Eintracht Braunschweig: Oldie Nick Proschwitz nutzt die Chance

Braunschweig.  Stürmer Proschwitz bringt nach Abdullahis Ausfall Sicherheit ins Eintracht-Spiel. Mit seinem Tor sammelt er Argumente für weitere Startelf-Einsätze

Kapitän Martin Kobylanski (rechts) beglückwünscht Eintracht Braunschweigs Stürmer Nick Proschwitz nach dessen Kopfballtor zum 2:1.

Kapitän Martin Kobylanski (rechts) beglückwünscht Eintracht Braunschweigs Stürmer Nick Proschwitz nach dessen Kopfballtor zum 2:1.

Foto: Sebastian Priebe / regios24

Viele hatten ihn bereits abgeschrieben. Er galt als Kandidat für einen Abgang. Nun meldete sich Nick Proschwitz eindrucksvoll zurück. Der Stürmer von Fußball-Zweitligist Eintracht Braunschweig sorgte mit seinem Kopfball-Treffer gegen den VfL Bochum für den 2:1-Sieg und den ersten Dreier der noch jungen Saison. „Ich freue mich, dass er ihn über die Linie bringen konnte, weil es ihm einfach auch gut tut“, sagte Cheftrainer Daniel Meyer über den 33-Jährigen, der seine Kaltschnäuzigkeit in Braunschweig trotz hohen Aufwands noch nicht dauerhaft unter Beweis gestellt hat.

Nick Proschwitz belebt Eintracht Braunschweigs Spiel

Dabei war der Mann mit der Rückennummer 33 bereits in den Spielen zuvor als Einwechselspieler ein belebendes Element. Gegen Heidenheim und Hannover besaß er in kürzester Zeit Torchancen im ansonsten zahmen Eintracht-Angriff. „Er ist in Topverfassung, das hat er bei seinen Einwechslungen angedeutet“, lobte Meyer seinen Oldie im Angriff, der zu Beginn der Spielzeit Suleiman Abdullahi den Vortritt lassen musste.

Die Leihgabe von Union Berlin hatte beim 5:4-Sieg im DFB-Pokal gegen Erstligist Hertha BSC mit Tempoläufen und einem Tor auf sich aufmerksam gemacht, war aber in den Ligaspielen in einem phasenweise noch fragilen Konstrukt unsichtbar geblieben. Der Nigerianer strahlte keine Torgefahr aus, wirkte gehemmt. Die Erwartungen in den Rückkehrer sind eigentlich andere. „Mit Suleiman Abdullahi haben wir jemanden verpflichtet, der beide Dinge kann: Bälle festmachen mit seinem Körper und die Geschwindigkeit einbringen“, verglich Meyer seine beiden Stürmer.

Doch Abdullahi droht nun auszufallen. Eine Knieverletzung setzte ihn bereits nach 45 Minuten bei der 1:4-Niederlage im Derby gegen Hannover 96 außer Gefecht. In der Länderspielpause erlitt der pfeilschnelle Angreifer einen Rückschlag. Eine eingehende Untersuchung soll Aufschlüsse über die Schwere der Verletzung bringen.

Eintracht Braunschweigs Trainer Meyer lobt Oldie Proschwitz

Proschwitz ist momentan erste Wahl für den Platz im Sturmzentrum. Auch wenn er ein anderer Spieler ist als der 23-jährige wuchtige Sprinter Abdullahi. „Die Geschwindigkeit von Manni hat Nick nicht ganz“, erläuterte Eintrachts Chefcoach mit einem Augenzwinkern. Aber er weiß, was er an dem erfahrenen Offensivspezialisten hat, der es beim Neuaufbau im Sommer nicht immer leicht hatte. „Nick hat sich sehr, sehr gequält durch die ersten Wochen der Vorbereitung, weil das in seinem Alter ein bisschen mehr weh tut“, wusste der 41 Jahre alte Meyer.

Doch schon im letzten Testspiel gegen den Halleschen FC trumpfte Proschwitz mit zwei Toren auf. Nun ist er auch aufgrund von Ausfällen zu seiner Chance gekommen und hat sie genutzt.

In den Spielen zuvor war der fehlende Mut und die mangelnde Durchschlagskraft der Eintracht kritisiert worden. Martin Kobylanskis zwischenzeitliche Führung aus dem Nichts heraus im Derby in Hannover war nach drei Spieltagen das einzige Ligator der Blau-Gelben. Offensivaktionen kamen häufig nicht zustande, weil der Ball beim Vortrag schnell wieder verloren ging. Es gab niemanden, dem es gegen abgebrühte Zweitliga-Verteidiger gelang, das Spielgerät festzumachen und den Mitspielern das Nachrücken zu ermöglichen.

Erst als Proschwitz ins Spiel kam, wurde es besser. Neun Kopfballduelle hat der 1,92-Meter-Mann bislang für sich entschieden. Kontrahent Suleiman Abdullahi steht mit deutlich mehr Spielzeit bei nur zwei siegreichen Luft-Zweikämpfen. Vorteil für den Routinier neben dem sich auch Fabio Kaufmann besser präsentierte. Augenscheinlich, weil er einen Ankerpunkt hatte, um den der wendige Dribbler herumspielen konnte.

Auch Abdullahi braucht diese Figur zur Orientierung, um seine Qualitäten optimal einbringen zu können. Marcel Bär, zuletzt mit muskulären Problemen außen vor, und der gegen Bochum frech aufspielende Yari Otto sind ebenfalls Akteure, die um einen klassischen Neuner herumspielen.

Eine externe 1A-Lösung für das Angriffszentrum hatte die Eintracht in diesem Sommer trotz intensiver Suche nicht gefunden, hatte zuletzt beim vereinslosen Collin Quaner vorgefühlt. „Nick ist der Stürmertyp, den wir sonst nicht haben“, bekräftige auch Meyer, der froh ist, den Zweitliga-Torschützenkönig von 2011/12 im Team zu haben.

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