Braunschweig. Der „Doppelpass on Tour“ kommt nach Wolfenbüttel, Moderator Thomas Helmer spricht im Interview auch über die Bundesliga-Meisterschaft.

Thomas Helmer moderiert mittlerweile schon seit Jahren das bekannte TV-Format „Doppelpass“. Der Fußball-Talk geht derzeit dreimal im Monat auf Reisen und macht auch Station in Wolfenbüttel. Am 31. Januar sitzen in die Lindenhalle Helmer, Ex-Profi Mario Basler sowie Deniz Dogan (Ex-Eintracht-Profi) und Lars Vollmering (VfL-Wolfsburg-Fan) auf der Bühne, um über das aktuelle Geschehen zu diskutieren. Im Interview spricht Helmer über die Eintracht, den VfL, die Nationalmannschaft und Toni Kroos.

Herr Helmer, wie beurteilen Sie die Lage von Eintracht Braunschweig in Liga 2?

Die Eintracht hat sich gut gefangen, der Trainerwechsel war ganz offenbar die richtige Entscheidung. Es war ganz wichtig, den Anschluss ans rettende Ufer wiederherzustellen und die Konkurrenz somit unter Druck zu setzen. Die Liga ist so ausgeglichen, dass man sich keine allzu lange Schwächephase erlauben kann. Das gilt für die oberen und unteren Tabellenregionen.

Trauen Sie der Eintracht den Klassenerhalt zu?

Ich habe die Eintracht im November beim HSV-Spiel in Hamburg gesehen, da haben nur Zentimeter für einen Punktgewinn gefehlt. Das war ein irres Spiel, weil es so viele Wendungen hatte. Erst waren die Hamburger total überlegen, dann ließen sie nach und dann kippte das Spiel in Richtung der Eintracht, die am Ende einen Punkt verdient gehabt hätte. Aber schon da dachte ich, dass die Mannschaft nicht so schlecht ist wie sie dasteht. Mit dem neuen Trainer haben sie nun einen kleinen Lauf. Daher traue ich Braunschweig den Klassenerhalt durchaus zu, sie haben eine realistische Chance.

Wie bewerten Sie die 2. Bundesliga? Wer steigt auf?

Mit Kiel in der Spitzengruppe hatte ich nicht gerechnet, aber die machen es überragend. Mal abwarten, wie sie auf die Niederlage gegen Braunschweig reagieren. St. Pauli ist für mich die konstanteste und spielstärkste Mannschaft der Liga, die sind sehr gefestigt und verlieren einfach nicht. Der HSV ist etwas unsteter, aber auch da glaube ich an den Aufstieg. Mindestens eine, wahrscheinlich zwei Hamburger Mannschaften gehen am Ende hoch – darauf habe ich mich schon vor Wochen festgelegt.

Gehen wir eine Liga hoch. Wer wird Meister in der Bundesliga?

Leverkusen spielt den besten Fußball der Liga, keine Frage. Ich finde es inspirierend, was der Trainer Xabi Alonso da mit seinen Spielern geschafft hat. Ein funktionierendes System aus Abwehr und Angriff, das Attraktivität und Effizienz verbindet. Die Bayern sind natürlich weiterhin dran, trotz der Niederlage gegen Bremen darf man sie längst nicht abschreiben. Aber Bayer hat gute Karten, die Bayern-Serie zu beenden.

Und Wolfsburg?

Aus der Ferne betrachtet sieht das ganz gut aus, was Niko Kovac da in aller Ruhe macht.

Wirklich? Ein Platz im Niemandsland der Tabelle ist für Klub und Eigner eigentlich zu wenig. In Ihrer Sendung wird auch selten über den VfL gesprochen. Woran liegt das?

Es ist vielleicht ein Stück weit zu ruhig beim VfL. Früher waren viele bekannte Gesichter im Team und auch im Management. Heute ist der Trainer der bekannteste Akteur. Ich kenne ihn ein wenig, er ist ein sehr angenehmer Mensch. Früher auf dem Platz war das nicht so angenehm, auf ihn zu treffen (lacht). Aber im Ernst: Man weiß, was man bekommt, wenn man Niko Kovac als Trainer holt: Da ist wenig Hurra-Fußball, sondern pragmatische, harte Arbeit. Die Wolfsburger haben in jedem Fall viele Punkte liegen lassen.

Im Sommer steht die Heim-EM an. Schon aufgeregt?

Ich bin verhalten optimistisch. Das Draufhauen in den vergangenen Wochen und Monaten war inhaltlich sicher verständlich, aber nun sollten wir damit aufhören. Das bringt nichts, es reicht. Wir sollten der Mannschaft jetzt eine faire Chance geben, sie ist in der Offensive gut. Defensiv müssen wir uns verbessern.

Trauen Sie Julian Nagelsmann eine erfolgreiche Arbeit zu?

Er ist akribisch, fleißig und hat sich mit enorm harter Arbeit diesen Posten verdient. Anders als in seinen Vereinen hat er aber im Nationalteam wenig Zeit, etwas Neues zu machen. Das sollte er auch gar nicht tun. Als Rudi Völler für ein Spiel gegen Frankreich eingesprungen ist, hat er die Spieler nicht überfrachtet, sondern ist einfach als erfahrener Moderator der Situation aufgetreten. Das war genau richtig. Julian darf nicht zu viel wollen. Zum Teil wirkten seine Spieler überfordert mit diversen Experimenten in den Testspielen. Die sind fast alle gescheitert. Ich erinnere nur daran, Kai Havertz zum Linksverteidiger zu machen. Für Julian ist es eine schwierige Aufgabe: Er hat fast keine Zeit, aber viel zu tun.

Über Joshua Kimmich wird viel diskutiert. Sollte er hinten rechts oder im Mittelfeld spielen?

Diese Diskussion muss enden. Es geht nicht, dass ein Spieler sich wünschen darf, wo er spielt. Meiner Meinung nach sollte er hinten rechts spielen, das kann er. Im Sinne der Mannschaft wäre diese Lösung die beste.

Und auch über eine Rückkehr von Toni Kroos wird diskutiert: zurecht?

Nein, von der Idee bin ich kein Freund. Ich weiß einerseits nicht, ob sich Toni mit einer Rückkehr einen Gefallen tun würde. Und andererseits müssen wir uns die Frage stellen, ob so ein Spielertyp wie Kroos und gerade wirklich fehlt. Denn im zentralen Mittelfeld sind wir gut aufgestellt, die Offensive ist nicht das Problem. Eher die Defensive. Und Kroos ist auch kein Defensiv-Monster. Daher sollten wir uns eher auf die Defensive fokussieren. Da fehlen uns Qualität und Struktur.

Sie sind mit dem „Doppelpass“ auf Tour und kommen auch nach Wolfenbüttel. Wie läuft so ein Abend ab?

Wir haben einen riesigen Spaß auf der Bühne mit Mario Basler und den Gästen. Zudem ist bei jeder Show auch eine lokale Größe dabei, um die Besonderheiten der Region herauszuarbeiten. Die Show ist für zwei Halbzeiten ausgelegt, aber eigentlich überziehen wir in der Regel, weil es so viel zu erzählen gibt (lacht). Das macht schon großen Spaß.