Klaus Allofs sieht in der Eintracht Potenzial, woanders zu stehen

Braunschweig.  Der Ex-Nationalspieler und ehemalige Manager von Wolfsburg und Bremen will mit Eintracht-Gegner Fortuna Düsseldorf zurück in die Fußball-Bundesliga.

Klaus Allofs beim vergangenen Spiel von Fortuna Düsseldorf gegen Paderborn.

Klaus Allofs beim vergangenen Spiel von Fortuna Düsseldorf gegen Paderborn.

Foto: imago images / Laci Perenyi

Die ersten Erinnerungen, die Klaus Allofs beim Namen Eintracht Braunschweig einfallen, sind nicht gerade positive. „Die Duelle während meiner Zeit beim VfL Wolfsburg sind noch sehr präsent“, sagt der 64-Jährige gegenüber dieser Zeitung. In der Bundesliga-Saison 2013/14 ärgerte sich Allofs als VfL-Manager vor allem über eine 0:2-Heimniederlage. Eine Derbypleite, die ihn damals in Wolfsburg einige Zeit ziemlich unter Druck setzte.

Auch als Spieler waren nicht immer alle Erfahrungen mit den Löwen rosig, obwohl Allofs in den 1970er und 1980er Jahren bei Fortuna Düsseldorf und später beim 1. FC Köln zu den besten Stürmern Deutschlands gehörte. „Als Paul Breitner das eine Jahr bei der Eintracht spielte, habe ich ihn gefoult und Rot gesehen. Daran muss ich auch immer sofort denken“, erinnert er sich an ein Spiel im August 1977 in Braunschweig. Und selbst die erste Bundesliga-Partie seiner Karriere ging mit 1:3 bei der Eintracht verloren.

Düsseldorf kommt mit Selbstvertrauen nach Braunschweig

Trotzdem hat der Ex-Nationalspieler und Europameister von 1980 keinen Bammel davor, am Montagabend wieder das Eintracht-Stadion zu betreten. Seit etwas mehr als 100 Tagen gehört er dem Vorstand von Fortuna Düsseldorf an, ist beim Fußball-Zweitligisten für den Bereich Fußball und Entwicklung verantwortlich. Und da die Rheinländer zuletzt fünf Zweitliga-Spiele in Folge gewonnen haben, kommen sie mit viel Selbstvertrauen nach Braunschweig. „Wir haben am Anfang nicht gut gespielt und nicht gepunktet.

Dann haben wir nicht gut gespielt, aber gepunktet. Und nun nähern wir uns auch der Spielweise an, die wir uns vorstellen“, blickt Allofs zufrieden auf die jüngste Entwicklung zurück. Die Favoritenrolle, das weiß Allofs nach Jahrzehnten im Geschäft, heftet damit seiner Mannschaft an. „Ich sehe die Eintracht aber besser als ihr derzeitiger Tabellenplatz. Die Braunschweiger haben das Potenzial, woanders zu stehen“, meint er. In dieser Aussage steht wahrscheinlich auch ein wenig die bekannte Praxis im modernen Fußball-Geschäft, den nächsten Gegner besonders stark zu reden. Doch aufgrund seiner langjährigen Erfahrung nimmt man Allofs ab, wenn er sagt: „Die 2. Liga ist wegen ihrer Ausgeglichenheit keine einfache Liga. Es wird sehr körperlich agiert und hin wieder guter Fußball gespielt. Es ist aber keine Mannschaft wie in der Bundesliga mit den Bayern dabei, die jeden Gegner spielerisch dominieren kann.“

Fortuna ist von Eintrachts Sorgen weit entfernt

Er muss es wissen. Als Manager von Bremen und Wolfsburg gefiel Allofs im deutschen Oberhaus lange in der Rolle des Bayern-Jägers, und der aktuelle Spieltag in der Klasse da-runter scheint seine Aussage zu bestätigen. So gewann Sandhausen überraschend deutlich mit 4:0 gegen Heidenheim. Würzburg siegte in Osnabrück, und St. Pauli punktete gegen Kiel. Alle drei Ergebnisse setzen die Braunschweiger vor dem Montagsspiel zusätzlich unter Druck.

Von solchen Sorgen ist man in Düsseldorf im Moment weit entfernt. Die Fortuna hat als Ab-steiger das Ziel direkter Wiederaufstieg nach den jüngsten Erfolgen wieder im Blick. Allofs wurde auch deshalb geholt, um diesen schwierigen Weg in einem emotionalen Umfeld mit Ruhe und Klarheit zu gehen. Das zeichnete ihn bereits in Bremen und Wolfsburg aus. Die Trainerentlassungen, die Allofs in seiner langen Karriere vornahm, lassen sich an einer Hand abzählen – locker.

Als zu Saisonbeginn Düsseldorfs Coach Uwe Rösler in der Kritik stand, war von Allofs jedenfalls kein Schnellschuss zu erwarten. „Wir haben uns von dem Druck nicht beirren lassen“, sagt Allofs. Nicht einfach bei der „Gefühlssache Fortuna“, wie er zugibt.

Allofs hat mit Fortuna Düsseldorf noch viel vor

Vielleicht ist es seine rationale Herangehensweise, die ihn etwas mit der Stirn runzeln lassen, wenn man das Engagement in Düsseldorf aufgrund seiner Vergangenheit als Herzensangelegenheit bezeichnet. „Es ist richtig, dass ich die Aufgabe in dieser Konstellation wahrscheinlich nicht woanders angenommen hätte“, gibt er zu. Doch dass er im Herbst seiner Funktionärskarriere noch einmal bei seinem Jugendklub landete, bei dem er zum Profi wurde und die ersten Erfolge seine große Karriere feierte, soll nicht automatisch bedeuten, dass sich für ihn ein Kreis schließt. „Das muss ja nicht meine letzte Station sein“, sagt Allofs lachend.

Er hat nach wie vor Ambitionen. „Meine Entscheidung für die Fortuna war nicht nur eine des Herzens. Ich will erfolgreich sein“, stellt er klar. Allofs weiß, dass eine gewisse Folklore zum Fußball dazugehört. Aus sachlichen Gründen hat er sich aber oft genug davon befreit. So will er es weiter handhaben. „Es macht vielleicht ein paar Dinge einfacher, dass ich aus Düsseldorf komme. Aber der Klub ist nicht mehr der-selbe wie zu meiner Zeit als Spieler.“ Seine 71 Bundesliga-Tore für die Fortuna werden ihm heute nicht weiterhelfen, genauso wenig wie das Wohlwollen vom berühmtesten Düsseldorf-Fan Campino.

Der Sänger der Toten Hosen saß im Sommer hinter Allofs im Stadion, kurz bevor dessen Rückkehr zur Fortuna bekanntgegeben wurde. „Wir haben uns kurz unterhalten, aber ich konnte ihm vorher natürlich nichts verraten“, sagt Allofs verschmitzt. Solche Professionalität hat ihn immer ausgezeichnet. So will er Fortuna Düsseldorf zurück in die Bundesliga führen. Aber die Eintracht könnte ihm diesen Weg am Montagabend wieder etwas schwieriger machen – wie schon einige Male in seinem Leben.

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