Nkansah will bei Eintracht wieder angreifen

Braunschweig.  Vor einem Jahr war Steffen Nkansah Eintrachts Turm in der Abstiegsschlacht gegen Cottbus. Nun kämpft er um die Rückkehr in die Startelf.

So bejubelte Steffen Nkansah vor einem Jahr den Klassenerhalt mit Eintracht Braunschweig in der 3. Liga. Damals agierte er noch als Abwehrchef. Nun hofft er auf eine neue Chance bei den Löwen.

So bejubelte Steffen Nkansah vor einem Jahr den Klassenerhalt mit Eintracht Braunschweig in der 3. Liga. Damals agierte er noch als Abwehrchef. Nun hofft er auf eine neue Chance bei den Löwen.

Foto: Philipp Ziebart / BestPixels.de

Vor einem Jahr tobte um Steffen Nkansah herum das Chaos. Der Trainer stand hilflos am Spielfeldrand, die Routiniers waren verletzte oder angeschlagene Zuschauer und die meisten Mitspieler so ausgepumpt und platt, dass sie den Gegenspielern kaum noch hinterher laufen konnten. Nur Nkansah und ein paar letzte Abwehrgetreue um Torwart Jasmin Fejzic standen im übertragenen Sinne noch und warfen sich in jeden Ball, den die Cottbuser in den Strafraum der Eintracht brachten. Wie ein Turm ragte der 24-Jährige damals als Abwehrchef in der Abstiegsschlacht am letzten Spieltag der vergangenen Saison heraus und hatte damit entscheidenden Anteil, dass die Braunschweiger nach ihrer starken Aufholjagd in der Rückrunde nicht doch noch den erstmaligen Gang in die Viertklassigkeit antreten mussten.

Doch nach dem glücklichen, aber rettenden 1:1 gegen Cottbus nahm Nkansahs Stellenwert in den folgenden Monaten bei Braunschweigs Drittliga-Fußballern stetig ab. Als designierter Abwehrchef war der ehemalige U23-Spieler von Borussia Mönchengladbach in die Saison gestartet, doch nach durchwachsenen Leistungen zu Beginn, gemischt mit einigen Unsicherheiten, machte ein Teil der Eintracht-Fans den Innenverteidiger sogar als Problemfall aus. Die Folge: Nkansahs Selbstvertrauen litt zusätzlich, und seine persönliche Abwärtsspirale gipfelte in zwei ganz schwachen Auftritten in den Heimspielen gegen Ingolstadt (0:3 und rote Karte Nkansah) sowie gegen Jena (1:1). Nach der letztgenannten Partie fand sich Nkansah nur noch einmal im Kader der Blau-Gelben wieder – vor der Pause hatte er es noch nicht einmal ins Aufgebot geschafft. Es galt fast als ausgeschlossen, dass der Defensivakteur seinen bei der Eintracht im Juni auslaufenden Vertrag verlängern wird.

Doch die Corona-Unterbrechung könnte nun auch für ihn das Signal für einen Neuanfang gewesen sein. „Es war natürlich eine schwierige Situation, wie das alles für mich gelaufen ist“, blickt Nkansah im Gespräch mit unserer Zeitung zurück. „Vor einem Jahr gegen Cottbus haben wir noch eine außergewöhnliche Rückrunde vergoldet“, sagt er und erinnert dabei auch an eine Szene in der Nachspielzeit, als er kurz vor der Linie in höchster Not klären konnte. „Aber die Entwicklung danach hat mir auch nochmal gezeigt, dass Fußball ein Tagesgeschäft ist und man sich nicht auf etwas ausruhen kann.“ Der schnelle Unmut einiger Anhänger über seine schwachen Leistungen hat ihn dennoch getroffen. „Ich kann die Fans zum Teil aber verstehen und weiß, was es bedeutet, für einen Verein wie Eintracht Braunschweig zu spielen“, sagt er. Außerdem hätte er in dieser schweren Phase auch viele positive Nachrichten erhalten, die ihm Mut gemacht hätten.

Nicht nur deswegen blickt er inzwischen zuversichtlicher auf den Neustart bei der Eintracht, bei dem auch die Karten um die Startelfplätze noch einmal neu gemischt werden könnten. Privat erhält er Rückenwind. Es ist erst ein paar Tage her, dass er seiner Freundin Anna einen Heiratsantrag gemacht hat. „Da war ich nervöser als vor meinem ersten Eintracht-Spiel“, berichtet Nkansah und lacht. Doch zum Glück gab es als Antwort ein Ja-Wort, und vielleicht kann das dem Abwehrspieler auch helfen, sich bei der Eintracht seinen ehemaligen Status zurückzuholen.

Nkansah hat jedenfalls mit der Eintracht noch nicht abgeschlossen. Er will wieder angreifen. „Wir wollen alle die Saison zu Ende spielen und haben die Pflicht, da zu sein, wenn es wieder losgeht“, beschreibt er die Stimmung im Team. „Für mich persönlich war die Pause ganz gut, um meine Situation zu reflektieren und die Sinne zu schärfen“, sagt er. Und das Vertragsende in knapp einem Monat? Für Nkansah aktuell kein Thema. Er will aber nicht, dass die schwache Leistung gegen Jena sein letzter Auftritt im Eintracht-Trikot war.

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