Fliegauf: Grizzlys dürfen am 8. Mai mit dem Training starten

Wolfsburg.  Im Interview spricht der Manager des Wolfsburger Eishockey-Erstligisten über Probleme und Lösungen in der Krise und macht Hoffnung.

Nachdenklich: Grizzlys-Manager Charly Fliegauf und seine DEL-Kollegen müssen sich in schwierigen Zeiten auf alle Eventualitäten vorbereiten.

Nachdenklich: Grizzlys-Manager Charly Fliegauf und seine DEL-Kollegen müssen sich in schwierigen Zeiten auf alle Eventualitäten vorbereiten.

Foto: Darius Simka / regios 24

Charly Fliegauf hat in seinen 13 Jahren als Steuermann des Grizzlys-Schiffes schon so manche Klippe umschiffen müssen. Doch die Vorbereitung auf die DEL-Saison 2020/21, deren Beginn und Umfang aufgrund der Corona-Pandemie derzeit schwer vorhersehbar ist, stellt vermutlich die größte bisherige Herausforderung für den Manager des Wolfsburger Eishockey-Erstligisten dar. Im Interview mit unserer Zeitung gibt der 59-Jährige einen Überblick über die verzwickte Lage, spricht über mögliche Wege aus der Krise und erste Hoffnungsschimmer.

Herr Fliegauf, wie sieht Ihr Arbeitsalltag im Moment aus?

Täglich von 9 bis 14 Uhr bin ich im Büro. Außer mir sind meist nur mein Geschäftsführer-Kollege Rainer Schumacher und eine weitere Mitarbeiterin vor Ort. Alle anderen arbeiten großteils aus dem Homeoffice. Unsere Mitarbeiter befinden sich aber nach wie vor in Kurzarbeit. Wie lange noch, hängt davon ab, wann die DEL starten kann. Derzeit bereiten wir alles für einen Vorbereitungsstart Ende Juli vor. Für meine Arbeit ist es wichtig, dass ich in meinem Büro weiter den direkten Zugriff auf viele Unterlagen habe. Der aktuelle Zustand ist aber sehr ungewohnt und wird hoffentlich nicht zum Normalfall.

Ende Juli müssen dann auch alle Spieler wieder zum gemeinsamen Training in Wolfsburg sein?

Bei den Spielern ist es so: Wir haben vom Wolfsburger Gesundheitsamt eine Ausnahmegenehmigung bekommen, dass die Jungs das Training aufnehmen dürfen. Die erste Phase des Sommertrainings beginnt am 8. Mai. Dann starten die einheimischen Spieler, insgesamt zwölf oder 13, mit dem Leistungstest auf dem Ergometer im Institut für Trainingsoptimierung bei Dr. André Albrecht. Anschließend werden sie die folgenden zwei Wochen in Kleingruppen trainieren. Die Hygiene-Vorschriften und Abstandsregeln können wir einhalten. Trainiert wird immer in zwei, drei Gruppen und zeitlich versetzt. Duschen werden die Spieler zu Hause. Unsere Import-Profis, die nicht vor Ort sind, müssen diese Trainings und Tests in ihrer Heimat absolvieren, damit alle auf ein einheitliches Niveau kommen. Ihnen habe ich auch bereits angekündigt, dass sie damit rechnen sollen, zwei Wochen vor dem geplanten Start des Mannschaftstrainings nach Wolfsburg zu kommen, um gegebenenfalls eine zweiwöchige Quarantäne absolvieren zu können.

Sind denn aktuell alle gesund?

Bis jetzt ist alles okay. Keiner ist krank oder verletzt. Ich erkundige mich aber nicht öfter als in anderen Sommerpausen bei ihnen, sondern erwarte, dass sie sich von selbst melden, wenn etwas ist.

Die Ungewissheit erfordert viel Flexibilität...

Ja. Ich habe mit den Trainern eine Vorbereitung durchgeplant und Eiszeiten koordiniert. Die Testspiele, die notfalls ohne Zuschauer stattfinden könnten, stehen. Als Titelverteidiger haben wir wieder eine Einladung zum Gäuboden-Cup in Straubing. Anschließend wollten wir nach Österreich und dort ein Spiel gegen Salzburg bestreiten. Aber alles in der Annahme, dass die Saison Mitte September starten kann. Das Problem ist: Wir können alles nur vorbereiten, aber fast nichts final abschließen. Schließlich wissen wir nicht, ob es auch so eintritt. Selbst Hotelreservierungen oder Busbestellungen auf der Basis des erstellten Spielplans erfolgen nur unter Vorbehalt. Man bringt nichts weg vom Schreibtisch.

Haben Sie sich mittlerweile auf mehrere mögliche Szenarien für die Saison 2020/21 eingestellt?

