Neues Grizzlys-Sturmzentrum so tief besetzt wie nie zuvor

Wolfsburg.  Eishockey-Erstligist Grizzlys Wolfsburg verfügt über ein viel versprechendes Center-Quartett. Aber es tritt ein schweres Erbe an.

Hoffnungsträger fürs Sturmzentrum: Neuzugang Matti Järvinen vervollständigt das Grizzlys-Quartett.

Hoffnungsträger fürs Sturmzentrum: Neuzugang Matti Järvinen vervollständigt das Grizzlys-Quartett.

Foto: City-Press GmbH / Grizzlys Wolfsburg/oh

Der Center ist im Eishockey der Kopf der Sturmreihe. Im Zentrum gibt er den Takt und das Tempo vor und sorgt im Optimalfall für die Ideen im Spiel. Dreimal standen die Grizzlys Wolfsburg in ihrer Geschichte im Play-off-Finale der DEL, dreimal hatten ihre Mittelstürmer entscheidenden Anteil am Erfolg. Aber tiefer und ausgeglichener als in dieser Saison war die Mannschaft auf dieser Position wohl noch nie besetzt.

Der finnische Neuzugang Matti Järvinen sowie der Norweger Mathis Olimb, der Deutsch-Kanadier Garrett Festerling und der Deutsche Fabio Pfohl aus dem Kader des vergangenen Jahres bilden 2020/21 das etatmäßige Center-Quartett. Im Vorfeld fällt es schwer, sich in der Frage auf eine klare Hierarchie festzulegen. Sollte einer ausfallen, hat Trainer Pat Cortina auch noch Gerrit Fauser in der Hinterhand, der diese Position schon häufiger und in manchen Spielzeiten über längere Strecken ganz erfolgreich bekleidete.

Schweres Erbe

Die aktuelle Besetzung klingt sehr viel versprechend. Allerdings treten die Grizzlys-Center ein schweres Erbe an, wenn man sich die Namen aus den Vizemeister-Saisons anschaut.

In 2010/11 führten Jason Ulmer (50 Hauptrunden-Spiele/7 Tore/33 Assists/Plus-Minus-Bilanz +2), Tyler Haskins (49/11/28/+22), Kai Hospelt (52/13/16/+6) und David Sulkovsky (52/7/5/-1) oder Andrei Strakhov (33/4/4/0) die Angriffsreihen an.

Durchbruch für Pfohl

In 2015/16 waren es Tyler Haskins (49/12/31/+2), Mark Voakes (45/17/24/+17), Gerrit Fauser (52/13/10/+3) und Tyson Mulock (42/10/10/+3) oder der damals zu Saisonbeginn erst 19-jährige Pfohl (51/8/22/-6).

Und 2016/17 war es im Grunde das gleiche Quintett mit folgender Ausbeute: Voakes (50/11/33/+1), Haskins (42/7/27/11), Fauser (50/11/14/7), Pfohl (46/8/14/-2) und Mulock (50/4/7/-3).

Vierte Reihe besser besetzt

Von der Papierform her sind die Grizzlys in Reihe 4 in der Angriffsmitte auf jeden Fall besser besetzt als in den drei Vergleichsjahren. Die Frage wird nur sein, ob sich Top-Center herauskristallisieren, die an die Leistungen Ulmers, Haskins’ und Voakes’ herankommen.

Einen „Magier“ wie den mittlerweile in München spielenden Voakes haben die Grizzlys nicht im Kader. Der Kanadier hat goldene Hände und liest das Spiel wie kaum ein anderer in der Liga. Doch mit Olimb und Pfohl verfügen auch die Wolfsburger über zwei technisch starke Mittelstürmer, die brillante Pässe spielen können. Und Festerling und Järvinen sind auch weit davon entfernt, Holzhände zu haben.

Järvinen mit Zug zum Tor

Ein echter Nachfolger Haskins’, der mit seinen unwiderstehlichen Antritten und seiner ekligen Spielweise die Gegner nervte, ist ebenfalls nicht in Sicht. Aber: Järvinen hat nicht nur dank seiner zwei Tore gegen Düsseldorf im Magenta-Sport-Cup bewiesen, dass er läuferische Klasse und Zug zum Tor besitzt. Der 1,95-Meter-Hüne scheint schwer zu stoppen, wenn er einmal in Fahrt ist. Auch Olimbs Tempo und Wendigkeit sind überdurchschnittlich in der Liga.

