Christoph Bratmann ist neuer Eintracht-Braunschweig-Präsident

Braunschweig.  Die erste komplett digitale Hauptversammlung von Eintracht Braunschweig wählte den 51-Jährigen zum Präsidenten. So verlief die Versammlung.

Christoph Bratmann spricht in der virtuellen Mitgliederversammlung von Eintracht Braunschweig vom Podium.

Christoph Bratmann spricht in der virtuellen Mitgliederversammlung von Eintracht Braunschweig vom Podium.

Foto: Screenshot / oh

Um 21.05 Uhr ist es offiziell geworden: Christoph Bratmann ist neuer Präsident von Eintracht Braunschweig. Die Jahreshauptversammlung, bei der er gewählt wurde, fand aufgrund der Corona-Pandemie erstmals ausschließlich virtuell statt. Die Teilnehmer konnten über ein spezielles Portal abstimmen, Fragen stellen und Wortbeiträge per Anruf leisten. Unser Liveticker gibt einen Rückblick auf die Versammlung.

Schon vor Beginn der Jahreshauptversammlung hatte es kaum Zweifel an seiner Wahl gegeben. Und so kam es auch. Christoph Bratmann, den der Wahlausschuss vor wenigen Wochen als Kandidat benannt hatte, ist neuer Präsident des Traditionsvereins. Der SPD-Landtagsabgeordnete vereinte 394 Ja-Stimmen auf sich – bei 17 Nein-Stimmen und acht Enthaltungen. Er war die Wunschlösung für viele Mitglieder, nachdem der Unternehmer Helmut Streiff von einer Kandidatur abgesehen hatte.

Bratmann leitete den Verein zuvor bereits kommissarisch

Bratmann, der seit dem Rücktritt von Sebastian Ebel kommissarisch die Amtsgeschäfte des Vereins führt, konnte bereits von Beginn an fühlen, wie es sich anfühlt, als Präsident eine Versammlung zu leiten – im kommenden Jahr tut er dies auch offiziell als Vorsitzender der Blau-Gelben. Der 51-Jährige war bereits vor seiner Wahl davon überzeugt, auch die richtigen Kontakte in die lokale Wirtschaft zu besitzen und die Eintracht damit in eine solide Zukunft zu führen.

Dass er sich zur Verfügung stellte, hätte er vor einem Jahr noch nicht gedacht. Für ihn sei es eine große Ehre, er habe das Gremium in etwa 40 Jahren Fan-Dasein oft bewundert. Bratmann will zuvorderst für den Gesamtverein da sein, den Dialog suchen mit anderen Breitensportvereinen, in den Unterstützer der Eintracht zu Hause sind und Fans und Entscheider einen. Er bezeichnete sich selbst als „Sowohl-als-auch-Präsident“. Einer, der Tradition und Profifußball unter einen Hut bringen will. „Ich stehe für den Weg des eigenständigen Traditionsvereins.“

Ob sein Engagement an der Spitze der Löwen von großer Dauer ist, bleibt abzuwarten. Der Zeitraum von einem Jahr sei für ihn gut zu überblicken. Und selbst wenn sich jemand finden würde, der mehr Kraft in das Amt des Präsidenten stecken könnte, würde er der Eintracht im Ehrenamt erhalten bleiben. Im Zuge seiner Wahl trat Bratmann als Vizepräsident zurück und nahm die Wahl unter Beifall an.

In der erstmals virtuell durchgeführten Veranstaltung führte Bratmann bereits souverän durch die ersten Tagesordnungspunkte.

Er dankte noch einmal Ebel, der seit wenigen Monaten neben Gerhard Glogowski der zweite Ehrenpräsident der Eintracht ist. Ebel war über die Worte Bratmanns erfreut. Nun Ehrenpräsident zu sein, „geht mir wirklich zu Herzen“. Außerdem sprach er Bratmann und den anderen Vorstandsmitgliedern sein Vertrauen aus und hob die gute Zusammenarbeit hervor.

Die Eintracht hat 5358 Mitglieder – ein Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr

Das Vorstandsteam verwaltet mit den nun 14 Abteilungsvorständen aktuell die Belange von 5358 Mitgliedern. Das bedeutet einen Zuwachs von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die weniger erfreulichen Zahlen folgten wenig später.

Der Blick auf das abgelaufene Geschäftsjahr, den Rainer Cech, Vizepräsident Finanzen, präsentierte, war angesichts der Auswirkungen der Corona-Pandemie wenig überraschend. Zwar konnte Eintrachts e.V. das Jahr aus eigener Kraft mit einem positiven Ergebnis von 64.278,20 Euro abschließen, die ausgegliederte Kapitalgesellschaft, der die Zweitliga-Fußballer angehören, bereitet hingegen immer noch Sorgen. „Nur wenn beide Ertragsquellen gestärkt werden, wird sich der Verein den Sportbetrieb sowohl im Spitzen- als auch im Breitensport auf dem gewohnt hohen Niveau leisten können“, sagte Cech bei der Verlesung des Geschäftsbericht für das vergangene Jahr.

Doch zurzeit sieht die Realität anders aus. Die Kapitalgesellschaft schloss das Geschäftsjahr mit einem Minus von 2,3 Millionen Euro ab. Im Jahr zuvor waren es 4,4 Millionen Euro. Die zwei Saisons in der dritten Liga mitsamt zahlreichen personellen Umbrüchen, die kostspielig waren, erklären diese Summen. Und auch die Pandemie, die Zuschauereinnahmen seit März nahezu unmöglich gemacht hat, trug einen Teil dazu bei – die Eintracht rechnet für das kommende Geschäftsjahr mit Einnahmeausfällen gegenüber der ursprünglichen Planung von bis zu vier Millionen Euro. Erfreulich: Eigentlich hatten sie bei der Eintracht mit einem Fehlbetrag von 3,8 Millionen Euro für dieses Jahr gerechnet. Der Umsatz der Profi-Abteilung reduzierte sich von 19,7 auf 14,8 Millionen Euro, der Personalaufwand von 12,3 auf 9,5 Millionen Euro.

Zweitliga-Aufstieg brachte Eintracht sportlich und finanziell nach vorn

Aufgrund des Aufstiegs der Fußballer in die zweite Bundesliga blicken die Verantwortlichen nun zuversichtlicher als noch zuletzt in die Zukunft. Mit 2,1 Millionen Euro ist auch das Eigenkapital weiter im positiven Bereich – allerdings schmolz es im Vergleich zum Vorjahr. Doch im Geschäftsbericht heißt es auch, dass der Klassenerhalt in Liga zwei existenziell bedeutsam ist. Die Erwähnung, dass die Eintracht seit dem Abstieg in die dritte Liga nie so gut aufgestellt war wie heute, war dabei ein eher schwacher Trost.

Damit sich die Lage weiter entspannt, wurde offenkundig mit kalkulierbarem Risiko in einen schlagkräftigen Kader investiert. „Gekommen, um zu bleiben, ist daher der zentrale Slogan für die 2. Liga“, hob Cech hervor. Ein erneuter Abstieg der Zweitliga-Fußballer würde den Verein erneut in Schieflage bringen. Die bislang eingefahrenen acht Punkte aus sieben Spielen der Mannschaft von Cheftrainer Daniel Meyer sind jedoch ein Zwischenstand, der zuversichtlich stimmt.

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