Grizzlys Wolfsburg in der Krise – Schweigen vor Iserlohn-Duell

Wolfsburg.  Im Falle einer weiteren Pleite wird es für Trainer Cortina eng beim Wolfsburger Eishockey-Erstligisten. Corona-Patient Möser darf trainieren.

Wie lange bekommt Cheftrainer Pat Cortina (vorn) noch die Rückendeckung von Manager Charly Fliegauf (im Hintergrund)?

Wie lange bekommt Cheftrainer Pat Cortina (vorn) noch die Rückendeckung von Manager Charly Fliegauf (im Hintergrund)?

Foto: City-Press GmbH/Grizzlys/oh

Gesprochen worden war viel in den vergangenen sieben Tagen bei den in der sportlichen Krise befindlichen Grizzlys Wolfsburg, vor allem über den wackelnden Cheftrainer Pat Cortina. Vor dem Heimspiel in der Deutschen Eishockey-Liga am Freitag (18.30 Uhr, live auf Magenta Sport) gegen die gut gestarteten Iserlohn Roosters probiert man es beim Tabellenvorletzten der Gruppe Nord im Vorfeld der Partie nun mit einem anderen Mittel: Schweigen.

„Wir wollen uns heute ohne Kommentare auf morgen vorbereiten“, antwortete Manager Charly Fliegauf am Donnerstagvormittag auf die Gesprächsanfrage unserer Zeitung. Immerhin so viel gab der 60-Jährige preis: „Gerrit Fauser kann nicht spielen.“ Der Vize-Kapitän und Nationalstürmer hatte sich am Mittwoch Ende des zweiten Drittels gegen Düsseldorf (Endstand 1:2 n. V.) eine „Unterkörperverletzung“ mit noch unbekannter Ausfalldauer zugezogen und musste sofort raus. Im Laufe des Donnerstags soll(te) er näher untersucht werden. Mit ihm steigt der Krankenstand der Grizzlys wieder auf drei Spieler. Für Fauser dürfte der junge Verteidiger Steven Raabe in den 21er-Spieltagskader rücken.

Möser darf trainieren

Unterschiedlich gute Nachrichten gibt es von den Dauer-Patienten. Verteidiger Janik Möser erhielt vom Herzspezialisten aus Berlin grünes Licht für die Rückkehr ins Training. Ein abschließendes 24-Stunden-EKG fiel erfreulich aus. „Janik ist zurück auf dem Eis und fängt an zu trainieren“, berichtete Fliegauf. Möser hatte sich seit Oktober wegen einer höchstwahrscheinlich durch eine Corona-Infektion hervorgerufene Herzmuskelentzündung in einer Zwangspause befunden.

Anders sieht es im Fall Dominik Bittner (Bauchmuskelverletzung) aus. Der Nationalverteidiger soll noch bis Ende Januar seine Reha in Stuttgart absolvieren und dann zurück nach Wolfsburg kommen. „Der Heilungsverlauf ist gut“, berichtet der Manager. Auch der Spieler klingt wieder etwas zuversichtlicher, nachdem er die Auswertung des MRT bekommen hat. „Die Verletzung ist an-, aber noch nicht komplett geheilt. Ich mache jeden Tag Fortschritte, trainere mittlerweile wieder mit Gewichten, kann laufen und leichte Sprünge machen“, erzählte Bittner. Allerdings ist offen, wie lange es noch bis zum ersehnten Comeback dauert. „Ich darf vorsichtig anfangen, eishockeyspezifische Sachen zu machen. Letztlich muss ich aber nach meiner Rückkehr nach Wolfsburg erst auch noch auf dem Eis fit werden und schmerzfrei sein“, sagte der in der Abwehr arg fehlende Leistungsträger.

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Trainer unter Druck

Für Fliegauf stellt sich die Personallage mit Blick auf eventuelle Nachverpflichtungen nicht eindeutig dar. Zumal zurzeit drei deutsche Spieler fehlen, sodass der Transfer eines ausländischen Profis nur bedingt hülfe. Elf Lizenzen darf jeder Klub vergeben, aber nur neun Imports pro Match einsetzen. Genau so viele, wie bereits im Wolfsburger Kader stehen. Der Markt für deutsche Spieler ist fast leergefegt. Ein Kandidat für die Abwehr wäre wohl einzig der Deutsch-Kanadier Brett Festerling (zuletzt Nürnberg), der Bruder des Grizzlys-Centers Garrett Festerling.

Für den stark in der Kritik stehenden Wolfsburger Cheftrainer Cortina wird das anstehende Heimspiel gegen Iserlohn ein ganz wichtiges, um seine Position zu festigen. Sollten die Grizzlys erneut verlieren, werden die Forderungen der Fans nach einer Trainerentlassung noch zahlreicher werden in den sozialen Netzwerken. Finanziell wie aufgrund von nur wenigen Alternativen auf dem Markt käme ein Trainerwechsel mitten im Corona-Lockdown zur Unzeit für die Grizzlys. Das wissen auch die Verantwortlichen in Geschäftsführung und Aufsichtsrat und haben deshalb bisher Ruhe bewahrt, zumal auch noch kein Zerwürfnis zwischen Team und Trainerstab offen zu Tage getreten ist.

Ex-Grizzly Aubin ist heiß

Doch ohne ein Ende des Abwärtstrends beim Tabellenvorletzten könnte sich die Lage rasch ändern. Platz 4 in der Gruppe und somit die Play-off-Teilnahme ist das Minimalziel des Klubs. Das fordern auch die Fans, unter denen die Gruppe der Cortina-Gegner seit dem Amtsantritt des Coaches im Sommer 2019 schon immer beachtlich war, in den vergangenen Wochen aber noch gewachsen ist.

Freitag-Gegner Iserlohn befindet sich im Unterschied zu Wolfsburg derzeit auf einem Höhenflug. Mit fünf Siegen (darunter ein etwas glückliches 5:3 gegen die Grizzlys) aus sieben Spielen mischen die Sauerländer an der Spitze der Gruppe Nord mit. Sie kommen mit drei Ex-Grizzlys: den Verteidigern Torsten Ankert und Philip Riefers sowie dem im Frühjahr aussortierten Stürmer Brent Aubin. Und „Aubi“ (fünf Tore, drei Assists) hat einen Lauf, traf zweimal in Überzahl beim 6:5 gegen Köln am Mittwoch. Der Frankokanadier ist heiß auf die Grizzlys. Schießt er seinen Ex-Trainer ab?

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