legal eingesetzt werden können.

Personelle Überraschung möglich

Also ein neuer Quarterback auf Abruf? „Einzelheiten werden wir natürlich nicht verraten. Aber klar, Überraschungen hat jedes Team für den German Bowl parat, ob das nun personelle Geschichten sind, taktische oder spielerische“, erklärt Tomlin vielsagend – und auch nichtssagend. Gefühlt zum dreißigsten Mal spielen die Lions im German Bowl. In Wahrheit zum 18. Mal. Aber legt man zugrunde, dass sie erst seit 26 Jahren der Bundesliga angehören, ist auch das ein fettes Pfund. Ganz ohne Übertreibung.

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