Momentan liegt mein Fokus weiter auf einem Start Mitte September. Durch die Ankündigung Berlins jedoch, Sportveranstaltungen mit Zuschauern bis zum 24. Oktober zu verbieten, wackelt der DEL-Start. Ich wünsche mir eine bundesweit einheitliche Regelung, wie sie von der Bundesregierung mit dem 31. August ausgegeben worden war. Daran haben wir als Liga und Klubs uns orientiert. Sollte die Vorgabe aus Berlin bestehenbleiben, wäre das zweite Szenario, dass die DEL Ende Oktober startet. Es wäre eine Verzögerung um sechs Wochen, aber von der Spielplangestaltung her gäbe es noch Möglichkeiten. Für den Fall ist die Liga dabei zu überlegen, was man machen kann. Verkürzt man die Play-offs, oder spielt man nur eine Hauptrunde. Diese Fragen gilt es zu klären. Wir haben zwei, drei Pläne für diesen Fall in der Schublade.

Gibt es Szenarien, die Sie grundsätzlich ausschließen?

Ausgeschlossen ist, und da ist sich die Liga einig, eine Saison ohne Zuschauer. Das wäre wirtschaftlich für niemanden darstellbar.

Stichwort Wirtschaft – die ungewisse Zukunft erschwert die finanzielle Planung. Sie haben noch Positionen im Team offen. Wie gehen Sie bei Spielertransfers vor?

Alle Klubs sorgen sich derzeit um die wirtschaftliche Situation. Deshalb sucht die Liga gemeinsam Lösungen, wie man in puncto Spielergehälter Vorkehrungen treffen und Anpassungen vornehmen kann, für den Fall, dass die Saison später beginnt oder kürzer ausfällt. Auch im Hinblick auf die Mitte Mai anstehende Lizenzierung der Klubs. Die Rahmendaten dafür müssen neu abgesteckt werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir uns als DEL einen Transferstopp für einen bestimmten Zeitraum auferlegen, um die eigenen Budgets neu zu kalkulieren. Auf jeden DEL-Klub kommen neben den Einnahme-Ausfällen wegen der Corona-Pandemie Nachzahlungen in sechsstelliger Höhe an die Berufsgenossenschaft aufgrund deutlich gestiegener Beiträge zu. Können wir die in Raten zahlen, oder sind Stundungen möglich? Außerdem gibt es noch keinen neuen Liga-Sponsor. Ungeklärt ist, wie es sich mit Kurzarbeitergeld für die Spieler mit Zwölf-Monats-Verträgen verhält. Da liegt viel Arbeit vor den Verantwortlichen. Zumal die Klubs auch klären müssen, ob ihre Sponsoren die zugesagte Unterstützung trotz Corona aufrechterhalten können. Deshalb arbeiten wir an einheitlichen Parametern, wie die Spielerverträge – bestehende und neu abzuschließende – angepasst werden können, damit die Klubs auch in Corona-Zeiten überleben können. Die Spieler und ihre Berater wissen, dass wir alle in einem Boot sitzen, und dass es unabhängig vom Start-Termin eine ganz schwierige Saison für alle wird. Wir befinden uns da in Gesprächen.

Denken Sie, dass sich die Klub-Hierarchie in der DEL durch die aktuellen Probleme verändern könnte?

Ich denke, nein. Die Klubs, die vorwegmarschieren wie Mannheim oder München, werden auch weiter im Verhältnis das meiste Geld zur Verfügung haben. Das wird sich auch in der Tabelle niederschlagen. Vielleicht gibt es im Mittelfeld ein paar kleine Verschiebungen.

Erwarten Sie, dass die noch ausstehenden Transfers der DEL-Klubs aufgrund der Krise weniger hochwertig ausfallen könnten als in den Saisons zuvor?

Das könnte durchaus sein. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, wo die Klubs stehen. Die müssen dann für sich entscheiden, was sie sich leisten können. Auch wir müssen nun noch ein bisschen sensibler kalkulieren. Aber ich bin noch sehr optimistisch, dass wir mit nur kleinen Einschränkungen am Transfermarkt agieren können. Unser wichtiger Hauptsponsor Volkswagen hat bisher keine Signale gesendet, dass die erfolgten Zusagen nicht eingehalten werden können. Das heißt aber nicht, dass wir uns keine Sorgen machen müssen.

Die zweite wichtige Einnahmequelle der Klubs neben den Sponsoren ist der Ticketverkauf. Können Sie derzeit überhaupt Dauerkarten anbieten?

Wir wollten eigentlich früher als in den Jahren zuvor damit beginnen. Das machen wir nun nicht. Im Hintergrund bereiten wir alles vor. Wir werden den Verkauf aber erst starten, wenn wir wissen, ab wann und wie gespielt wird.

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