Grizzlys-Neuzugang Casto: Über Umweg Wolfsburg in die NHL

Wolfsburg.  Der US-Amerikaner hinterlässt in seinem ersten Training einen positiven Eindruck. Nach der Einheit übernimmt Furchner die Regie – sehen Sie selbst.

Grizzlys-Neuzugang Chris Casto deutete schon bei seiner Trainingspremiere an, dass er vor dem eigenen Tor aufräumen wird.

Grizzlys-Neuzugang Chris Casto deutete schon bei seiner Trainingspremiere an, dass er vor dem eigenen Tor aufräumen wird.

Foto: Helge Landmann / regios24

Der Neue ist da und hinterließ gleich einen guten Eindruck in seinem ersten Training mit den Grizzlys. Verteidiger Chris Casto fiel allein schon aufgrund seiner kräftigen Statur unter den vielen eher kleineren Spielern des Wolfsburger Eishockey-Erstligisten auf. Trainer Pat Cortina zeigte sich zufrieden mit dem Gesehenen: „Chris verfügt über einen guten Konditionslevel.“

Wolfsburg als „kleiner Umweg“ in die NHL

Entsprechend entspannt wirkte der US-Amerikaner nach der Einheit, während in der Vergangenheit spät verpflichtete Spieler mangels Fitness hin und wieder völlig ausgepumpt gewesen waren. „Statt zu Hause herumzusitzen und zu warten, ist es eine bessere Option, in Wolfsburg zu spielen. Ich möchte mich verbessern. Mein Traum ist es, in der NHL zu spielen. Nach Wolfsburg zu gehen, betrachte ich als kleinen Umweg dorthin“, sagte Casto.

Chris Casto beim Training mit den Grizzlys
Chris Casto beim Training mit den Grizzlys

Der 27-Jährige sieht sein Engagement als Chance für beide Seiten. „Skating war schon immer meine Stärke. Ich hoffe, ich kann Geschwindigkeit ins Spiel bringen. Ich denke, ich kann jeden in der Liga verteidigen. Da mache ich mir keine Sorgen.“ Nach fünf Niederlagen in Folge strotzen seine neuen Teamkollegen indes nicht gerade vor Selbstvertrauen. „Die Jungs hier befinden sich in einer schwierigen Phase. Wir fokussieren uns auf Details. Ich hoffe, ich kann ihnen helfen.“

Chris Casto gibt Auftaktmatch gegen RB München

Sein Debüt wird er am Freitag (19.30 Uhr) im Match beim Spitzenreiter geben. Dem neunmal in Folge siegreichen RB München fehlt ein Erfolg, um einen neuen DEL-Startrekord aufzustellen. „Gegen den Tabellenführer zu spielen, ist doch ein guter Weckruf“, frohlockt Casto völlig unbeeindruckt. Sein Ziel: „Als Team müssen wir anfangen zu gewinnen. Was ich gehört und auf Video gesehen habe, waren die Grizzlys-Spiele eng. Aber die Special Teams müssen etwas besser werden. Ich hoffe, ich kann dabei helfen.“

Wolfsburg ist nicht nur sportlich wie geschaffen für Casto, der sich selbst als Auto-Narr bezeichnet. „Ich habe zu Hause einen Audi und liebe es, an dem zu basteln. Es wird cool, das VW-Werk zu besichtigen.“ Völlig untypisch für einen Nordamerikaner, bat er um einen Dienstwagen mit Handschaltung statt Automatik. „Ich tausche jetzt mit Wade Bergman. Mein Vater ist Rennen gefahren, Drag-Rennen. Ich habe die Leidenschaft für Autos von ihm.“ Dass in Deutschland streckenweise kein Tempolimit herrscht, verzückt ihn. „Die Autobahn vom Flughafen nach Wolfsburg – das war schon cool. Das ist so etwas wie ein Traum von mir. Aber keine Sorge: Ich beachte die Verkehrsschilder“, schiebt er hinterher und lächelt verschmitzt.

Mit dem Bus fahren die Grizzlys nach München

Seine erste große Deutschland-Tour unternimmt er jedoch von Donnerstag an im Mannschaftsbus. Mit allen 22 gesunden Spielern plant Manager Charly Fliegauf, zum Auswärtsspiel in München zu reisen. Mit dabei ist dann auch voraussichtlich Mike Sislo. „Es wird langsam besser“, sagte der zuletzt wegen einer Unterkörperverletzung ausgefallene Stürmer.

Übernachten wird die Mannschaft vor dem München-Match in Ingolstadt. Möglich, dass Jan Nijenhuis bereits vor Ort ist, wenn die Grizzlys ankommen. Der Stürmer absolvierte am Dienstagabend in Moosburg mit der deutschen U20-Nationalmannschaft einen Test gegen den Zweitligisten Landshut und bleibt anschließend vielleicht gleich unten in Bayern.

Kapitän Furchner „coacht“ die Grizzlys Wolfsburg am Laptop

Nanu, haben die Grizzlys einen neuen spielenden Assistenztrainer? Den Eindruck erweckte am Dienstag am Rande der vormittäglichen Übungseinheit Kapitän Sebastian Furchner. Nach Trainingsende schnappte sich der 37-jährige noch am Eis einen Laptop und betrieb mit seinen Reihenkollegen eine wort- und gestenreiche Videoanalyse.

Während „Furchi“ dozierte, hockte der echte Co-Trainer Petteri Väkiparta still daneben und schaute interessiert zu. Chefcoach Pat Cortina betrachtete kurz aus der Nähe, meist aber aus der Distanz das Gespräch zwischen seinen Schützlingen. Es störte ihn nicht, dass ein erfahrener Spieler einen Job machte, der eigentlich ihm vorbehalten ist.

Furchner übernimmt Verantwortung für die Grizzlys

„Das ist okay“, sagte Cortina, „in der Kabine passiert das oft.“ Ungewöhnlich sei nur, dass es diesmal am Eis passiert sei. Der Italo-Kanadier begrüßt die Aktion sogar und sieht sie auch nicht als Aktionismus und Reaktion auf die zuletzt fünf verlorenen Spiele in Folge. „Das ist eine Art, Verantwortung zu übernehmen. Solange sich alle an die Prinzipien unserer Taktik halten, ist das in Ordnung.“

Grizzlys - Furchner bei der Video-Analyse
Grizzlys - Furchner bei der Video-Analyse

Und wer weiß, vielleicht trägt Furchners Spontan-Referat am Freitag im Spiel bei Tabellenführer RB München ja sogar Früchte? Selbst gestandene Profis wie Garrett Festerling, Gerrit Fauser und Dominik Bittner hörten schließlich aufmerksam zu.

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