Die ungewöhnliche Vorbereitung der Grizzlys Wolfsburg

Wolfsburg.  Die lange Sommerpause und unterschiedliche Fitnessstände stellen die Coaches des Eishockey-Erstligisten vor Probleme.

Das Trockentraining läuft schon seit Wochen. Die Grizzlys-Profis (vorn links Nick Latta, dahinter Marius Möchel) schwitzen kräftig in den Einheiten.

Das Trockentraining läuft schon seit Wochen. Die Grizzlys-Profis (vorn links Nick Latta, dahinter Marius Möchel) schwitzen kräftig in den Einheiten.

Foto: Sebastian Priebe / regios24

Es ist eine ungewöhnliche und sicher eine der schwierigsten Vorbereitungen für die Grizzlys. Nie zuvor in der DEL war die Saison so früh beendet für die meisten Spieler des Wolfsburger Eishockey-Erstligisten. Doch einige Nationalspieler spielten bis weit in den Mai hinein und fingen erst spät wieder an. Keine leichte Aufgabe für den neuen Athletiktrainer des Teams, alle vor dem Saisonstart auf einen Stand zu bringen.

Peter Kruse, der neue „Schleifer“ der Grizzlys, muss sich immer wieder auf andere Ausgangssituationen einstellen. Torwart Felix Brückmann zum Beispiel setzte die vergangene Saison aus Verletzungsgründen sogar komplett aus, trainiert aber seit Januar fast durchgängig wieder.

In dieser Woche absolvierte dann Nationalstürmer Gerrit Fauser seinen Lauftest. Vor der Eis-Arena waren in unterschiedlichem Abstand Lichtschranken aufgebaut, zwischen denen er hin- und herlief. Über Lautsprecher gab die Computer-Software Anweisungen und zeichnete Fausers Daten auf. Zusammen mit Youngster Jan Nijenhuis (17) war der Vize-Kapitän der Letzte des bisherigen Kaders, dessen konditioneller Zustand überprüft wurde.

Die meisten Profis des Kaders waren schon Anfang März nach dem Verpassen der Play-offs in den Urlaub gegangen und hatten früher mit der individuellen Vorbereitung begonnen. „Es ist tatsächlich schwieriger als in den Vorjahren“, bestätigt Charly Fliegauf. „Die Spieler kommen in ganz unterschiedlichem Fitnesszustand zu uns. Deswegen sind die Werte untereinander auch noch nicht vergleichbar“, erklärt der Manager. Trotzdem hat er beim Blick auf die bisher ermittelten Daten ein gutes Gefühl. „Wir sind mit dem Radtest zum Beispiel zufrieden. Keiner hat bislang im Training geschludert.“

Auch die Fitnesswerte der nordamerikanischen Spieler, die den Sommer über in ihrer Heimat leben und trainieren, werden mittlerweile regelmäßig kontrolliert. Sie haben Pulsuhren und Transponder mitbekommen. Die Daten auf den Chips werden laut Fliegauf „alle zwei Wochen“ digital ausgewertet. Auf die Weise können die Grizzlys-Coaches auch im Fall der „Amis“ immer wieder regulierend in das Trainingsprogramm eingreifen.

Die Zusammenarbeit zwischen dem neuen Coach und den Spielern laufe zudem gut. Kruse arbeitet wie sein Vorgänger Lion Hennig für dasselbe Unternehmen im Auftrag der Grizzlys. Aus den vergangenen Jahren steht reichlich vergleichbares Datenmaterial zur Verfügung. „Nun kommt es darauf an“, sagt Fliegauf, „dass in den letzten Wochen vor dem Start des Mannschaftstrainings alle Spieler den gleichen Level erreichen.“

Toi, toi, toi – bislang haben die in der vergangenen Saison arg gebeutelten Grizzlys auch keine langen Ausfälle zu beklagen. „Mit Ausnahme von ein paar muskulären Problemen sind alle wohlauf“, berichtet der Manager und klopft abergläubisch auf das Holz seines Schreibtischs.

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