In Festerling, der vergangene Saison mit 13 Treffern der torgefährlichste Grizzlys-Center war, steht zudem ein kompletter Mittelstürmer ohne große Schwächen zur Verfügung. Wenn dann noch Pfohl als jüngster des Stamm-Quartetts in seiner ersten kompletten Grizzlys-Saison nach der Rückkehr aus Köln sein Potenzial weiter ausschöpft, dürfte die Mannschaft auf dieser Position keine Probleme bekommen. Im Gegenteil: In spielentscheidenden Situationen, zum Beispiel in Überzahl oder im Falle eines Rückstands kurz vor Schluss bei 6 gegen 5, schicken die Trainer gerne zwei Center aufs Eis. Wohl dem, der dann genügend Auswahl hat.

Bullyspiel verbesserungswürdig

Wo die Grizzlys-Center indes zulegen müssen, ist im Bullyspiel. Zuletzt lag ihre Gesamt-Erfolgsquote bei den Anspielen zumeist unter 50 Prozent. Allerdings garantierte in der Vergangenheit nur Voakes dauerhaft Top-Werte und regelmäßigen Puckbesitz. Vielleicht hebt nun Järvinen den Schnitt.

Nun kommt es aber erst einmal vor allem darauf an, für jeden Center die richtigen Nebenleute zu finden. Cortina setzt hierbei zumeist auf Pärchenbildung, experimentiert aber oft mit dem dritten Mitspieler. „Wir wissen, dass Mathis Olimb mit Spencer Machacek oder Max Görtz spielen kann. Wir wissen auch, dass Fabio Pfohl, Anthony Rech und Gerrit Fauser vergangene Saison eine gute Phase zusammen hatten“, führt Cortina Kombinationsbeispiele an. Um aber im Fall von zu erwartenden Ausfällen vorbereitet zu sein, möchte er einiges testen. „Je näher die Saison rückt, desto häufiger werden wir jedoch die Idealbesetzungen spielen lassen.

Zurück zu alter Stärke?

Und in denen wird sich dann zeigen, ob die neue Tiefe im Angriffszentrum die Grizzlys zurück zu alter Stärke führt. Ausgeglichener jedenfalls waren sie nie zuvor besetzt. Auch nicht in den drei Vizemeister-Saisons.

Spieltag 2 des Magenta-Sport-Cups:

Zwei personelle Änderungen bahnen sich vor dem 2. Spieltag des Magenta-Sport-Cups bei den Grizzlys Wolfsburg an. Torwart Dustin Strahlmeier (statt Chet Pickard) und Verteidiger Maximilian Adam (eventuell statt Stürmer Jan Nijenhuis) stehen vor einem Einsatz für den Eishockey-Erstligisten am Dienstag im Auswärtsspiel bei den Krefeld Pinguinen.

„Wir werden den Kader etwas verändern, um den Jungs, die am Samstag nicht zum Einsatz kamen, auch eine Chance zu geben“, sagt Grizzlys-Trainer Pat Cortina. Noch keine Alternative ist hingegen Janik Möser (krank). Eigengewächs Steven Raabe soll zudem geschont werden, nachdem er am Wochenende zwei Spiele für den Oberligisten Hannover Indians (5:0 in Hamm und 5:4 gegen Rostock) absolviert hatte.

Cortina schützt Melchiori

Weiter Praxis sammeln soll Neuzugang Julian Melchiori . Beim 7:0 gegen Düsseldorf am Samstag hatte der kanadische Verteidiger sein Debüt gegeben, wirkte aber in einigen Szenen noch wackelig. „Julian hatte in den vergangenen Monaten wenig Eiszeit und hat mindestens einen Monat Trainingsrückstand. Es wäre deshalb nicht fair, ihn nun schon zu beurteilen“, sagt Cortina. „Ich mache mir seinetwegen keine Sorgen. Er wird uns eine große Hilfe sein.“

Gegner Krefeld erwartet der Coach stärker als zuletzt die ersatzgeschwächte DEG. „Krefeld spielt mit hohem Tempo, viel hoch und runter und mit Kontern“, berichtet Cortina von seinen Eindrücken aus dem Auftaktmatch der Pinguine in Bremerhaven (Endstand 1:3). Fünf Ex-Wolfsburger stehen im Krefelder Team: Wade Bergman und Lucas Lessio spielten vergangene Saison noch bei den Grizzlys. Bei Torsten Ankert, Kris Foucault und Kai Hospelt liegt die Wolfsburg-Zeit schon etwas länger zurück.

Krefeld – Grizzlys Wolfsburg, Dienstag, 19.30 Uhr, live im Abo bei Magenta Sport.

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