Danilo Wiebe: „Ich will mich nicht mehr hinten anstellen“

Braunschweig.  Danilo Wiebe macht bei Eintracht Braunschweig Fortschritte in ungewohnter Rolle. Nun hofft er auf einen Stammplatz.

Im DFB-Pokal gegen Hertha BSC zeigte Danilo Wiebe phasenweise, dass er in ungewohnter Rolle auf hohem Niveau mithalten kann.

Im DFB-Pokal gegen Hertha BSC zeigte Danilo Wiebe phasenweise, dass er in ungewohnter Rolle auf hohem Niveau mithalten kann.

Foto: Darius Simka / regios24

An kaum jemandem lässt sich der bisherige Saisonverlauf der Zweitliga-Fußballer von Eintracht Braunschweig besser abbilden als an Danilo Wiebe. Sowohl für die Löwen als auch für den 26-Jährigen ergab sich im Sommer eine neue Situation. Die Eintracht war plötzlich wieder der Herausforderer im Unterhaus, und der Mittelfeld-Allrounder musste sich mit einer neuen Rolle als rechter Außenverteidiger anfreunden.

Beide überstanden getragen von der Euphorie trotz unübersehbarer Anpassungsschwierigkeiten beim 5:4 gegen Erstligist Hertha BSC die erste Pokal-Runde, fanden sich aber schnell im harten Ligaalltag wieder. Die Eintracht verlor zwei ihrer drei Spiele – und Wiebe aufgrund einer Systemumstellung seinen Stammplatz.

Danilo Wiebe ärgert sich über Verlust des Stammplatzes bei Eintracht Braunschweig

„Natürlich hat es mich geärgert, dass ich nicht mehr gespielt habe. Aber das ändert nichts daran, dass ich weiter Gas gebe“, erklärt der gebürtige Siegburger. Der letzte Satz ist ein Indiz dafür, warum Braunschweigs Cheftrainer Daniel Meyer den gelernten Sechser überhaupt für die Position auf der Außenbahn in Betracht gezogen hatte. Routinier Benjamin Kessel, der mittlerweile für Wiebe in die Startelf rotiert ist, musste sich zu Beginn hinten anstellen.

Insofern rückte der 1,87-Meter-Mann in den Fokus. Weil er ein schlauer Spieler ist, wie Meyer sagte. Und weil er einen Laktatwert aufweist, von dem einige nur träumen können. Beim 1:0-Testspielsieg gegen den VfL Wolfsburg bekam der Rechtsfuß erstmals die Chance auf ungewohnter Position. „Das war am Anfang sehr überraschend und wurde ohne große Vorwarnung ausprobiert“, erklärt Wiebe. Er stellte sich gut an, auch wenn man bis heute sieht, dass noch nicht alles rund läuft. „Natürlich braucht das Zeit. Man hat nicht die gewohnten Abläufe. Es ist noch nicht so wie im Mittelfeld, wo ich genau weiß, was ich zu tun habe. Aber nach und nach kommt die Sicherheit“, erklärt der flexibel einsetzbare Fußballer. „Ich bin auf einem guten Weg. Und wenn der Trainer mich weiterhin auf dieser Position sieht, werde ich versuchen, mich weiter zu verbessern.“ Gleichwohl scheint Wiebe die neue Rolle noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen zu sein. Aber er schätzt es, neue Eindrücke sammeln zu dürfen, ist lernwillig, fleißig und allein deshalb ein Gewinn für den derzeitigen Tabellenvorletzten.„Für mich kann es nur gut sein, ein Gefühl für andere Positionen zu bekommen, das Spiel aus einem anderen Blickwinkel zu sehen“, sagt er.. Das Gefühl, dass er hin- und hergeschoben wird, hat Wiebe, der bei den Löwen schon als Innenverteidiger, im zentralen Mittelfeld und jetzt auf Außen zum Einsatz gekommen ist, nicht.

Wiebe kennt die Herausfordererrolle bei Eintracht Braunschweig

Vielmehr will er dorthin zurück, wo ihn seine Variabilität zu Beginn der Saison gebracht hat. Nämlich auf den Platz. Sein erstes Pokalspiel, sein erstes Zweitliga-Spiel – das alles hat in ihm den Hunger auf Mehr geweckt. „Egal auf welcher Position. Ich versuche, immer mein Bestes zu geben.“ Nun ist Wiebe erneut in der Herausfordererrolle. Er kennt sie nur zu gut. Als er in der vergangenen Saison mitten in der Saisonvorbereitung als Testspieler zur Eintracht kam, rümpften nicht wenige Beobachter die Nase. Sein Vertrag bei Preußen Münster war zuvor nicht verlängert worden. Ein Kreuzbandriss hatte ihn beinahe anderthalb Jahre außer Gefecht gesetzt. Doch mit seinem geradlinigen und cleveren Spiel kämpfte er sich schnell in die Mannschaft, die am Ende den Aufstieg in die 2. Bundesliga schaffte.

Für den schlaksigen Alleskönner geht der Konkurrenzkampf nun von Neuem los. Aber er sagt: „Ich kenne die Situation, habe sie schon ein ums andere Mal durchgemacht. Ich will mich nicht mehr hinten anstellen, sondern im Training und in Kurzeinsätzen zeigen, dass ich in die erste Elf gehöre.“

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