Rostock. Deutschlands Frauen besiegen Dänemark im Nations-League-Schlüsselspiel in Rostock verdient mit 3:0.

Der Olympia-Traum lebt! Die deutschen Fußballerinnen dürfen weiter auf die Teilnahme an den Spielen in Paris im kommenden Sommer hoffen. Vor 19.180 Zuschauern im ausverkauften Rostocker Stadion besiegte die Mannschaft von Interimsbundestrainer Horst Hrubesch in der Nations-League-Gruppe A2 mit Dänemark den Hauptkonkurrenten. Das Wichtige dabei: Nach dem 0:2 im Hinspiel im September drehte Deutschland den direkten Vergleich mit dem 3:0 (2:0) zu seinen Gunsten. DFB-Kapitänin Alexandra Popp und ihre Wolfsburger Teamkollegin Marina Hegering stellten mit ihren Kopfballtreffern bereits in der ersten Hälfte die Weichen auf Sieg. In der Nachspielzeit erzielte Bayerns Klara Bühl sogar das 3:0, mit dem die Nationalmannschaft auch den direkten Vergleich gewann und die Fans in Mecklenburg-Vorpommern kein Halten mehr kannten.

Gegen Wales muss Deutschland jetzt den Nations-League-Gruppensieg klarmachen

Geschafft ist dadurch noch nichts. Am Dienstag (19.30 Uhr, live auf sportschau.de) muss Deutschland in Wales den Gruppensieg klarmachen. Es reicht ein Sieg, egal in welcher Höhe, und im Anschluss daran muss das Team in den Play-offs bestenfalls das Finale erreichen. Doch die Dänemark-Partie im bitterkalten Ostsee-Stadion war der Schlüssel, überhaupt noch an ein Happy End in Paris denken zu dürfen.

Hrubesch mixte im Vergleich zum 2:0-Arbeitssieg in Island munter durch, tauschte auf insgesamt sechs Positionen. Und den Ernst dieser Lage hatten am späten Freitagabend alle deutschen Spielerinnen begriffen. Es waren die Gastgeberinnen, die von Anpfiff an versuchten, der Partie ihren Stempel aufzudrücken. Von großer Verunsicherung, die das Team nach dem frühen Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft auch im Dänemark-Hinspiel noch begleitet hatte, war nichts zu sehen. Auch wenn bei weitem nicht alles gelang.

Alex Popp und Marina Hegering köpfen Deutschland vor der Pause zum wichtigen 2:0

Aber in den entscheidenden Momenten war die Mannschaft da. Bühl bediente die Hoffenheimer Linksverteidigerin Sarai Linder, deren Flanke maßgeschneidert für Popp kam. Die Wolfsburger Anführerin schraubte sich zwischen zwei Verteidigerinnen hoch - 1:0 nach gerade einmal 14 Minuten. Erst jetzt kamen auch die Däninnen mal vors Tor, spätestens bei Merle Frohms, die nach ihrer Gehirnerschütterung ins Tor zurückkehrte, war allerdings Endstation.

Stattdessen besorgte auf der Gegenseite Innenverteidigerin Hegering nach einer Bühl-Ecke das wichtige 2:0, damit hatte das deutsche Team schon einmal sein Wunschergebnis. Dieses zu halten, kam dabei nicht infrage. Nach dem Seitenwechsel ging es kontrolliert weiter Richtung Däninnen-Tor. Münchens Sydney Lohmann versuchte es aus fast 20 Metern, knapp vorbei.

Klara Bühls Tor zum 3:0 lässt das Ostseestadion kochen

Deutschland kontrollierte weiter das Geschehen, war defensiv konzentriert und sicher, aber die Gäste blieben vereinzelt gefährlich, wie beim Versuch von Frederikke Thogersen, aber auch den hatte Frohms sicher. Gwinn hatte dagegen eine Viertelstunde vor dem Ende die Entscheidung auf dem Fuß, ihr Schlenzer tropfte allerdings vom Pfosten nach vorne statt ins Tor. Kurz vor Schluss hätte Lohmann auf 3:0 stellen müssen, verpasste aber die Entscheidung. Und so war es trotz des guten deutschen Auftritts fast bis zum Schlusspfiff eine ganz enge Kiste. Erst Bühls 3:0 in der dritten Minute der Nachspielzeit erlöste das Team.

Dieser Sieg, so wichtig er war, zeigt aber zugleich das Generationen-Problem. Mit Popp und Hegering haben es zwei Spielerinnen gerichtet, deren Nationalmannschafts-Karriere im Alter von 32 beziehungsweise 33 Jahren endlich ist. Sollte sich die Mannschaft in den Play-offs tatsächlich gegen Topteams wie Spanien oder die Niederlande durchsetzen - Frankreich ist bereits für Olympia qualifiziert - muss danach ein Generationswechsel stattfinden, den Hrubesch zum Teil zumindest schon am Freitag eingeläutet hat. Zur Pause kam mit Elisa Senß eine Debütantin in diesem wichtigen Spiel für Routinier Sara Däbritz. Die 26 Jahre alte Leverkusenerin hatte als defensive Mittelfeldspielerin auch offensiv gleich mehrere gute Aktionen, fügte sich nahtlos ein. Für Spielerinnen wie Popp oder Hegering Nachfolgerinnen aufzubauen, dürfte schwieriger werden.

Hätte die deutsche Nationalmannschaft an der Ostsee Schiffbruch erlitten, wären Fragen wie diese vermutlich schon schneller aufgekommen. So dürfte in naher Zukunft erst einmal die Position der DFB-Sportdirektorin mit Nia Künzer offiziell gemacht werden. Am Freitagabend war es daher ein extrem wichtiger Sieg, der die Hoffnung auf Paris nicht nur am Leben erhält, sondern mit der souveränen Art und Weise auch wieder realistischer werden lässt.