Marc Pfitzner ärgert sich über die Pfiffe im Eintracht-Stadion

Braunschweig.  Eintracht-Routinier Marc Pfitzner wünscht sich von den Fans mehr Geduld und Unterstützung für die Löwen.

Marc Pfitzner (rechts) im Test gegen den Hamburger SV. Der Routinier wünscht sich mehr Unterstützung von den Fans.

Marc Pfitzner (rechts) im Test gegen den Hamburger SV. Der Routinier wünscht sich mehr Unterstützung von den Fans.

Foto: Florian Kleinschmidt / BestPixels.de

Wenn es einen Spieler bei Eintracht Braunschweig gibt, der die Atmosphäre im Stadion an der Hamburger Straße kennt, dann ist es Marc Pfitzner. Vor seiner Profi-Karriere stand der gebürtige Braunschweiger bei Spielen der Blau-Gelben oft genug selbst in der Kurve, kaum einer lebt den Verein so wie der 35-jährige Mittelfeldspieler. Deshalb sollte es jedem zumindest zu denken geben, wenn Pfitzner sich nach der 0:3-Niederlage des Fußball-Drittligisten gegen Ingolstadt über die Atmosphäre im Eintracht-Stadion ärgert.

„Ich spiele jetzt nicht mein erstes Spiel hier, und ich weiß, dass es auch mal schnell unruhig werden kann, wenn es nicht so läuft“, sagt der Routinier. Trotzdem würde er sich in vielen Situationen mehr Geduld und Verständnis vom Anhang wünschen. Als Beispiel nennt er eine Szene in den ersten 20 Minuten gegen Ingolstadt, als es noch 0:0 stand. „Ich fand, dass wir gegen Ingolstadt relativ gut ins Spiel reingekommen sind, aber dann spielt einer von uns einen Rückpass auf Jasmin Fejzic – was eben auch mal passiert – und sofort wird wieder das ganze Stadion unruhig. Dafür gibt es keinen Grund“, wundert sich Pfitzner.

Er kennt die Anspruchshaltung in Braunschweig seit seiner Jugend und wünscht sich vom Publikum mehr Verständnis für die Akteure auf dem Platz. „Uns hilft es nur, wenn man uns pusht und wenn wir mit den Fans eine Einheit bilden. Einige von unseren Spielern wissen gar nicht, was es bedeutet, wenn das Stadion hier mal richtig bebt“, hofft Pfitzner auf die entsprechende Anfeuerung in den nächsten Partien. Er erinnert sich noch gut an die Unterstützung aus den guten Jahren der Torsten-Lieberknecht-Ära. Das ist allerdings schon eine Weile her. Doch der Mittelfeldspieler wünscht sich, dass er so eine Atmosphäre wie damals noch einmal während seiner aktiven Zeit bei der Eintracht erleben darf. „Ich weiß, dass wir dazu zunächst in Vorleistung gehen müssen, aber ein bisschen Gefühl für die Situation erwarte ich schon. Deshalb kann ich nicht verstehen, dass man so schnell auf den Tribünen unruhig wird und beginnt lautstark zu pfeifen“, erklärt er.

Mit diesem Anliegen ist er nicht allein. Auch Trainer Christian Flüthmann monierte nach der Pleite gegen Ingolstadt die Reaktion des Anhangs – zumindest eines Teils davon. „Die Unterstützung der Kurve war überragend“, sagte Flüthmann. Er ärgerte sich aber ebenfalls über die frühe Ungeduld des anderen Teils des Publikums. „Natürlich kann man darüber diskutieren, ob man an der Mittellinie zum Torwart zurückspielen muss oder nicht lieber den Nebenmann sucht, aber grundsätzlich muss man auch mal Ruhe ins Spiel bringen“, verteidigt Flüthmann seine Schützlinge für Aktionen, die den einen oder anderen Fan auf die Palme bringen. Ist die Erwartungshaltung in Braunschweig zu hoch? „Ja“, antwortet Flüthmann nach einer kurzen Phase des Nachdenkens.

Damit wird er sich bei dem einen oder anderen Kritiker nicht gerade beliebter machen. Ein Problem ist sicherlich, dass der Trend bei den Löwen nach unten zeigt. Der gute Saisonstart habe Erwartungen geweckt, die vielleicht noch etwas zu früh kommen, findet Flüthmann. Die Krise der vergangenen Wochen würde deshalb wohl etwas schlimmer wahrgenommen, als sie ist.

So oder so werden die Löwen in den nächsten Spielen liefern müssen. Und Pfitzner ist sicher, dass man bereits am kommenden Montag in Münster wieder eine andere Eintracht zu Gesicht bekommt. „Wir haben uns gegen Ingolstadt nicht hängen lassen und werden das auch jetzt nicht tun. Bei uns in der Kabine stimmt es absolut, und wir werden alles dafür tun, dass wir die nächsten Spielen gewinnen“, verspricht er. Außerdem haben sich die Braunschweiger in der Ferne bisher immer leichter getan. „Auswärts sind wir nach Rückschlägen eigentlich immer ganz gut zurückgekommen. Deshalb ist es vielleicht ganz gut, dass wir jetzt ein Auswärtsspiel haben“, sagt Pfitzner. Langfristig müssen die Löwen aber auch im heimischen Stadion überzeugen. Ansonsten wird auch beim verständnisvollsten Fan irgendwann der Geduldsfaden reißen.

Testspiel: MTV Gifhorn – Eintracht Braunschweig (18.30 Uhr, Stadion Flutmulde).

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