Braunschweig. Union Berlin hat seinen Trainer gefeuert. Die Entscheidung des Fußball-Klubs, der anders sein will, kommentiert Henning Thobaben.

Profifußball, das ist heute nur noch Event und Kommerz, sagen viele. Und genau deshalb wird Union Berlin so geliebt. Die Köpenicker haben in den vergangenen Jahren ein romantisches Kapitel Fußballgeschichte geschrieben. Ein Klub, der anders sein will. Hochglanzprodukt Bundesliga? Nicht in Köpenick. Nicht in einem Stadion, in dem die Anzeigetafel noch mit der Hand bedient wird und die Fans ihr Team auch nach Niederlagen feiern. Lange waren es aber nur die sportlichen Erfolge, die im Fokus standen. Bundesligaaufstieg 2019, Einzug in die Champions League in diesem Jahr. Wohin sollte der Weg noch führen?

Der 15. November ist für alle Fußball-Nostalgiker ein bitterer Tag. Union gab die Trennung von Trainer Urs Fischer bekannt. Der Schweizer wurde letztlich zum Opfer seines eigenen Erfolgs der vergangenen fünfeinhalb Jahre. 14 Spiele ohne Sieg, Champions-League-Aus, Bundesliga-Schlusslicht. Das war am Ende zu viel. Selbst für einen Verein, der sich gegen die Mechanismen des Geschäfts zu stemmen versucht und unter seinem ambitionierten Präsidenten Dirk Zingler nur „dosierte Kommerzialisierung“ zuließ.

Bonucci, Volland, Tousart, Fofana, Gosens – der Klub investierte im Sommer in vermeintliche Top-Spieler. Und doch folgte der Absturz, auch weil die Mannschaftshierarchie kippte. Dass daran nicht allein Fischer schuld ist, dürfte klar sein. Aber so ist es eben im unbarmherzigen Profifußballgeschäft: Bleibt der Erfolg aus, rollen Köpfe. Und oft ist es der des Trainers. Anders als alle anderen? In diesem Punkt sind es die „Eisernen“ nicht mehr. Einziger Trost: In Sachen Co-Trainer geht Union wieder eigene Wege. Marie-Louise Eta ist der erste weibliche Coach der Bundesliga-Geschichte.