Melchiori – „schwierigster Transfer“ der Grizzlys Wolfsburg

Wolfsburg.  Eishockey-Erstligist Grizzlys Wolfsburg verkündet die Verpflichtung des kanadischen Abwehrhünen Julian Melchiori. Ein Transfer auf Umwegen.

Julian Melchiori heißt der neue kanadische Topverteidiger der Grizzlys Wolfsburg.

Julian Melchiori heißt der neue kanadische Topverteidiger der Grizzlys Wolfsburg.

Foto: Grizzlys Wolfsburg / oh

Der neue ausländische Topverteidiger der Grizzlys Wolfsburg ist gefunden. Am Dienstag verkündete der Eishockey-Erstligist die Verpflichtung des Kanadiers Julian Melchiori (28), der bereits seit dem Wochenende in der VW-Stadt weilt und in der wegen Corona derzeit völlig abgeschotteten Eis-Arena auch schon unbeobachtet mit dem Team trainieren konnte. Der 1,95 Meter große und 101 Kilogramm schwere Abwehrhüne erhält einen mit Saisonbeginn gültigen Ein-Jahres-Vertrag. Der Transfer war ein echter Kraftakt.

Doch zuerst zur Person: Melchiori verfügt sogar über NHL-Erfahrung. Zwischen 2013 und 2017 absolvierte er insgesamt 30 Spiele (zwei Assists) in der nordamerikanischen Top-Liga für Winnipeg. Ansonsten war die darunter befindliche AHL seine sportliche Heimat. 446 Partien (89 Scorerpunkte) stehen dort für ihn zu Buche.

Russland war erste Wahl

Lange hatte es nicht danach ausgesehen, dass die Grizzlys ihn verpflichten können. Nach der vergangenen AHL-Saison bei den Binghamton Devils (61 Spiele, sechs Tore, elf Assists/Plus-Minus-Bilanz -7) unterbreiteten ihm auch die Grizzlys ein Angebot. „Wir hatten Julian bereits im vergangenen Jahr auf dem Schirm“, berichtet Manager Charly Fliegauf. Doch Melchiori unterschrieb Mitte Juli einen Vertrag beim russischen KHL-Klub Neftekhimik aus der Stadt Nischnekamsk in Tatarstan. Die Grizzlys hatten den Transferpoker erst einmal verloren. Doch beim aktuell Vorletzten der Ost-Staffel der KHL kam Melchiori nicht zum Einsatz. „Als ich das sah, schickte ich ihm eine Nachricht und fragte nach den Gründen“, erzählt Fliegauf.

Die Antwort überraschte den Manager: Wegen der unklaren Corona-Lage in Russland hatte Melchiori die Reise dorthin trotz Vertrags nie angetreten. Die Grizzlys witterten wieder ihre Chance, erneuerten ihr Angebot und traten nach der Einigung mit dem Spieler in die Verhandlungen mit den Russen ein. „Das war der schwierigste Transfer, den ich je mit abgewickelt habe“, sagt Fliegauf. „Es waren viele Leute involviert. Am Ende hat sich Julian selbst ein wenig rausgekauft, weil er unbedingt bei uns spielen wollte.“

Ausreise blockiert

Als die eine Hürde übersprungen war, stand Melchiori vor der nächsten. Fliegauf: „Als er aus Kanada ausreisen wollte, ließen ihn die Behörden aufgrund von coronabedingten Reisebeschränkungen nicht ins Flugzeug. Wir haben dann in Wolfsburg bei der Stadt entsprechende Papiere besorgt. Am nächsten Tag unternahm er einen neuen Versuch. Diesmal durfte er ausreisen, aber seine Freundin nicht. Sie kommt nun später nach.“

Melchiori ist ein Linksschütze, erhält bei den Grizzlys die Trikotnummer 44 und wird die gesamte restliche Vorbereitung auf die neue Saison gemeinsam mit dem Team bestreiten. Bereits am Samstag (17 Uhr, Eis-Arena/live bei Magenta Sport) könnte er sein Debüt geben. „Julian ist ein stabiler Allrounder, mit Leadership und körperlicher Präsenz vor dem eigenen Tor, der viel Eiszeit bekommen und ein wichtiger Pfeiler in unserer Abwehr sein wird“, sagt Fliegauf.

Vorerst keine Transfers mehr

Damit haben die Wolfsburger nun neun Ausländerstellen besetzt. Mehr Imports dürfen pro Spiel auch nicht eingesetzt werden. Jeder Klub besitzt aber elf Lizenzen. Zwei ausländische Profis könnten die Grizzlys noch verpflichten. Möglich ist, dass noch ein Allrounder kommt. Fliegauf: „Vor der Entscheidung über den DEL-Start am 19. November passiert aber nichts mehr.“

Der Grizzlys Kader:

Tor: Chet Pickard, Dustin Strahlmeier (neu).

Abwehr: Julian Melchiori (CAN/neu), Jeff Likens (USA), Phillip Bruggisser (DEN/neu), Janik Möser (neu), Armin Wurm, Dominik Bittner, Ryan Button, Maximilian Adam (U23), Steven Raabe (U23).

Angriff: Sebastian Furchner, Gerrit Fauser, Garrett Festerling, Phil Hungerecker (neu), Anthony Rech (FRA), Max Görtz (SWE/neu), Mathis Olimb (NOR), Matti Järvinen (FIN/neu), Valentin Busch (U23), Jan Nijenhuis (U23), Jordan Boucher (CAN/neu), Spencer Machacek (CAN), Fabio Pfohl.

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