Grizzlys-Neuzugang Strahlmeier ist pro Spieler-Gewerkschaft

Wolfsburg.  Bis Sonntag sollen die Klubs der Deutschen Eishockey-Liga ihre Lizenz beantragen. Aber ein Streit zwischen Profis und Liga verschärft die Lage.

Grizzlys-Neuzugang Dustin Strahlmeier (rechts, hier beim Laktattest) unterstützt die Forderung nach einer Spielergewerkschaft.

Grizzlys-Neuzugang Dustin Strahlmeier (rechts, hier beim Laktattest) unterstützt die Forderung nach einer Spielergewerkschaft.

Foto: Anja Weber / regios24

Bis Sonntag sollen die Klubs der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ihre Lizenzunterlagen für die nächste Saison einreichen. Auf der Basis eines bis zu 25-prozentigen Gehaltsverzichts der Spieler aufgrund der zu erwartenden Einnahmeverluste der Klubs in der Corona-Krise. Dieses Zugeständnis fordert jedenfalls die DEL von den Akteuren. Andernfalls drohe manchem Standort das Aus. Kurz vor Ablauf der Frist ist ein Streit entbrannt. Prominente deutsche Profis gehen voran und wollen eine Spielergewerkschaft gründen. Es droht ein Streit in eh schweren Zeiten.

Als Vorkämpfer treten derzeit Kölns Verteidiger Moritz Müller und Nürnbergs Stürmer Patrick Reimer auf. „Wir wollen den Vereinen gerne helfen und sie nicht im Stich lassen, aber wir wollen Offenheit“, forderte Nationalspieler Müller im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst, bemängelte den mancherorts nicht ausreichenden Dialog und kritisierte den Zeitdruck, den die DEL ausübe. Ohnehin glaube er nicht an eine einheitliche Lösung, da die Probleme der Klubs zu unterschiedlich seien.

In Wolfsburg, das dank seines starken Hauptsponsors Volkswagen finanziell vergleichsweise gut dasteht in der Krise, geben sich die Protagonisten derzeit zugeknöpft. Vize-Kapitän Gerrit Fauser hatte sich zuletzt immerhin zu dem Thema geäußert und eine „grundsätzliche Bereitschaft“ zu einem Gehaltsverzicht signalisiert, ohne auf die Höhe einzugehen.

Plan der DEL ist es, den Spielern zwar 75 Prozent des vertraglich vereinbarten Gehalts auszuzahlen, die anderen 25 Prozent aber davon abhängig zu machen, ob die Klubs 100 Prozent des Vorjahres-Umsatzes erreichen. Liegt dieser nur bei 75 Prozent oder darunter, wird kein weiteres Geld ausgezahlt. Ansonsten sollen die Spieler den entsprechenden Anteil nachgezahlt bekommen. Außerdem, so berichteten kürzlich die Eishockey-News, geht es um eine Kurzarbeiter-Geld-Lösung für den Fall, dass die Saison wegen der Corona-Pandemie später beginnt oder unterbrochen werden muss. Von – je nach Vertrag – maximal 2900 Euro netto monatlich (plus Auto und Wohnung) ist die Rede.

Die Fronten zwischen DEL und Spielern sollen mittlerweile verhärtet sein. Zuletzt unterschrieben angeblich mehr als 80 DEL-Profis ein Interessenpapier. Auch einen Anwalt hat die Spielerseite längst eingeschaltet. Der Schritt zur Gründung einer Gewerkschaft scheint nicht mehr fern. „Ich fände es gut, wenn eine Gewerkschaft gegründet würde. In einer Situation wie der jetzigen gäbe es dann auch einen Ansprechpartner für die Liga. Das wäre für beide Seiten gut. Mehr möchte ich dazu im Moment aber nicht sagen“, sagte Grizzlys-Neuzugang Dustin Strahlmeier auf Anfrage unserer Zeitung. Wie der Nationaltorwart denken derzeit offenbar viele Profis. Nur öffentlich zu sagen, trauen sich nur wenige.

Zumal die genauen Corona-Konsequenzen noch lange nicht absehbar sind. Die DEL hat mittlerweile mehrere Szenarien für die Saison 2020/21 entworfen. Noch steht der 18. September als Starttermin. Spätester Beginn für eine Hauptrunde mit 52 Partien pro Team und drei Spielen pro Woche wäre Mitte/Ende Dezember. In dem Fall fielen die Play-offs aber aus. Die Bundesregierung hat Großveranstaltungen bis einschließlich 31. August untersagt. Das Bundesland Berlin, Sitz des DEL-Klubs Eisbären, hat von seiner Länderhoheit Gebrauch gemacht und Großveranstaltungen mit mehr als 5000 Zuschauern sogar bis einschließlich 24. Oktober verboten.

Ob der vielen Unbekannten scheint eine schnelle Einigung zwischen DEL und Spielern fraglich.

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