Eintracht Braunschweig: Besetzt Nico Klaß die Problemposition?

Braunschweig.  Der Ausfall von Niko Kijewski riss bei Eintracht Braunschweig eine Lücke. Nico Klaß vertrat ihn gegen Bochum ordentlich und hofft auf Einsätze.

Nico Klaß (links) ist vor Bochums Simon Zoller am Ball.

Nico Klaß (links) ist vor Bochums Simon Zoller am Ball.

Foto: Sebastian Priebe / regios24

Vielleicht war es nur ein Zufall. Bei beiden Toren von Fußball-Zweitligist Eintracht Braunschweig beim 2:1 gegen den VfL Bochum gehörte Neuzugang Nico Klaß zu den ersten Gratulanten der Torschützen Fabio Kaufmann und Nick Proschwitz.

Vielleicht spielte aber auch die Freude über die große Chance, die er erhalten hatte, eine Rolle: Der junge Verteidiger, der vor der Saison vom West-Regionalligisten Rot-Weiß Oberhausen zum Aufsteiger gewechselt war, erlebte bei seinem ersten Zweitliga-Spiel von Beginn an gleich einen Sieg – und ist ein Kandidat, um die Lücke auf der linken Seite zu schließen, die aufgrund der Verletzung von Niko Kijewski (Kreuzbandriss) entstanden ist.

Der 23-Jährige wirkt bescheiden und aufgeräumt. Bei seinem Zehn-Minuten-Einsatz beim 0:0 gegen Spitzenteam Holstein Kiel sei er nervöser gewesen. „Trotzdem hat sich das Startelf-Debüt noch einmal anders angefühlt. Allein aus dem Grund, dass man die Atmosphäre von Anfang an spürt“, war sich der einstige Jugendspieler des MSV Duisburg sicher.

Nico Klaß – Bei Eintracht Braunschweig in neuer Liga

Klaß ist ein echter Spätstarter. Über Stationen in der Oberliga in Hiesfeld und eben in Oberhausen landete er nun in Braunschweig in Liga zwei. Die dritte Liga nahm er gleich im Sprung. Vor sieben Monaten, kurz bevor die Corona-Pandemie in den Regionalligen einen vorzeitigen Saisonabbruch herbeiführte, absolvierte der Abwehrspezialist sein letztes Spiel für RWO.

Insofern war die Vorbereitung in Braunschweig zu Beginn hart. „Man hat weniger Zeit, Entscheidungen zu treffen. Die Passqualität ist eine ganz andere als in der vierten Liga. Man muss sich viel mehr konzentrieren. Aber ich habe mich da schnell dran gewöhnt“, sagt der gebürtige Duisburger, der nicht damit gerechnet hat, dass er so schnell zu solch üppigen Einsatzzeiten kommt. „Man merkt, wie schnell es im Fußball gehen kann. Früher habe ich nicht daran geglaubt. Aber man freut sich und versucht, das richtig einzuordnen“, sagt Klaß.

Das darf er durchaus mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen. Der Auftritt des Linksfußes auf der Außenverteidiger-Position war angesichts der fehlenden Zweitliga-Erfahrung beachtlich. Klaß spielte weitgehend abgeklärt, hatte ebenso wie der ungelernte Rechtsverteidiger Danilo Wiebe einige mutige Vorstöße.

Startelf-Debüt von Nico Klaß – Pass führt zu roter Karte gegen Eintrachts Dornebusch

Einzig, dass sein unglücklicher Rückpass zum Platzverweis für Torwart Felix Dornebusch führte, schmälerte den guten Auftritt. „Ich glaube, ich habe eine gewisse Grundschnelligkeit. Für die Außenverteidiger-Position bringe ich eine gewisse Härte im Defensivzweikampf mit, da ich langjährig Verteidiger spiele. Ich habe den ein oder anderen Zentimeter, den ich messe, und kann ihn im Kopfball einbringen bei Verlagerungen und Standards. Und die ein oder andere Offensivaktion nehme ich mir auch raus“, fasst das Talent seine Stärken zusammen.

Es war darauf hinausgelaufen, dass Klaß gegen Bochum die Chance auf der derzeitigen Problemposition der Eintracht bekommt. Wobei man nun fragen kann, ob sie das überhaupt noch ist. Eintrachts Cheftrainer Daniel Meyer freute sich zumindest über Klaß’ Leistung. Vorgewarnt war der Spieler über seine Startelf-Nominierung aber nicht. „Es war nicht so, dass der Trainer auf mich zugekommen ist. Aber man merkt das in Trainingseinheiten. In unserem internen Testspiel habe ich 90 Minuten lang diese Position gespielt. Vor dem Spiel habe ich sie auch im Training bekleidet“, berichtet der 1,87-Meter-Mann.

Nico Klaß kann sich an Einsätze für Eintracht Braunschweig gewöhnen

Das Spiel gegen den VfL kam jedenfalls einem Empfehlungsschreiben für weitere Einsätze gleich. „Es hat sich gut angefühlt, und daran kann man sich gewöhnen“, sagt der Verteidiger, der eigentlich lieber im Abwehrzentrum aufläuft. „Nach der Verletzung von Kiwi haben wir’s im Training so gespielt. Der Trainer hat mich in der Länderspielpause auf dieser Position eingeführt. Ich habe versucht, ein gutes Gefühl zu entwickeln, weil das auch eine Position ist, auf der ich gute Spiele machen kann. Mal sehen, wie es in Zukunft aussieht, ich nehme es auf jeden Fall so an.“

Gleichwohl hegt der Defensiv-Allrounder gewisse Ambitionen, allein weil der Sieg gegen Bochum das Verlangen auf mehr geweckt hat. „Wenn man einmal gespielt hat und merkt, dass es funktioniert, man einen Sieg einfährt, dann steigert das die Lust, im nächsten Spiel dabei zu sein“, sagt Klaß.

Gewiss wäre er gern öfter erster Gratulant bei Eintracht-Toren. Denn das würde ja bedeuten, dass er spielt.

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