Grizzlys: Auftakt einer nicht normalen Vorbereitung

Wolfsburg.  Der Wolfsburger Eishockey-Erstligist startet mit Fitnesstests. Wann die Spieler wieder aufs Eis gehen können, ist noch völlig offen.

Ein kleiner Pieks: Gerald Wirth vom Wolfsburger Institut für Trainingsoptimierung nimmt Grizzlys-Neuzugang Phil Hungerecker nach einer Runde auf dem Fahrrad Blut ab.

Ein kleiner Pieks: Gerald Wirth vom Wolfsburger Institut für Trainingsoptimierung nimmt Grizzlys-Neuzugang Phil Hungerecker nach einer Runde auf dem Fahrrad Blut ab.

Foto: Anja Weber / regios24

Auch Eishockey-Profis müssen hin und wieder mal zeitig aufstehen. Für die der Wolfsburger Grizzlys ist die coronabedingte Pause seit Freitag vorbei. Als Erster bekam das Maxi Adam zu spüren. Der Verteidiger des Erstligisten musste um 8 Uhr im Leistungszentrum am Elsterweg aufs Rad steigen, um seinen Fitnesszustand unter Beweis zu stellen. Es war der Auftakt in eine Saisonvorbereitung, die alles andere als normal ablaufen wird.

Denn vieles ist noch unklar. Zum Beispiel die existenzielle Frage, wann die neue DEL-Spielzeit überhaupt beginnen kann. Erst einmal bis Ende August sind Großveranstaltungen bundesweit verboten. Darunter fallen auch Eishockey-Spiele. Wie es danach weitergeht, hängt vom weiteren Infektionsverlauf ab. Noch ist der erste Spieltag der neuen DEL-Saison für den 18. September terminiert. „Aktuell planen wir nach wie vor so, dass wir zum 18. September starten könnten“, verrät Charly Fliegauf, der Manager der Grizzlys, auf der vereinseigenen Homepage.

Ob es so kommt? Unwahrscheinlich. Zumal sich für die Eishockey-Klubs Geisterspiele, wie sie nun in der Fußball-Bundesliga durchgeführt werden, nicht lohnen. Das war auch der Hauptgrund, warum die vergangene Saison nach Ausbruch der Corona-Pandemie frühzeitig abgebrochen worden war. „Es gibt viele Szenarien, die in der Schublade liegen“, sagt Fliegauf mit Blick auf das, was da kommen könnte. Wie im Fußball auch sind die DEL-Klubs davon abhängig, was die Politik für Regeln vorgibt.

Viele Fragezeichen, aber irgendwann musste es ja wieder losgehen. Bei den Grizzlys war das am Freitag der Fall. Die deutschen Spieler starteten mit Bike-Tests, bei denen mittels des Laktatwertes der Fitnesszustand bestimmt wurde, in die erste Phase der Vorbereitung. Am Samstag geht’s für die zehn Profis, darunter die beiden Neuzugänge Phil Hungerecker (Stürmer; Mannheim) und Dustin Strahlmeier (Torwart; Schwenningen), dann in den Kraftraum der Eis-Arena. Alles natürlich – wie es dieser Tage geboten ist – unter Einhaltung strenger Hygienevorschriften. Daher wird alles in drei Gruppen und zu unterschiedlichen Zeiten absolviert.

Nicht nur die deutschen, auch die ausländischen Spieler sind gefordert. Sie reisen noch nicht an, haben aber individuelle Pläne von Grizzlys-Fitnesscoach Peter Kruse bekommen. Die Wolfsburger versuchen, das Beste aus der schwierigen Situation zu machen. Aber die Corona-Pandemie „beeinträchtigt die Planung erheblich“, gibt Fliegauf zu. So ist offen, wann die Grizzlys mit dem Eistraining beginnen oder ob Testspiele stattfinden können. Den Verantwortlichen am Ruder bleibt nicht anderes übrig, als ihr Schiff auf Sicht durch den Corona-Nebel zu fahren.

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Nicht nur die Vorbereitung ist schwierig, auch die Kaderplanung ist betroffen. Noch ist das Aufgebot der Grizzlys nicht vollständig. Aber aktuell, das bestätigt Fliegauf, werden keine Gespräche mit potenziellen Neuzugängen geführt. „Wir, das heißt die Trainer und ich, schauen uns derzeit viele Videos von Spielern für uns an“, erklärt der erfahrene Manager, der eine solche Situation jedoch auch noch nie erlebt habt. Das macht es so schwer, zukunftssicher zu planen.

Zumal über allem die Finanzfrage als Damokles-Schwert hängt. Keine Spiele bedeuten keine Einkünfte bedeuten Existenzängste. „Natürlich machen wir uns auch Sorgen, was die nächsten Wochen und Monate bringen werden. Die Auswirkungen der Pandemie sind aktuell noch gar nicht zu beziffern“, so Fliegauf, der dennoch überzeugt ist, dass seine Grizzlys da durchkommen. „Wir haben immer sehr gut gewirtschaftet und sind solide aufgestellt“, sagt der 59-Jährige.

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